Hallo,
hier mal ein neues Off-Topic Thema was den ein oder anderen bestimmt ebenfalls betrifft oder zumindest nachempfinden kann.
Wie der ein oder andere bereits in anderen Threads lesen konnte habe ich eine Soziale Phobie und würde mich ebenfalls als Hochsensibel einordnen (kann z.B. Stimmungen anderer wahrnehmen und Authentizität spüren). Auch bin ich eher introvertiert.
Nun zum eigentlichen Thema:
Ich wurde früher in der Schule gemobbt und leider wiederholt ausgegrenzt, sodass es für mich schon normal bzw. klar war, dass ich "anders" bin und nicht dazu gehöre. Leider haben sich diese negativen Erfahrungen bei mir so sehr eingeprägt, sodass ich dann irgendwann eine soziale Phobie entwickelt habe.
Leider sind diese Wunden und Erfahrungen wieder "geöffnet" worden als ich vor knapp 2 Jahren in einer Arbeitsstelle gearbeitet hatte, wo ich überhaupt nicht ins Team gepasst habe. Ich konnte mich nicht im Team einfinden. Es wurde gelästert und gemeckert was das Zeug hält. Meine Vorgesetzte hat sich ständig der Arbeit entzogen und ihre Arbeit auf uns übergeben.
Irgendwann hab ich meinen Mut zusammen genommen und mit ihr Respektvoll meine Wahrnehmung geschildert und "Kritik" geübt (da ich diesen Druck und diese Stimmung nicht mehr ausgehalten habe). Nun ja. Es kam natürlich überhaupt nicht gut bei ihr an und von da an wurde ich umso mehr ausgegrenzt (vermutlich auch aus Angst vor der Vorgesetzten). Ich hatte in dieser Zeit sehr viele körperliche Beschwerden entwickelt (mittlerweile diagnostizierte Somatisierungsstörung). Musste aufgrund der körperlichen Beschwerden zeitweise sogar ins Krankenhaus. Dann blieb mir nur noch die Kündigung.
Nun Arbeite ich seit knapp über einem Jahr in meiner derzeitigen Arbeitsstelle. Aufgrund der Retraumatisierung war ich extrem misstrauisch. Ich konnte mich sehr lange nicht öffnen. Konnte nur frei arbeiten wenn ich mit den Bewohnern alleine war und kein Mitarbeiter in der Nähe welcher mich "beobachten" oder "verurteilen" könnte. Mittlerweile hatte ich dann ein paar Mitarbeiter mit denen ich sehr gut konnte und hab mich nun endlich im Team akzeptiert/integriert gefühlt. Seit einiger Zeit konnte ich mich dann schon mehr öffnen und mein Misstrauen etwas ablegen. Leider gab es aber dennoch manchmal so ein Bauchgefühl das mir sagte, dass etwas nicht stimmt. Ich bekam mit wie Dinge von anderen Kollegen weitergetratscht wurden und dachte mir, dass sie in meiner Abwesenheit vermutlich das Selbe tun. (Ist ja leider eine Norm und keine Seltenheit, dass am Arbeitsplatz getratscht wird) .
Heute hatten wir eine Dienstbesprechung. In der Pause war mir aufgefallen, dass meine "liebsten" Kollegen sehr viel Dinge erzählten und sich über Unterwäsche von Kolleginnen und andere Themen lustig machten. Ich konnte damit überhaupt nichts anfangen und fand es auch irgendwie total abwertend und unreif. Plötzlich habe ich die Kollegen schlagartig in einem anderen Licht gesehen und hab mich wieder total unwohl dort gefühlt. Ich wollte einfach nur weg. Im Anschluss gab es in Kleingruppen eine Schulung. Ich war wegen der Sache davor mental nicht mehr ganz so aufmerksam. Mir wurde eine Frage gestellt und ich verhaspelte mich und gab eine falsche Antwort (dabei war die Frage nicht mal mehr kompliziert und ich wusste die richtige Antwort eigentlich). Die besagten "lieben" Kollegen mussten sich das Lachen verkneifen. Als es später in der Schulung noch mal um das selbige Thema ging (welches ich nicht beantworten konnte) haben sie wieder ihr Lachen unterdrückt. Von da an war mein ganzes aufgebautes Vertrauen und Sicherheitsgefühl weg.
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Einige haben bestimmt schon mitbekommen, dass ich momentan auch sehr spirituell und achtsam lebe bzw. meine Lebenseinstellung und Lebensweise hinterfrage...viele Können damit nichts anfangen. Das Problem ist, dass ich mich durch meine Vorgeschichte und auch der eigenen Spiritualität nun noch mehr wie ein Außenseiter fühle.
Meine HSP hat mir auch schon oft gezeigt, dass so gut wie jeder im alltäglichen Leben eine "Maske" "Fassade" aufsetzt. Es wird geheuchelt und gelästert oder sich wegen Nichtigkeiten oder Fehler Aufgeregt. Es geht nur um Leistung und oberflächliche Themen oder um negative Themen wie Krieg und Politik. ich konnte mich noch nie so derartig verstellen hab es aber bis zu einem gewissen grad geschafft zu "Performen" .
Es hat sich aber nie Echt und immer wie ein Schauspiel angefühlt. Nur in meiner Arbeit mit den Bewohnern und wenn ich das tue was mir Spaß macht und mir liegt und ich umgeben bin von Leuten die mich kennen und so nehmen wie ich bin, da fühle ich mich Echt und Angenommen.
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Jetzt ist mir schlagartig bewusst geworden, dass meine sozialen Ängste bzw. mein Misstrauen daher geschürt werden, dass die Menschen in der Öffentlichkeit nicht "achtsam" und "echt" sind und ich mich daher nicht dazugehörig fühle. Ich hab mich schon immer anders gefühlt. Aber nun weiß ich umso mehr, dass ich auch komplett anders durchs Leben gehe.
Ich bin momentan wirklich überfordert und weiß nicht mehr wie ich mit der HSP, all dem tiefen Misstrauen und dieser oberflächlichen Welt klar kommen soll. Ich fühle mich so derartig fehl am Platz und habe das Gefühl ich weiß nicht wie ich in dieser Gesellschaft als "Mensch" leben und mich einfinden soll.
Wahrscheinlich kann mir auch niemand helfen. Aber vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte die sich darüber austauschen mögen und ggf. ihre Erfahrungen schildern wollen.