Bootcamp der Seele - Selbstliebe-Speicher auffüllen

  • Hey Kat,


    sieh das Mal als Fortschritt. Du hast Red-Flags erkannt und entsprechend gehandelt. Das ist gut.

    Der Weg ist lang. Und auch wenns Rückschläge gibt, dann wird die Erholungszeit kürzer. Auch werden die "Beziehungen" kürzer.

    Du entwicklest Trennungskompetenz.


    Das sind alles Fortschritte.

  • Hey Tom,

    danke für die aufbauenden Worte. *lach* Trennungskompetenz ist ein schönes Wort in dem Zusammenhang. Immerhin. Hmhh. Ich dachte anfangs auch, es sei ein Fortschritt. Ich hab versucht, alles mal ganz anders als sonst zu machen. Hab nicht lange nachgefragt als nichts mehr kam und versucht, nur seine Taten als Indiz zu nehmen und dann einfach auch nichts mehr zu investieren und raus zu gehen.


    Vielleicht wäre das wirklich radikal andere gewesen, ihn wirklich zu konfrontieren und zu fragen, warum er das Ganze überhaupt anfangs eingegangen ist. Ich glaube nicht, dass er wirklich weiß, wie es mir ging. Die Frage ist, muss er es wissen? Das Ergebnis wäre wahrscheinlich das Gleiche gewesen, denn mich bekannt hatte ich ja schon am Anfang.


    Heute - wieder zurück auf der Arbeit - hat es mich gebeutelt. Ich wurde wieder traurig, hab ihn vermisst. Komischerweise erinnert mich dort so vieles an ihn. Es ist so schade und ich hätte wie gesagt nie gedacht, dass ich ihm so egal bin, zumal wir uns ja schon länger kennen und er von sich aus null investiert. Es ist echt eine der Geschichten, an denen ich bis jetzt am längsten hänge.


    Zur Sekunde fällt mir eine Geschichte ein, die ich ganz am Anfang des Studiums hatte. Da war ich anfangs ähnlich leicht und unbeschwert, wie bei dieser Sache. Und hat ähnlich kurz und intensiv gedauert und war für mich ähnlich schwer zu verkraften im Nachhinein. Hat sich Ewigkeiten gezogen. Andere Sachen dann wieder, da hab ich mich überhaupt nicht verliebt, obwohl ich mehrfach mit jemandem was hatte...


    Ich steig durch mein eigenes Muster mit Beziehungen nicht durch. Null. Ich hab mir schon so viel angeschaut. Auch das mit den Wurzeln Anonymus, das ist ja auch echt offensichtlich bei mir und hat meine komplette Therapie beherrscht, dieses Thema. Wie gesagt, im normalen Leben bin ich inzwischen sehr wurzelig, ohne dabei angewachsen zu sein. Und ja, ich verliebe mich auch schnell - ein emotionaler Schnellbrüter, hat mein bester Freund mal gesagt. Aber wie bekommt man das runtergekocht?


    Nachdenkliche Grüße

  • Das mit dem emotionalen Schnellbrüter ist süß. Ich glaube man bekommt es gar nicht runtergekocht. Man ist was man ist.


    Derzeit benutze ich die Deaktivierungsstrategien zum ersten Mal für mich um besser über die Sache hinwegzukommen. Ich verlasse mich jetzt mal darauf dass ich quasi gar nicht zu egoistisch und kaltherzig werden kann, so wie ich gestrickt bin, aber ich versuche mich selbst maximal zu verstehen, anderen Menschen maximal was zuzumuten, auch an Wahrheit über mich und die Situation und so weiter. Einfach mal ausprobieren. Ich will mal wissen wie das ist. Einfach mal nicht fair spielen, sondern so wie es am besten für mich ist. Mal sehen wie das wird.

  • ...wie machst du das konkret? Und was genau meinst Du damit:

    anderen Menschen maximal was zuzumuten, auch an Wahrheit über mich und die Situation und so weiter. Einfach mal ausprobieren. Ich will mal wissen wie das ist. Einfach mal nicht fair spielen, sondern so wie es am besten für mich ist. Mal sehen wie das wird.

    Meinst Du im Alltag oder gedacht ihm gegenüber... hat er sich eigentlich mal gemeldet? Wie geht es Dir im Moment?


    Ich find dieses vermeidende so wahnsinnig krass. Bei mir geht da immer der Geist der früheren Generationen durch mich hindurch, wie bei Omar Sharif in Dr. Shivago - wir müssen doch füreinander da sein, egal was da kommt. Pffft. Ich krieg diese effin Verbindlichkeit nicht raus aus mir.


    Ich kenn das ja, weiß drum und denk "diesmal nimmste es locker... neee, echt jetzt" und dann wieder so was. Und wie gesagt, es gab schon Romanzen, die waren sweet, aber da war ich emotional nicht halb so verstrickt. Und das waren ähnliche Kaliber wie BAs würde ich im Rückblick behaupten.


    Ich seh mein eigenes Puzzle nicht. Irgendein Schrott-Teil wiederholt sich ständig und iCH SEH ES EINFACH NICHT. Wie bei diesen Postkarten früher, da hab ich auch nie gesehen, dass was 3D wurde...

  • Versuch doch deinen emotionalen Schnellbrüter als was liebenswertes anzusehen. Ich weiß dass das meine Partner bei mir anfangs ganz toll finden, dass ich emotional bin und das zeigen kann und Begeisterung habe und Menschen mitreißen kann (nicht nur in Liebesdingen). Das wirkt auf andere manchmal beneidenswert lebendig. Aber ist doch klar, dass man dann in Liebesdingen kein kühler Rationali ist. Ich glaube das schmiere ich ab jetzt auch einfach allen gleich am Anfang aufs Brot. Dann habe ich es zumindest gesagt. Zusammen mit der Info dass ich bei Totstellen in die Krise gerate und die Kiste damit gelaufen ist.

  • Ich glaube das schmiere ich ab jetzt auch einfach allen gleich am Anfang aufs Brot. Dann habe ich es zumindest gesagt. Zusammen mit der Info dass ich bei Totstellen in die Krise gerate und die Kiste damit gelaufen ist.

    Ächz, da bekomm ich ja schon Schiss beim Lesen *bibber*. Geschweige denn, dass IcH sowas gewagtes sagen würde. Im ernst, es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, direkt am Anfang zu schauen, ob etwas passt oder nicht. Wie bei Levine/Heller die Stelle, in der die bindungssichere Frau meinte, sie hätte die Typen, die sie erst nach drei Tagen zurückgerufen hätten, direkt aussortiert. Die hätten sie auch nicht mehr interessiert. Da möchte ich gerne hinkommen.


    Wahrscheinlich hänge ich an dem Typen jetzt so unglaublich, weil meine eigene Projektion größer als der Himalaya war...und genau deshalb hat er auch Reißaus genommen...


    Aber wie gesagt, ich seh die Stelle nicht, warum ich gerade da etwas anderes überdecken musste. Mir ging es gut, auf der Arbeit lief gerade alles in ruhigere Bahnen, ich hatte das Gefühl, mal wieder ein Leben haben zu dürfen und mich nach Außen wenden zu können und in Verbindung zu gehen. Ich wollte den richtig richtig gerne kennenlernen.

  • Doch, gerade am Anfang, wenn mir der andere noch nicht so ans Herz gewachsen ist, kann ich alles mögliche. Ich verrate dir aber gleich, dass du das zwar sagen kannst, es aber gut sein kann dass es dir nix nutzt, weil der andere vielleicht ganz verständnisvoll und so reagiert, man im Ernstfall aber nix darauf geben kann.

  • Doch, gerade am Anfang, wenn mir der andere noch nicht so ans Herz gewachsen ist, kann ich alles mögliche. Ich verrate dir aber gleich, dass du das zwar sagen kannst, es aber gut sein kann dass es dir nix nutzt, weil der andere vielleicht ganz verständnisvoll und so reagiert, man im Ernstfall aber nix darauf geben kann.

    Jups, das kenn ich teilweise auch so. Ich glaub halt für mich persönlch auch, dass ich auch nicht so schlecht bin, zu kommunizieren, was ich möchte und brauche. Ich bin halt nur nicht gut, dann adäquat zu reagieren, wenn der andere halt tatenmäßig nicht drauf eingehen will oder kann. Denn dann hieße es klar und freundlich Konsequenzen setzen. Und da meldet sich, wie ich inzwischen rausgefunden habe, so ein innerer Teil, der eine Kombi aus Schuldgefühl und Angst ist, der mich dann dran hindert. Und so lass ich dann die Leute halt letztendlich, wenn sie nur dreist genug sind, doch einfach über meine Grenzen latschen und fühl mich unfähig, sie daran zu hindern.

  • Doch, gerade am Anfang, wenn mir der andere noch nicht so ans Herz gewachsen ist, kann ich alles mögliche. Ich verrate dir aber gleich, dass du das zwar sagen kannst, es aber gut sein kann dass es dir nix nutzt, weil der andere vielleicht ganz verständnisvoll und so reagiert, man im Ernstfall aber nix darauf geben kann.

    Jupp, und ich kenn das auch... es ist wie mit dem Rettungsschwimmen: Du kannst alles im Pool lernen, mit netten Leuten lachend abschleppen üben, mit Menschen, die sich extra leicht machen, wenn Du Deine kleinen zwei Bähnchen paddelst und dabei schon halb absäufsts. Und wie isses, wenn der Ernstfall eintritt. Und noch schlimmer, als die Tatsache dass manche Menschen sich selbst total falsch einschätzen und Deine Ängste anfangs scheinbar behutsam behandeln ist, dass der ERnstfall IMMER total unvermittelt kommt.


    Ich fühle mich gerade wie aus 20m aufm Asphalt aufgeklatscht.


    Eigentlich kein Ding. Ich hatte nen tollen Tag. Ich nehm jetzt so viele Vitamine, dass alles (fast alles) an mir abperlt. Ich fühl mich innerlich gestärkt, so als hätte ich zwischen der Seele und dem Körper innen noch nen Hohlraum und könnte mich darin sehr gut bewegen. So fühlt sich Freiheit an, glaub ich. Die Intrigenversuche einer Kollegin? Abgeperlt und zum Mittagstisch angelächelt. Die zickige Tussi am Telefon? Freundlichst abgebügelt. Der schwerfällige Azubi? Bestimmt aber superfreundlich motivierend in die Puschen gebracht. Meine Kollegin hat direkt gefragt was ich nehme *Lach*


    Dann - Teil des Bootcamp-Plans - heute Abend der Sprachkurs in meiner Lieblingssprache. Seit 20 Jahren hab ich keinen Unterricht mehr gehabt und es war sooooo tolll. Ich mag Grammatik nicht, aber diese Sprache sprechen zu dürfen ist ein Geschenk. So far so beautiful.


    Und jetzt der Moment. Ich ruf aufm Nachhauseweg Mammmma an, mal hören wie es ihr geht (irgendwie ist das Mutterthema gerade echt präsent hier... es hat scheinbar auch was bei mir ausgelöst). Und sie erzählt mir mit Freude in der Stimme, dass die Kinder ihres Chefs sie heute total umgerannt haben, um sie in den Arm zu nehmen. So what, denkt jetzt hier jeder. Und ich klatsche - IN Z-E-I-T-L-U-P-E auf den Asphalt (natürlich bildlich gesprochen, aber ehrlich gesagt war ich froh, zu Fuß und nicht mit dem Fahrrad unterwegs zu sein).


    Der Hintergrund, dass ich einen unerfüllten Kinderwunsch hatte und meine Mutter Zeit ihres Lebens kein Kinderfreund war. Meine Freunde, wenn ich es denn geschafft habe in den kurzen Zeiten welche zu machen, musste ich mir sehr sorgfältig aussuchen, meist war sie super genervt von ihnen und biestig. Später, als unser Verhältnis besser wurde, und ich ihr meinen Kinderwunsch offenbarte, der nix zu werden drohte, weil no father-material da war, weit und breit... hat sie sich einiges erlaubt, was glaub ich nie so recht verheilen wird. Ich denke, es ist ein Generationen-Kriegstrauma...


    Und jetzt - wo diese Kinder an ihr einen totalen Narren an ihr gefressen haben, spricht sie von ihnen mit einem solchen warmen Lachen. Und ich kann mich nicht freuen. Ich kann nur denken: es sind nicht meine. Ich werde allein bleiben, wenn sie stirbt. Dann bin ich allein.


    Ich weiß, im Vergleich zu den Verletzungen, von denen hier viele geschrieben haben, ist das ein Fliegenschiss - aber mein Fliegenschiss. Und der tut so weh. Und ich dachte, ich bin mit diesem Thema echt durch. Dass es mir so den Boden unter den Füßen wegreißt und ich auf der Strasse das Heulen anfange, damit hab ich nicht gerechnet.


    Bootcamp-Maßnahme: Ein Käsesandwich!

  • Nein, das ist doch eins der zentralen Lebensthemen: Die eigenen Kinder oder eben auch nicht. Und wo man hingehört und zu wem und wer zu einem selbst gehört.



    Das ist keine Kleinigkeit, sondern eins der Themen überhaupt. Aber mir fällt da eher was anderes auf: Du bist sehr nah an deiner Mutter dran, das merkt man beim Lesen sofort. Aber warum? Du bist doch schon erwachsen, aber beim Leben habe ich eher ein noch sehr junges Kind vor mir gesehen als es um deine Mutter ging. Alter kann ich grad schwer sagen. Wie siehst du das?

  • Und so lass ich dann die Leute halt letztendlich, wenn sie nur dreist genug sind, doch einfach über meine Grenzen latschen und fühl mich unfähig, sie daran zu hindern.

    Echt, Du Sukramine? Du bist doch total clear - und grenzt dich ab? Es ist halt doof, manchmal kann man im Nachhinein nicht mehr nach-abgrenzen. Wie jetzt bei der Situation mit meiner Mutter. Sie meinte es null böse und die Worte kamen so rausgepurzelt und genauso kamen meine Gefühle gepurzelt.


    Es ist schwer... als ich eure Posts heute Mittag gelesen hab dachte ich, Ach Kat, haste im Sommer doch nicht so schlecht reagiert. Hast halt kein Gespräch gesucht, aber die Redflags, wie Tom sagte, waren ja auch offensichtlich und ER hätte jederzeit Einspruch erheben können und sagen können, "Ey, ich will Dich aber kennenlernen". Das war "Too much" - und ich bin raus.


    Und wieder allein, allein.


    Geht es darum. Die Angst vorm Alleinsein? Ich bin gerne mit mir allein... dachte ich.

  • Du bist sehr nah an deiner Mutter dran, das merkt man beim Lesen sofort. Aber warum? Du bist doch schon erwachsen, aber beim Leben habe ich eher ein noch sehr junges Kind vor mir gesehen als es um deine Mutter ging. Alter kann ich grad schwer sagen. Wie siehst du das?

    Ja, das stimmt. Meine Eltern haben sich leider beide in mir gespiegelt. Durch mein relativ isoliertes aufwachsen, hab ich beiden gerecht werden wollen. Und um es noch komplizierter zu machen, sind beide Eltern "falsch" identifiziert, dh. meine Mutter ist negativ Vater-identifiziert und mein Vater negativ-Mutter identifiziert. Was nach dem Krieg keine Seltenheit ist...


    Ich war letztes Jahr noch bei einer Heilpraktikerin, die mit Kinesiologie arbeitet. Es war sehr beeindruckend, weil ich zum ersten Mal diese Muskeltests sehr authentisch fand. Früher hatte ich immer das Gefühl, ich manipuliere unterbewußt. In der Art, wie sie es gemacht hat, war das nicht möglich.


    Siehst Du vielleicht eine 3-4 jährige? Dann war das das Kind, das die HP auch herausgearbeitet hat. Zwischen Wut und Angst. Aber ich weiß noch immer nicht, wie ich da ran komme. Ich hab dann gebacken und alle möglichen wunderschönen Plätzchen gemacht - alles Sachen, die ich nie gemacht habe als Kind.


    Was macht man mit einer wütenden 3jährigen? Die ängstliche vierjährige hab ich ja schon versucht glücklich zu machen...

  • Was bedeutet denn das mit dem negativ-identifiziert?


    Also ich bin keine Therapeutin, aber ich würde mal versuchen innerlich von meiner Mutter abzurücken und auf Augenhöhe zu kommen. Also die Erwachsene werden. Ich habe das machen müssen, meine Mutter ist quasi das Kind bei uns. Vielleicht stellst du sie dir einfach mal als Kollegin vor und schaust mal wie das auf dich wirkt. Wenn sie gar nicht deine Mutter wäre, sondern jemand mit dem du beruflich zu tun hast und gelegentlich in diesem Kontakt gemeinsam Essen gehst. Nur mal so als Idee und dann mal sehen ob sich da was an der Perspektive ändert.

  • Liebe Ano,

    das ist eine echt innovative süße Idee. Ich glaub, das ist echt ein Arbeitsansatz. Vor allem, weil ich das berufliche bei mir über alle anderen Sachen stelle. Gut getroffen.


    Negativ identifiziert heißt letzlich nur, dass sie ihre Tochter-Vater Rolle und umgekehrt mein Vater seine Vater-Mutter-Rolle nicht ausleben konnte, bzw. die ganz enorm gestört waren. "Normal" ist, wenn man als Kind irgendwann das Bedürfnis hat, jeweils das anders geschlechtliche Elternteil zu "bekommen" = "ich möchte Papa heiraten, wenn ich groß bin" oder umgekehrt, wenn es dann nicht geklärt wird, kommts zum Ödipus, bzw. Elektrakomplex (wenn ich mich richtig erinnere). Und ganz dumm gelaufen isses, wenn beide Elternteile negativ (=abweisend) besetzt sind. D.h. sie selbst hatten keine klare Identifikation und haben mir quasi die negativ Gefühle für das jeweilige Geschlecht mitgegeben. Oder ich hab es aufgenommen. Wie man will. Kleiner Staubsauger. Wenn sich hier jemand mit dieser Thematik auskennt würde ich mich auch über Anregungen freuen.


    Wie geht es Dir denn?

  • Nicht toll, aber angesichts der Umstände ganz passabel. Ich will mich da nur nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, weil ich das letzte Mal in den ersten zwei Wochen auch ganz verwundert war wie gut ich das wegstecke und dann kamen sieben Monate Horrorkummer.


    Aber nehmen wir einfach nur mal den Moment:

    Ich bin sauer. Manchmal verständnisvoll, aber zum Glück meistens sauer und angefressen. Manchmal kommt die Eifersuchtsfalle, a la ob da wohl eine andere im Spiel war, aber zum Glück ist auch das eher selten der Fall. Eigentlich wenn ich mal ganz tief in mich gehe glaube ich nicht so dran und wenn da jemand war, dann war es unterm Strich dennoch nicht von Bedeutung für mein Erleben. Meist denke ich darüber nicht nach, weil es eh nix bringt. Ich mich auch nicht zwingen ihn nicht mehr zu mögen oder die Gefühle loswerden. Das habe ich die letzten Male (bei anderen Partnern) gemacht und mir damit eigentlich selbst weh getan. Das bin einfach nicht ich. Abgrenzen muss ich lernen, mich behaupten, keine Frage und auch sauer und empört im Sinne des Selbstwertes sein, aber deswegen muss ich keine Gefühle in mir absterben lassen.


    Ich stelle das zur Sekunde eher so in den Raum:

    Ich mag ihn, so wie ich ihn kannte wirklich gerne und die Momente zwischen uns waren echt und waren schön, egal was danach kam. Ich glaube ihm, dass er sich wirklich Mühe gegeben hat es diesmal anders zu machen. Es war toll ihm in der vermutlich besten Zeit seines Lebens gekannt zu haben, auch wenn sie kurz war. In der er mal offen war und geredet hat. Ich behalte ihn so im Herzen. Aber leb mein Leben jetzt einfach weiter, ich hab gefühlt auch zu viel vor das mir wichtig ist um stehen zu bleiben. Ich nutze den Frust um mich nach vorne zu bewegen, mache grad viele Pläne, hab ne Reise gebucht, mir nen Wunsch erfüllt vor dem ich lange gezuckt habe und hab angefangen mit Freunden und Bekannten mehr Klartext zu reden. Und ich habe aus der Lage die Kraft geschöpft mir wirklich mal Dinge von Menschen zu nehmen, auch nicht ganz ohne Druck, aber ich bin ganz verwundert wie ich das überhaupt gemacht habe. Einfach für meine Verhältnisse krasse Forderungen stellen und sie wurden sogar erfüllt. Ich kann es noch immer nicht fassen.


    Ich halte an allem fest was mich betrifft und versuche weiter einen Therapieplatz zu finden der mir gefällt. Ich denke viel an ihn, aber nicht die ganze Zeit und wenn ich merke mein Kopf dreht sich, dann gibt es das Mauer-Mantra und das hilft mir wirklich mehr als ich gedacht hätte. Ich spüre dann wirklich wie die Energie bei mir bleibt und ein Schutzwall um mich herum entsteht. Ich will ja mein Herzchakra öffnen und ohne viel darüber zu wissen und gelesen zu haben spüre ich ganz deutlich dass mein Mauern-Mantra auch ein Baustein auf dem Weg dorthin ist. Weil es mich vor dieser schmerzlichen Verstrickung mit Liebeskummer, Herzschmerz, Enttäuschung, Opfer, Täter, diesem ganzen Kram trennt, den ich nicht mehr will, weil ich einfach müde davon bin. Ich glaube ja nicht dran dass ich da raus bin, aber ich bin schon froh um jeden Moment in dem ich diesen Scheisskreislauf verlassen kann, selbst wenn es nur für eine Weile ist.


    Es war eine krasse Woche die ich da hinter mich gebracht habe und ich stehe noch. Das reicht doch mal für den Moment. :)

  • Der Hintergrund, dass ich einen unerfüllten Kinderwunsch hatte und meine Mutter Zeit ihres Lebens kein Kinderfreund war. Meine Freunde, wenn ich es denn geschafft habe in den kurzen Zeiten welche zu machen, musste ich mir sehr sorgfältig aussuchen, meist war sie super genervt von ihnen und biestig. Später, als unser Verhältnis besser wurde, und ich ihr meinen Kinderwunsch offenbarte, der nix zu werden drohte, weil no father-material da war, weit und breit... hat sie sich einiges erlaubt, was glaub ich nie so recht verheilen wird. Ich denke, es ist ein Generationen-Kriegstrauma...


    Und jetzt - wo diese Kinder an ihr einen totalen Narren an ihr gefressen haben, spricht sie von ihnen mit einem solchen warmen Lachen. Und ich kann mich nicht freuen. Ich kann nur denken: es sind nicht meine. Ich werde allein bleiben, wenn sie stirbt. Dann bin ich allein.


    Ich weiß, im Vergleich zu den Verletzungen, von denen hier viele geschrieben haben, ist das ein Fliegenschiss - aber mein Fliegenschiss.

    Naja, wie ein Fliegenschiss klingt das für mich absolut nicht.


    Ich meine du schreibst, dass deine Mutter Zeit ihres Lebens kein Kinderfreund war. Und du warst ja ihr Kind. Also....?

    Und wenn du jetzt hörst wie sie so warmherzig von völlig fremden Kindern spricht....

    Also, mir hätte das auf jeden Fall auch einen mächtigen Stich ins Herz verpasst.

  • Ich mag ihn, so wie ich ihn kannte wirklich gerne und die Momente zwischen uns waren echt und waren schön, egal was danach kam.

    Ich glaube das auch. Wenn du das so gefühlt hast, dann war das so und ich denke, da kann man auch seinem Bauchgefühl vertrauen.


  • Hey Anonymus,

    Ach du liest dich gut. Ich freu mich für dich wegen der Reise... da kommt man auf andere Gedanken, das ist gut! Allein oder mit Freunden?


    Nach meinem fetten Bauch platscher am Donnerstag hab ich wieder ein wenig die Fassung gewonnen.


    Beim googeln hab ich einen für mich schönen Tipp gefunden. Der Typ meinte er habe etwas ungewöhnlich losgelassen, indem er sich jeden Tag eine Stunde traumzeit "was wäre wenn" gegönnt hat. Dann war er happy. Wenn das Gefühl danach dann kippte, hat er ein vergebungsritual gemacht...


    so ging das ne ganze Zeit, bis er sich selbst in den Mittelpunkt seiner Phantasien stellen konnte...


    Irgendwie liest es sich, als wärest du da schon... du kümmerst dich toll um dich. Das macht Mut...

  • hehe,

    Ich habe gestern zum ersten mal dieses Ritual gemacht mit jemandem, mit dem ich Stress hatte. Was soll ich sagen... die Person hat sich nach einer halben Stunde bei mir gemeldet und gefragt ob alles ok wäre...


    Ich hab es heute mit meinem BA gemacht. Schaden kann es jedenfalls nicht.