WAS IST LIEBE?

  • Zitat

    Die meisten menschen erwarten wohl von der liebe, daß man ständig in hochstimmung ist.

    Ja, einer der großen Irrglauben über Liebe. Da wird das Hochgefühl am Beginn einer Liebe zum Gradmesser genommen.
    Wenn man verliebt ist, sind die gleichen Hirnregionen aktiviert wie wenn man Drogen nimmt. Im Zustand der ersten Verliebtheit ist man also unter Drogen. Und wie bei jeder Droge, lässt die Wirkung allmählich nach...

    Zitat

    der andere kann es nur an meinen taten ablesen.

    ...und der Vorwurf "du liebst mich nicht (mehr)" bedeutet eigentlich nur "du verhältst dich nicht (mehr) so, dass ich mich von dir geliebt fühle

    Zitat

    wie misst man liebe?

    .. werd mich dran machen, ein Love-o-meter zu entwickeln (bin Physiker) :laugh:

    liebe Grüße,
    Richie
    ----------------------
    Life sucks? Dial 42!

  • Für mich ist Liebe das Gefühl, da bleibt, wenn der andere mir nichts mehr geben kann. Wenn ich mir vorstelle, mein Partner wäre plötzlich impotent und bettlärig wegen einer chronischen Krankheit. Es gibt nur einen, wo ich das Gefühl habe, für diesen würde ich auch unter diesen (fiktiven) Umständen gern weiter in Liebe da sein, ohne dass dies nur aus Verantwortungsgefühl resultiert. Diese, ich würde sie reine Liebe nennen, ist ähnlich wie die Liebe zu einem Kind, es kann einem gerade am Anfang eigentlich nichts "geben", außer dass es da ist...
    :flower::flower::flower:

  • Zitat

    Wenn ich mir vorstelle, mein Partner wäre plötzlich impotent und bettlärig wegen einer chronischen Krankheit. Es gibt nur einen, wo ich das Gefühl habe, für diesen würde ich auch unter diesen (fiktiven) Umständen gern weiter in Liebe da sein, ohne dass dies nur aus Verantwortungsgefühl resultiert


    geht mir auch so. wobei ich natürlich nicht weiss, ob das gefühl anhalten würde, wenn dann solch schwierigen umstände einträfen... denn die psyche des partners wird sich da dadurch mit verändern.. sein selbstwert wird leiden und es kann dann extra probleme geben wodurch man sich entfernt...


    aber um meine eigenen gefühle zu prüfen, denk ich mich dann auch in sowas rein und spüre was da ist. wenn ich dann so ein warmes gefühl spüre, dann bin ich sicher ich liebe....

  • Zitat

    werd mich dran machen, ein Love-o-meter zu entwickeln (bin Physiker)


    deine berufswahl ist interessant. Habe in „grundformen der angst“ gelesen, daß bä sich oft wissenschaftliche berufe aussuchen. Ich gehöre zwar nicht den wissenschaftlern an, sondern zur großen fraktion der kaufmännisch tätigen. Aber mathematik und physik haben mich schon immer brennend interessiert, das habe ich auch verstanden und war eine der besten in der ausbildung. Nachdem ich vor kurzem einen mathematik-professor kennengelernt habe, der nen recht lockeren berufsalltag hat, habe ich gemerkt, daß ich momentan doch den komplett falschen beruf ausübe. Der hat sein hobby zum beruf gemacht. und hat mir bescheinigt, daß ich ein talent zur mathematik habe.


    ich versuche überhaupt, alles logisch zu erfassen und zu analysieren, auch die gefühle meiner mitmenschen. Ich habe keine so gute menschenkenntnis, so daß ich mit dem verstand versuche, rauszufinden, ob mich wer mag oder nicht. ein bekannter hat mal gesagt: „das spürt man doch, ob einem wer mag“. bei manchen schon, aber bei manchen tue ich mich da unheimlich schwer. Dann versuche ich, zu analysieren, warum dieser mensch mit mir befreundet ist / eine beziehung hat. hat er einen materiellen / beruflichen vorteil? Ist es pflichtbewußtsein? Oder mag er mich als mensch? geht es anderen auch so?


    Bei meinem ex, der nach außen hin immer relativ neutral war, habe ich mir da besonders schwer getan.

  • "Grundformen der Angst" ist m.E. nach eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Ein weiteres Buch, das mich sehr beeindruckt hat, ist "Persönlichkeit" von Daniel Nettle.


    Dein Posting beeindruckt mich auch - mir kommt vor, als sprächest du von mir :)
    Ich bin auch ein sehr kopflastiger Typ, versuche alles zu analysieren und zu verstehen. Meine Gefühle behalte ich wohl oft für mich, aus Angst, verletzt zu werden. (Denke aber nicht, dass ich prinzipiell gefühlsarm bin, sonst hätte ich wohl kaum Sucht und Depressionen kennengelernt.)
    Ich stamme aus einer dysfunktionalen Familie. Daher habe ich wohl nie gelernt, meinen Gefühlen zu trauen. Es passiert mir immer wieder, dass ich in einer Situation nicht weiß, welche Reaktion nun angemessen ist, bzw. ob das, was ich spontan empfinde, normal ist.
    Und ich bin ebenfalls nicht sehr empathisch, kann Stimmungen bei meinen Mitmenschen nur schwer richtig wahrnehmen und einschätzen. Fehlinterpretationen sind keine Seltenheit...
    Mir muss man das halt am besten auch verbal mitteilen...


    zum Physiker: ist letztendlich auch ein ganz normaler Beruf ... aber man kann damit sehr viel erreichen, sogar deutsche Bundeskanzlerin werden :laugh:
    Ich bin bei Joanneum Research (in der außeruniversitären Forschung) - da ist es natürlich noch etwas stressfreier als in der Industrie. Aber je dienstälter man wird, umso mehr hat man auch mit administrativen Dingen sowie Management und "Netzwerken" zu tun - was mir als sehr introvertiertem Menschen gar nicht behagt. Wenn ich die Hälfte meiner Zeit direkt an der Anlage arbeiten kann, ist es eh schon viel...

    liebe Grüße,
    Richie
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  • „grundformen der angst“ finde ich auch sehr gut. vor allem weil riemann nicht nur die schlechten, sondern auch die guten eigenschaften von schizoiden menschen erwähnt. Z. b. auf s. 34:


    ….er ist in der gefühlsäußerung karg und am dankbarsten, wenn ihm der partner eine unaufdringliche zuneigung, ein stück heimat und geborgenheit gibt. Wer ihn zu nehmen versteht, kann mit seiner tiefen zuneigung rechnen, die er nur nicht recht zeigen und zugeben kann.


    diese stelle gefällt mir sehr, trifft auch gut auf mich zu. Allerdings kann ich zuneigung schon zeigen, neige aber nicht zu gefühlsduseleil. Ich zeige lieber durch gesten.

    Zitat

    Meine Gefühle behalte ich wohl oft für mich, aus Angst, verletzt zu werden.


    Ich zeige gefühle schon, egal ob relativ fremden oder nahe stehenden. Aber wenn sich wer drüber lustig macht, werde ich giftig. Außerdem sieht man mir jedes gefühl schon aus 1 km entfernung deutlich an. gefühle „verstecken / verbergen“ kann ich leider gar nicht. ich bewundere die menschen, die fast immer so nen neutralen gesichtsausdruck behalten, egal, was passiert. So wie mein letzter ex oder mein vater. Versuche zwar, das auch bisschen besser hinzukriegen, bin aber leider das totale gegenteil davon, sehr impulsiv.


    Die bä, die ich kenne, sind absolut nicht gefühlsarm, eher im gegenteil. Und ich habe zu meinem leidwesen ständig irgendwelche gefühle. Ich kann nicht verstehen, wie manche bä es schaffen, irgendwelche gefühle abzuspalten / abzuschalten. Ich wollte, ich könnte das.

    Zitat

    Es passiert mir immer wieder, dass ich in einer Situation nicht weiß, welche Reaktion nun angemessen ist, bzw. ob das, was ich spontan empfinde, normal ist.


    Das kenn ich auch. Außerdem neige ich dazu, falsch oder überzureagieren. Und andere menschen kann ich schwer einschätzen, außer ich kenne sie schon länger.

    Zitat

    nicht sehr empathisch,


    ist nicht empathisch sein und schlechte menschenkenntnis haben das gleiche? ich dachte immer, empathisch sein heißt, sich in den anderen reinversetzen zu können. Wenn er andere was fühlt, was ich gut von mir kenne, bin ich sehr empathisch. Da kann ich den anderen voll verstehen. Aber wenn wer ne unterschiedliche gefühlswelt hat als ich bzw in situationen anders reagiert, stehe ich auch dem schlauch.

    Zitat

    Mir muss man das halt am besten auch verbal mitteilen...


    Da tue ich mir auch leichter. Oder der wink mit dem zaunpfahl, und wenn das auch nichts bringt, dann den zaun komplett um die ohren hauen.

    Zitat

    sogar deutsche Bundeskanzlerin werden


    wusste gar nicht, daß frau merkel physikerin ist


    mit welchem fachgebiet in der physik beschäftigst du dich? (kannst es auch gerne per pn schreiben, wenn du hier nicht so viel von dir preisgeben willst). Mein bekannter hat mich mal in seine uni mitgenommen. Ich wollte was über die imaginären zahlen wissen, aber in ner std, die er es mir kurz erklärt hat, habe ich es dann leider doch nicht verstanden. Auf jeden fall haben mir mathe und physik schon in der schule immer viel spaß gemacht.


    ich bin eher extrovertiert. Gehe auch von mir aus auf leute zu und quatsche alle möglichen leute ohne hemmungen an, wenn mir danach zumute ist. nur beruflich mag ich kundenkontakt gar nicht. aber da ist es ja meist die unangenehme art, wenn’s um kunden geht.


  • Wow ... sehr treffend beschrieben.

  • Dieser Thread ist schon älter, aber ich sehe eigentlich keinen Grund einen neuen zu eröffnen, denn die Frage ist doch zeitlos: Was ist Liebe? Was bedeutet Liebe für mich?


    Ich habe so lange keine wirkliche Antwort auf die Frage gehabt und die Antworten die ich habe waren immer Veränderungen unterworfen. Als ich noch unreifer war habe ich LIEBE und LIEBESBEZIEHUNG im Geiste gleich gesetzt und gar keine Unterscheidung getroffen. Inzwischen bin ich älter und das verändert meine Gedanken dazu.


    Inzwischen sehe ich einen deutlichen Unterschied zwischen dem Gefühl der Liebe und der gelebten Paarbeziehung. Aber wenig Unterschiede zwischen dem Gefühl der Liebe zu einem Partner, Freunden oder meinem Kind, meiner Familie. BEZIEHUNG ist für mich inzwischen nur noch ein Wort für den gelebten Alltag, egal ob mit Freunden, Familie oder mit Partner, also geht es da für mich mehr um die Art und Weise wie man das auslebt. Soweit verständlich?


    Eine Beziehung ist dann quasi die Häufigkeit mit der man sich sieht, worüber man miteinander spricht, wie man zueinander steht, wie man sich verhält wenn es Streit gibt, eng wird, Probleme auftreten, etc. Das kann jeder mit seinem Gegenüber frei gestalten, auch wenn es unkonventionell gestaltet sein soll. Die Beziehung zu meine Kind ist Veränderungen unterworfen, das liegt schon in der Natur der Sache.


    Aber meine Liebe zu meinem Kind ist konstant. Ich lebe sie heute nur anders, z.B. früher bin ich ihr auf ihrer Ebene begegnet, nun kommt sie mehr und mehr auf Augenhöhe mit mir und wir verbringen weniger Zeit miteinander, weil sie mehr und mehr ein eigenes Leben entwirft. Das ist dann die Gestaltung der Beziehung.


    Inzwischen habe ich LIEBE für mich so auf den Punkt gebracht, dass es ein Gefühl des Erkennens ist und des Erkannt-werdens. Erkannt werden in dem wer man ist und warum man so ist und genau dafür geliebt und geschätzt zu werden. Das bedeutet nicht dass man immer verstanden oder bejaht werden soll oder muss. Ich verstehe mein Kind auch nicht immer. Manchmal verstehe ich nicht warum sie so und so handelt und nicht anders, wie ich denke dass es vielleicht klüger oder leichter für sie wäre. Aber ich weiß dann auch dass sie ist wie sie ist und deswegen so und so handelt. Ich weiß wie sie tickt. In Fällen wo man sich noch nicht kennt ist es für mich das Interesse daran wie der andere tickt, dass man sich die Frage stellt, immer wieder und auch dem anderen die Frage stellt. Quasi das Interesse an einer Person und an deren Entwicklung, ohne dabei selbst ein Faktor sein zu müssen.


    Und gemessen daran liebe ich einige Menschen. Aber ob mich auch jemand so sieht? Zumindest bemerke ich das selten. Selten fragt mich im Streit oder ohne Streit jemand warum mir das und das wichtig ist oder warum ich es so tue und nicht anders. Aber ich habe eine große Sehnsucht danach. Vielleicht sollte ich das anderen auch mehr geben als ich es bislang tue.


    Und dann habe ich Negativ-Beispiele dafür gesucht:

    • Er (mein Exmann, von dem ich schon mehr als zehn Jahre getrennt lebe, aber wir teilen das Sorgerecht) kennt mich nun über 25 Jahre. Und weiß mehr als alle anderen von mir und hat mehr selbst miterlebt. Und trotzdem versteht er wenig bis nichts. Er versteht vor allem mich nicht und schätzt mich sehr falsch ein, schätzt Situationen ständig falsch ein und kapiert einfach wenig bis nichts. Das ist absolut enttäuschend, auch auf so ner menschlichen Ebene. Als wäre man nur wie so eine Schaufensterpuppe in seinem Leben und spielt so ne Rolle die er einem zudenkt. Wer man wirklich ist scheint gar nicht so interessant für ihn zu sein.
    • Wenn jemand wie der F. (ein Datingpartner) nicht mit mir spricht, total in seinem Film gefangen ist und nur an sich denkt, sich nicht mal mehr fragt was mit den Menschen um ihn herum gerade los ist, besonders im Bezug auf mich, fühle ich mich nicht erkannt. Wenn er mir keine Fragen stellt um rauszufinden wie ich ticke (wobei er mir immerhin gesagt hat warum er das nicht tut) fühle ich mich nicht erkannt.
    • Ich habe so oft das Bedürfnis zu meinen Kerlen zu sagen, dass ich NICHT IHRE MUTTER BIN, weil ich förmlich spüren kann wie eine Verkleidung über mich gestülpt wird und ich darunter unsichtbar werde. Das ist jetzt nicht nur so gesagt. Ich spüre das und dann werde ich oft wütend und verzweifelt.

    Und ein sehr positives Beispiel:

    • Dass ich mein Kind erkenne kommt ja nicht aus dem Nichts. Wir leben schon sehr lange zusammen und ich beschäftige mich damit wer sie ist. Und ich weiß warum sie was tut oder tun muss und deswegen verstehe ich wie sie tickt, selbst wenn ich nicht verstehe WARUM sie es so und so macht und nicht anders, weiß ich doch: Das ist sie. SO IST SIE. Und es gibt keinen Tag an dem ich sie mehr oder weniger liebe oder an dem ich das daran messe was sie tut und lässt oder wie sie aussieht, sich anzieht, wie erfolgreich sie ist. Es ist einfach nicht oberflächlich. Und ich liebe sie und sie ist mein Lieblingsmensch.

    Und ich frage mich, ob man daran erkennt, dass ein anderer einen liebt. Dass er sich diese Fragen stellt. Nicht daran ob er um einen wirbt (das hat ja mehr mit Eroberung zu tun). Sondern am Wunsch zu verstehen. Aber der Wunsch alleine kann es auch nicht sein, denn verstehen habe ich lange und viel geübt und getan, oft zu viel. Mich selbst dabei aus den Augen verloren. Also scheint da noch ein Puzzleteil zu fehlen. Vielleicht ist das dann meine fehlende Selbstliebe?


    Wie seht ihr das? Ich würde mir sehr wünschen dass auch andere sich mit mir fragen.

  • Danke für die spannenden Gedanken - beim Lesen wurde mir klar, dass ich mich noch nie gefragt habe, welches Konzept Liebe für mich hat. Bisher war es nur die chemisch-emotionale Ebene, die für mich Liebe ausgemacht hat. Als ich gestern den Text las und im Anschluss mit meinem langjährigen Freund sprach und auch heute, mit einer Freundin ein alkoholfreies [!] Bier getrunken habe konnte ich sehen, dass ich erkannt werde. Meine Seele fühlt sich bei diesen Menschen sehr wohl, dieser innere Körper ist ganz beweglich, kuschelig und im Köper gut eingebettet, so dass der Außenkörper gut gefüllt ist.


    Wenn ich jedoch mit Menschen zusammen bin, die mir nicht wohlgesonnen sind, oder bei denen ich auf der Hut sein muss (so wie bei den Freundschaften, die allesamt letztes Jahr in die Luft gegangen sind), ist dieser innere Körper sehr angespannt, sehr verengt und zieht sich nach innen zurück. Wie Venen, wenn Blut abgenommen wird.


    Was hat das jetzt mit Liebe zu tun? Ganz einfach, denn wenn ich Liebe, fühlt es sich so an, als würde ich meinen eigenen Körper verlassen, so sehr bin ich damit beschäftigt, den anderen Menschen von innen heraus zu erfühlen und zu ertasten. Ein bisschen gruselig ist die Vorstellung und es würde mir dann auch erklären, warum die Männer bei mir oft nur bis zu diesem Moment da sind und dann "reißaus" nehmen. Würde ich glaub ich auch, wenn das jemand bei mir machen würde.


    Und etwas schönes hat diese ERkenntnis, es hat nicht wirklich etwas mit mangelnder Selbstliebe zu tun, sondern eher mit dieser Selbstüberschätzung, dass ich denke, "och ich kann das schon" und mich so sehr von mir selbst entferne, ohne die Sicherheit zu haben, dass der andere dies auch so tut. Spannend. Ein wenig verschroben und arg blumig mein Bild, aber eben mein Bild :flower:

  • Ich finde auch, ich muss darüber noch viel nachdenken. Das ist wirklich noch nicht alles was ich da geschrieben habe, ich spüre dass da noch einiges fehlt.


    Zitat

    Ganz einfach, denn wenn ich Liebe, fühlt es sich so an, als würde ich meinen eigenen Körper verlassen, so sehr bin ich damit beschäftigt, den anderen Menschen von innen heraus zu erfühlen und zu ertasten. Ein bisschen gruselig ist die Vorstellung und es würde mir dann auch erklären, warum die Männer bei mir oft nur bis zu diesem Moment da sind und dann "reißaus" nehmen. Würde ich glaub ich auch, wenn das jemand bei mir machen würde.


    Und etwas schönes hat diese ERkenntnis, es hat nicht wirklich etwas mit mangelnder Selbstliebe zu tun, sondern eher mit dieser Selbstüberschätzung, dass ich denke, "och ich kann das schon" und mich so sehr von mir selbst entferne, ohne die Sicherheit zu haben, dass der andere dies auch so tut.

    Das kenne ich sehrsehrsehr gut, so war es früher bei mir auch. Meine Mutter hat das auch so mir mir gemacht, Wechselbad aus "sie kennt meine Gefühle besser als ich" und "sie nimmt mich gar nicht wahr und ich soll nur eine Funktion erfüllen" bis zu "sie will mich vernichten".


    Ich habe dann auch irgendwann gedacht, dass es sich für mich sehr unangenehm anfühlt wenn andere das bei mir machen wollen und dann geht der Rollo runter. Ich glaube man braucht das Gefühl dass andere einem was anbieten, man selbst aber die Definitionshoheit über sich und sein Leben hat. Erst recht wenn man erfahren hat dass man dem was an einen herangetragen wird nicht trauen darf, weil es mehr die Bedürfnisse der Eltern erfüllen sollte als deinem Wohl zu dienen. In er Klinik wurde auch mein Mißtrauen gegenüber der Art wie dort gearbeitet wurde thematisiert (und da war ich eher noch bei den recht vertrauensvollen, so im Vergleich) und da kam auch die Frage, dass ich das ja vielleicht nicht kenne, dass z.B Eltern (Therapeuten) sich ohne mein Beisein austauschen und überlegen was das Beste für mich ist.

  • In er Klinik wurde auch mein Mißtrauen gegenüber der Art wie dort gearbeitet wurde thematisiert (und da war ich eher noch bei den recht vertrauensvollen, so im Vergleich) und da kam auch die Frage, dass ich das ja vielleicht nicht kenne, dass z.B Eltern (Therapeuten) sich ohne mein Beisein austauschen und überlegen was das Beste für mich ist



    Also, nach meinen letzten Arbeitserfahrungen und einigen Gesprächen darüber my two cents:


    Solche Kliniken haben meist einen sehr hierachischen Aufbau und halt auch nicht selten narzisstische Leiter. Für so eine Aufgabe so eine riesige Klinik nach außen erfolgreich zu lenken íst vielleicht auch ne gehörige Portion Narzissmus notwendig.

    Das führt dann zumindest so, dass die Kliniken erfolgreich sind, finanziell gut dastehen etc.
    Aber: wie heißt es so schön: DEr Fisch stinkt vom Kopf. Das heißt, eine narzisstische Führung wird das Klima bis in der Regel bis in die tiefsten Ebenen beeinflussen. Und eben auch, wie mit Patienten umgegangen, über Patienten geredet wird.

    Eine Bekannte hat als Psychologin in einer psychosomatischen Klinik gearbeitet und auch sie mochte die Art, wie dort über Patienten geredet wurde, überhaupt nicht. Von Leitungsseite war das oft ein: ist der immer noch da? WAnn wird der endlich entlassen, wir brauchen wieder Platz.

    Von Stationsseite meinte sie, dass Intervisionen eher ein Lästern über Patienten als wirklich professionelle FAllbesprechungen gewesen sein.
    Die Therapeutin, wo ich jetzt bin, und die früher auch in Kliniken gearbeitet hat, hat auch angedeutet, dass sie sowas selbst erlebt hat. Und ich wette mein erster Therapeut auch, so emotional und entsetzt wie der manchmal reagiert hat.


    Nun will ich nicht sagen, dass es in jeder Klinik so ist. Und ob es in der Klinik, wo du warst, auch so ist, weiß ich natürlich auch nicht. Abgesehen davon gibt es auch verschieden starke Ausprägungen und keine Klinik/Therapeut etc. ist perfekt.


    WAs ich aber damit sagen will, dass es auch hier wichtig sein kann, sich selbst zu vertrauen, auch der eigenen Wahrnehmung. Sie zwar schon auch auf Realitätsgehalt zu überprüfen, aber sie eben auch nicht abzutun, nur weil jemand (auch ein Therapeut) irgendwas sagt. Und es kann natürlich durchaus sein, dass man, wenn man da einen familiären Hintergrund hat, auf solche Sachen sensibler und empfindsamer reagiert. Und auch hier glaube ich, dass man im Sinne der Selbstliebe auch das Recht und die Pflicht zum Selbstschutz hat.


    Also, ich für meinen Teil würde, wenn ich noch mal so was habe, da gerne in so eine Klinik. Als die eine Therapeutin mir eine Klinik vorgeschlagen hat, habe ich mir auch die Website angeschaut. DAs ist echt nett. Maltherapie, Schwimmbad, Natur, sogar Reittherapie, gutes Essen. :-) . Ich finde, so eine Auszeit kann einem selbst und der Seele voll gut tun und ich würde das auch jeden Fall machen, wenn es mir noch mal so geht. Ich weiß ja inzwischen auch, was ich sagen muss, um sowas zu kriegen.:applause:


    Aber: ob ich da mein Innerstes offenbaren würde? Das würde ich mir schon überlegen. So Gespräche zur Entlastung, gut. Aber wirklich persönliche Themen? Hmmm...da fänd ich ne ambulante Therapie mit ner Therapeutin, die ich wirklich mag und der ich vertraue, besser.

    Aber ich denke, letztendlich muss das jeder selbst wissen.


    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.