Braucht das vollständige loslassen einfach nur Zeit?

  • Ich denke das liegt am Trigger selbst.

    Ich weiß nicht sicher, woher dein Trauma bzw. Deine Baustelle kommt, sollte es in der Kindheit entstanden sein, vermute ich dort auch die Antwort.


    Papa ist perfekt und einmalig.

    Es gibt keinen 2. papa. Nicht einmal, wenn man das stark wollen würde und nicht einmal, wenn papa schwer Gewalttätig wäre.

    Der Oder keiner. Und auf biegen und brechen muss das passen und funktionieren.


    Sollte es bei dir auch irgendwo Themen geben, die in deiner Kindheit/Jugend entstanden sind, wäre das so „typisch“. Auch das anpassen, das gefallen wollen, das idealisieren und das starke triggern würden da für mich gut in die Schublade passen.

    I can buy myself flowers

    Write my name in the sand

    Talk to myself for hours

    Say things you don't understand

    I can take myself dancing

    And I can hold my own hand

    Yeah, I can love me better than you can

  • und wie und wann löst sich die Bindung dann endgültig?

    Einfach wenn genug Zeit vergangen ist? Jemand neues in dein Leben tritt?

    Ich kann es dir nicht genau sagen, aber irgendwann passiert es immer und man merkt es gar nicht. Es passiert auch ohne dass jemand neues in mein Leben getreten ist, aber ich glaube es dauert dann schon länger, zumindest bei mir. Aber ich fühle mich an niemanden mehr gebunden bis auf mein letztes Date, da spüre ich einfach dass ich noch nicht vollständig gelöst bin. Wird aber auch sicher irgendwann kommen, so wie es bisher auch immer war. :) Man kann auch mit dieser Restbindung leben. Die ist dann einfach da und läuft mit :)

  • es war auch Idee von mir. Also weil man das oft ließt.


    ich hatte deswegen schon mehrere Sitzungen bei einer Frau die auf Traumaheilung spezialisiert ist (allerdings Heilpraktikerin, keine Psychologin)

    Das wird natürlich sehr lange dauern da an den Kern zu kommen.


    Bisher haben wir nur festgestellt, dass ich da wohl viel verdrängt habe.

    Ich stehe meiner Kindheit emotional komplett neutral gegenüber und komm an kaum Gefühle aus der Zeit ran. Die sind abgespalten

    Das spricht ja dann schon Bände

  • Ich weiß natürlich überhaupr garnicht, wie es dir bei der Heilpraktikerin gefällt und wie diese arbeitet. Deswegen lass ich das einfach mal so im Raume stehen und erwähne aber, dass ich es super finde, dass du dich da an das Thema überhaupt so heran traust.


    Ich bin natürlich auch nur Laie, aber ich möchte mal behaupten, dass auch diese Verdrängung sicherlich nichts "Ungewöhnliches" ist. Mehr noch, ich sehe darin sogar einige Vorteile für die Psyche. Der Kopf versucht ja auch nur Dinge irgendwie zu verarbeiten bzw. Stress abzubauen und/oder zu vermeiden.


    Meine Theorien zu dem Gesamtthema basieren auf Allem, was ich so irgendwo "erlesen" und erlernen konnte. Also natürlich alles mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Und doch möchte ich inzwischen ziemlich sicher behaupten, dass Menschen mit gesunden Beziehungs-Prägungen und gesunden Beziehungerfahrungen nicht so lange und so extrem in eindeutig toxischen Beziehungen verweilen würden.

    Mit gesunden Beziehungen meine ich nämlich nicht, dass diese ewig andauerten. Abgrenzungen, Wut und Trennungen gehören für mich absolut in genau diese Schublade.


    Denn die Basis für eine gesunde Beziehung mit anderen Menschen sehe ich glasklar in der Beziehung zu der eigenen Person.

    Und leider sehe ich hier, wie in allen anderen beziehungen auch: Schwarz/Weiß gibt es scheinbar nicht. Es gibt immer eine riesen Grauzone, die man viel genauer untersuchen muss.

    Extreme Abhängigkeiten zu anderen Personen halte ich inzwischen für ein eindeutiges Zeichen, dass das Vertrauen zur eigenen Person nich, oder nicht ausreichend vorhanden ist. Ebenso muss der Selbstwert einen Knacks haben, sonst würde man sich vor den toxischen Beziehungen bewahren oder wenigstens effektiv herausholen.

    Nun fällt es oft super schwer zu erkennen, was denn überhaupt damit gemeint ist. "Ich bin doch aber gut zu mir!

    Ich pflege mich, gehe zum Zahnarzt, ich gehe auch gerne essen, gehe auf Konzerte, ich gönne mir Abende in der Badewanne, mache viel Sport, ernähre mich bewusst, habe ja auch toll abgenommen, mache Urlaube.....Ist doch alles gut!"

    Nichts davon würde dabei das abdecken, was ich für notwendig halte.


    Wir sind und wir bleiben unser Leben lang immer auch das kleine Kind. Nur eben größer und Jahre später. Aber die Kinder in uns sterben nicht, die altern nur.

    Ein kleines Kind, was teils schreckliche Dinge erfahren hat, die es schlichtweg garnicht verarbeiten KONNTE, weil die Fähigkeiten kognitiv nicht vorhanden sind.

    Ein Kindheits"trauma" muss nicht der prügelnde Vater sein.

    Die übergriffige Mutter, der Leistungsfordernde Vater, die grenzüberschreitende Mutter, der emotional unterkühlte Vater, ....familiäre Krankheiten, Drogenprobleme, Trennungen, Tod, ...usw. usw.

    Theoretisch alles, was im Kind starken und/oder andauernden Stress auslöst, würde ich da mal mit in die Schublade stecken.


    Was nützt diesem Kind ein Salat und ne Badewanne, wenn es absolut alleine ist? (Kleinkinder-Gehirne KÖNNEN alleine keinen Stress abbauen.)

    Das Kind braucht dringend Trost, Verständnis, NÄHE, Schutz, Vertrauen (...) und bedingungslose Bezugspersonen.


    Und jetzt wichtig bei dir: Wo suchst du nach diesen Dingen?

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  • Ich habe definitiv ein Thema mit dem Selbstwert.

    Mich abgrenzen und für mich einstehen fällt mir schwer. Ich arbeite aber dran und es gibt auch schon kleine Erfolge aber das ist ja ein Prozess.


    Ich weiß, dass ich mir Nähe, Schutz, Vertrauen selbst geben muss.

    Das läuft Manchmal auch schon recht gut aber oftmals auch nicht.

    Dann fall ich wieder in alte Muster und suche es im Aussen. Dann möchte ich gerne wieder eine Beziehung haben (in der Hoffnung, dass die mich erfüllt), was natürlich falsche Weg ist. Aber ich versuche auch da geduldig mit mir zu sein


    Ansonsten habe ich ein sehr gutes und nahes Verhältnis zu meiner Mutter und meinen Geschwistern.

    Ebenso habe ich einige sehr enge Freundschaften. Menschen die mir sehr nahe sind und die für mich immer da sind.

  • da ich es selbst wirklich toll finde, wenn es in den Threads hier updates nach langem gibt. Hier ein update von mir...


    Ich hab tatsächlich losgelassen.


    Ich hatte hier im juli ja geschrieben, dass hin und wieder noch Wut hoch kommt und auch so pieckende Gedanken.

    Die hab ich gar nicht mehr.

    Es hat tatsächlich 2 Jahre gedauert aber ich hab beides nicht mehr.


    Es war einfach die Zeit, die alles geheilt hat. Ich hab aktiv nichts anderes gemacht, es gab keine neue Person, es war einfach die Zeit und null Kontakt/ null Infos.

    Ich wüsste genug Möglichkeiten um Infos über ihn einzuholen aber da hab ich einen großen Bogen drum gemacht.


    Ich weiß allerdings nicht, was passiert, wenn ich ihm mal wieder begegnen würde, ob das ein Trigger wäre.

    Lange Zeit hatte ich großen horror davor, das habe ich auch nicht mehr. Allerdings könnte (muß nicht) es mich triggern.

    Ich denke aber ich würde mich dann aber relativ schnell wieder fangen.

  • Dankeschön.

    Das wird es, versprochen.


    Wichtig ist tatsächlich geduldig mit sich zu sein, das war ich oft nicht.


    Ich weiß, dass viele sich fragen, wie lange dauert es, bis man losgelassen hat.

    Und ich möchte niemanden mit meinen 2 Jahren entmutigen.


    Aber jeder Mensch ist anders und ja, es waren 2 Jahre für das vollständige loslassen aber es war schon lange vorher auf einem erträglichem Level.

    Ich würde sagen, schon nach 8 Monaten war das schlimmste rum, nach einem jahr war es locker erträglich aber noch nicht ganz weg.


    Wichtig ist, geduld mit sich.

    Wichtig ist, den Fokus auf sich, Wichtig ist kein Kontakt, keine Infos, kein Massochismus (sich bilder seiner neuen anschauen etc). Die ersten 5 Monate habe ich mich daran nicht gehalten und es war schlimm, dann hab ich aber genau darauf geachtet, nichts zu tun, was es mir schlechter gehen lässt.