Mein Partner und ich sind seit fast elf Jahren zusammen – ich bin 28, er 34. Es ist meine erste Beziehung, er hatte vorher drei ernste und viele lockere Beziehungen. Die ersten acht Jahre führten wir eine Wochenendbeziehung, bei der ich fast immer zu ihm gefahren bin.
2018 trennte er sich von mir. Wir waren vier Monate auseinander, und ich habe drei davon um ihn gekämpft. Als ich schließlich aufhörte, kam er zurück. Wir kamen langsam wieder zusammen und alles war gut.
Er sagte seit Beginn der Beziehung immer wieder, er wolle, dass seine Partnerin erst einmal allein gewohnt hat, bevor man zusammenzieht. Seine Begründung war seine Ex-Beziehung: Sie habe ihn kontrolliert, ihm Dinge verboten und ihn sogar einmal mit einem Messer bedroht. Seitdem habe er Angst, wieder Kontrolle zu verlieren.
Die Jahre 2020 bis 2022 waren schwierig. Wir sahen uns nur am Wochenende, er zog sich oft zurück, ich klammerte, weil es weh tat. Es gab fast täglich Streitigkeiten über das Handy. Im Herbst 2022 bekam ich einen Studienplatz – genau zwischen seiner Heimat und meiner. Ich war dadurch häufiger unter der Woche bei ihm, besonders, als ich mein Langzeitpraktikum in seiner Stadt machte. Er schlug vor, dass ich es dort mache, also zog ich für ein Jahr bei ihm ein. Ich zahlte die Hälfte der Miete, alle Einkäufe und führte den Haushalt. Es fühlte sich an, als würde endlich alles gut werden. Das war bis Sommer 2024.
Nach dem Praktikum bekam ich ein Jobangebot in seiner Stadt, das ich annahm. Für mich war klar: Das ist jetzt mein Zuhause – mit ihm und unseren beiden Katzen. Wir stritten kaum, es fühlte sich richtig an. Und er wollte das ich Geld verdiene.
Kurz vor Weihnachten 2023 wollte ich, dass meine Eltern Möbel aus meinem alten Zimmer bringen. Drei Tage vorher sagte er plötzlich, er wolle gar nicht mit mir zusammenwohnen, das sei nie der Plan gewesen – das „Angebot“ galt nur fürs Praktikum. Er fühle sich übergangen und hätte mich nie gefragt. Ich war am Boden zerstört. Nach zehn Jahren Beziehung und acht Jahren Distanz hatte ich gedacht, wir wären endlich angekommen. Auch ohne Worte.
Ich fuhr über Weihnachten zu meinen Eltern, blieb vier Nächte. Er schrieb mir in dieser Zeit, dass er mich vermisst – wie immer, wenn ich mal nicht da war. Denn obwohl er ständig sagte, ich solle ausziehen, kam er immer wieder mit liebevollen Worten oder Gesten zurück.
Seit fast einem Jahr ist es nun ein ständiges Auf und Ab. In den letzten Monaten wurde es schlimmer. Er trinkt viel und gibt mir die Schuld: Wenn ich ausziehen würde, würde er aufhören. Er schreit, beleidigt, wirft mir Dinge an den Kopf – und kurz darauf kommen wieder Tränen und Entschuldigungen.
Im April gestand er mir, dass er mich 2021 dreimal betrogen hat. Er sagte, er habe das nur gestanden, weil er hoffte, ich würde dann ausziehen. Ich habe es ihm trotzdem verziehen – ohne eine Entschuldigung. Ich habe vieles verziehen. Aus Liebe, und aus Angst, ihn zu verlieren.
Er sagt oft, er müsse die Kontrolle zurückbekommen, seinen Willen durchsetzen. Dass er „Frauen kenne“ und wisse, was passiert, wenn man zusammenwohnt. Dass er seine Freiheit brauche. Gleichzeitig nennt er mich seine Traumfrau, sagt, niemand habe ihm je so gutgetan, und er wisse, dass er es bereuen wird, wenn ich gehe.
Ich sehe, dass er tiefe Bindungsangst hat – geprägt von seiner Kindheit, in der er als mittleres Kind oft zu kurz kam, und von der beständigen aber kaputten Ehe seiner Eltern. Ich selbst habe durch all das eine Art Verlustangst entwickelt. Ich fürchte, nicht nur ihn zu verlieren, sondern auch mein Zuhause, die Katzen und das Leben, das ich mir hier aufgebaut habe.
Ich habe oft nach Wohnungen gesucht, aber jedes Mal, wenn ich es wirklich tun wollte, bat er mich zu bleiben – mit dem Versprechen, dass er es schaffen will. Dann kam wieder Rückzug, Kälte, Distanz.
Er sagt, er liebt mich mehr als alles andere, aber sein Wunsch, allein zu wohnen, ist größer als die Angst, mich zu verlieren. Er muss herauszufinden ob er mich vermisst. Vielleicht wäre er in 10 Jahren bereit Zusammenwohnen.
Und trotzdem bleibt er in meinem Leben – zwischen Nähe und Ablehnung, Liebe und Flucht.
In den letzten Wochen ist es jedoch zunehmend nur noch negativ. Er sagt und schreibt mir ständig ich soll gehen. Ich fühle mich ganz elend. Aber auf der anderen Seite sagt er das ich mir die aller größte Mühe gebe und er als Außenstehender auch sagen würde wie dumm er wäre mich gehen zu lassen. Aber oberflächlich kann er mich nicht schätzen finde ich.
Nun möchte er auch nicht mehr mit mir schlafen aus Angst, dass ich nicht ausziehe. Vorher hat er immer gesagt ich hätte nicht genug mit ihm geschlafen in der Zeit in der ich eingezogen bin. Nun blockt er ständig ab seit Monaten. Er trinkt fast täglich, um mir laut seiner Aussage zu zeigen wie schlecht es mir geht. Eine Therapie möchte er nicht. Lediglich um die Bestätigung zu erhalten das er nicht mit mir zusammen wohnen muss... Er wird beleidigend. Und manchmal kommt der Moment wo es ihm leid tut und er weint.
Ich will endlich wieder glücklich mit ihm werden, aber das funktioniert für mich nicht wenn wir auseinander wohnen und ich auf Abruf bei ihm aufkreuzen darf wie ihm es passt.
Was kann ich tun damit er mich endlich so sieht wie ich bin und seine Angst bei Seite schieben kann?