Austausch über Erfahrung mit Bindungsangst-Partner(in) - Vielleicht telefonisch.

  • Hallo, vielleicht hat jemand von euch Lust auf einen Austausch zum Thema? Meine Partnerin hat mich gerade ganz plötzlich verlassen, vermutlich aus Bindungsangst. Ich hatte hier im Liebeskummer Forum Beitrag gepostet mit dem Thema Ghosting und Trauerfall.


    Es ist alles noch recht frisch bei mir. Vielleicht kann es helfen, die Geschichten zu teilen und zu bezeugen, was passiert ist. Ohne Jammern und Schuldzuweisen, eher einfach, um das Ganze zu verarbeiten und die Schwere des Themas zu erkennen.


    Danke & Viele Grüße aus Berlin

    Jördis

  • Hey Jördis!


    Ich finde es sehr gut, dass du dir hier im Forum einen Austausch wünscht. Und kann das Bedürfnis auch sehr gut nachvollziehen.


    Ich von meiner Seite kann/möchte dir jedoch nicht von meiner Geschichte erzählen, da ich mit den Geschehnissen abgeschlossen habe. Auch möchte ich mich nicht mit den vergangenen unangenehmen Themen befassen, die dann wieder alte Emotionen hervorrufen könnten und mich dann wieder in die Lage von damals versetzen.


    Erst vor ein paar Monaten habe ich für mich noch mal alles Revue passieren lassen und auch noch mal alte Beiträge von mir im Forum und im Chat mit dem BA gelesen. Dachte ich könnte das so besser verarbeiten, aber es hat mich eher wieder in die Lage von damals versetzt und mich getriggert. Hab gemerkt dass ich nicht mehr die Person von damals bin und es war befremdlich sich damit noch Mal auseinander zu setzen. Selbst Aussagen die ich bereits vergessen hatte und damals in dem Moment nicht so schlimm für mich waren waren, waren für mich plötzlich unangenehm. Viele Reaktion aus Sicht meines damaliges "Ichs" kann ich zwar nachvollziehen, aber heute würde ich in vielen Momenten anderes reagieren.


    Vielleicht geht es anderen ähnlich, die dann vielleicht gar nicht erst hier kommentieren. Daher bitte nicht wundern, falls sich nur sehr wenige zu deinem Beitrag melden. Ich kann dir auf jeden Fall empfehlen einige Beiträge vollständig zu lesen. Besonders von denen welche schon Jahre dabei sind und sich massiv weiter entwickelt haben.


    Ich wünsche dir viel Kraft das zu verarbeiten. Es wird sicherlich eine Weile dauern bis du es verarbeitet hast.


    Grüße zurück aus NRW 👋

    "I lived the sweet and I lived the sour

    Been living life locked up in tower

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    Welcome to my world! Princess of power"

    Marina - Princess Of Power

  • Liebe Laurentia,


    kein Problem. Es ist doch gut, wenn es jetzt vorbei ist. Und ich kann mir schon vorstellen, dass da ein kleiner traumatischer Schock dahinter steckt; den man auch nicht immer wieder aufwühlen muss. Manchmal ist es gut, nicht zu tief in Dinge reinzugehen...

    Für mich ist es momentan wahrscheinlich noch zu akut.

    Und es geht mir eher um Verstehen; und dann aber auch in aktive Schritte zu kommen. Also nicht immer wieder dieser On-Off-Dynamik zu folgen.


    Liebe Grüße

    Jördis

  • Das, was mir damals in der akuten Phase wirklich geholfen hat war, die Geschichten der alten Hasen im Forum von der Pike auf zu lesen. Wie ein Buch über Monate hinweg.

    Einige Mitglieder schreiben seit über 10 Jahren ihre Beziehungserfahrungen hier nieder und man kann auch sehr gut die Entwicklungen aus ihren Geschichten entnehmen. Auch wenn jede Geschichte sehr individuell ist - die Dynamiken waren bei allen gleich. Ich konnte so um einiges schneller zur Vernunft bzw. Besinnung kommen. Den Fokus auf mich richten, erkennen, welche Anteile ich an der Dynamik hatte und die Reise zur Persönlichkeitsarbeit antreten. Ich ermutige Dich, Dir die Zeit zum Lesen zu nehmen. Es ist wirklich heilsam.

  • Kurz nach einer Trennung mit einem vermeidenden Partner gibt es im Austausch mit anderen eine große Gefahr. Besonders wenn man ängstlich gebunden ist. Man sucht unterbewusst oft positive Bestätigung. Man hat sich belesen, sich mit Dynamiken und Bindungstypen beschäftigt und man mutiert zum "Analytiker". Es fühlt sich wie eine Entwicklung an. Plötzlich sieht man es und checkt die Lage (des Partners).

    In Wahrheit ist aber auch das eine weitere versteckte Form des Klammern.

    Man möchte die erlebte Verletzung irgendwie im Außen korrigieren, weil man sich nicht gut durch die Gefühle der Wunde tragen kann. Irgendwie möchte man besonders zwei Dinge zur Regulation immer wieder hören. Nämlich dass man selbst nicht der Fehler war. Und... Dass die vermeidende Person eventuell nochmal zurück kehrt.

    Erzählem einen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen davon oder erhält man gar einen Einblick in die Gefühlswelt aus der Brille eines Vermeiders, scheint man Beruhigung zu finden. Das ist sehr trügerisch. Denn wenn es um die Regulation von Ängsten geht, werden diese sogar meist verstärkt, wenn man sich nur Beruhigung im Außen verschaffen kann. Das hält nicht lange vor. Wenn ich mich nur beruhigen kann durch eine andere Person, wird es bei der nächsten Angst noch schlimmer, wenn ich mich alleine halten muss und niemand anderes da ist.

    Das zweite Problem ist, dass man zu diesem Zeitpunkt immernoch permanent damit beschäftigt ist, sich über das Verhalten des (Ex) Partners austauschen zu wollen. Denn in Wahrheit geht es einem (noch) nicht um das Verstehen des eigenen Verhaltens. Um das Sichtbarwerden der eigenen Muster. Und um aus den Informationen zu lernen, wie man am besten an sich arbeiten und echte Selbstfürsorge betreiben kann. Menschen, die zum Klammern neigen, wollen noch sehr lange hauptsächlich mit jemandem das Verhalten des Partners analysieren und in seine kleinsten Teile sezieren. Das ist ein verzweifelter Versuch Kontrolle über die Situation des Verlaasenseins zu bekommen.

    Und eine Strategie, um weiterhin einseitig die Bindung zu dem Subjekt der Begierde halten zu können.


    Es klingt vielleicht noch nicht nachvollziehbar aber für die eigene Heilung ist es gut, wenn man manchmal alleine mit sich und seinen Gefühlen ist. Denn in dieser (erbärmlichen) Stille entsteht erst der Raum, damit die eigenen Gefühle mit dem Aufzug in die höheren Ebenen fahren können.

    Versuche Dich auf Dich einzulassen. Alles was Du findest, ist ein Geschenk. Wenn auch sehr zeitversetzt. Hab Vertrauen in Dich, Deinem Körper und dem Prozess. Vielleicht entsteht hier gerade etwas wirklich wundervolles für Dich.

    Du bist zu mehr im stande als Du befürchtest 😊

  • Insomnia hat wichtige Punkt genannt und ich stimme auch in allem zu.


    Doch ergänzend dazu würde ich noch differenzieren: Denn bis zu einem gewissen Punkt ist es schon hilfreich und auch sinnvoll sich mit andern auszutauschen, da man hilfreiche Tipps bekommen kann und meist auch Hilfe und Trost bekommt.


    Es hat mir zu Beginn gut getan hier im Forum auf Gleichgesinnte zu treffen. So wusste ich, dass ich mit meinen Problemen und Sorgen nicht alleine bin. Auch hat mir das Verständnis dieser Dynamik und den Ängsten geholfen vieles was der BA gesagt oder getan hat nicht auf mich oder auf meinen Selbstwert zu beziehen.


    So konnte ich mich frei davon machen es ihm Recht zu machen und dann auch nach einer Weile der Trauerverarbeitung, auf mich und meine Muster schauen.


    Ich glaube jeder möchte zu Beginn an alles verstehen und analysieren. Diesen Kontrollverlust muss man ja irgendwie ausgleichen. Sonst kann das auch schnell zu extremen Gefühlsausbrüchen kommen oder zu unkontrollierten Verhalten.


    Ich bin ehrlich: wenn ich letztes Jahr nicht das Forum aufgesucht hatte, wüsste ich nicht wie es mir heute gehen würde.

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    Marina - Princess Of Power

    Einmal editiert, zuletzt von Laurentia95 ()

  • Da stimme ich Dir zu Laurentia95


    Erst muss man es im Kopf verstehen, damit man damit weiter arbeiten kann. Und ja - es ist zunächst hilfreich und tröstlich, im Forum auf Gleichgesinnte zu treffen. Denn zumindest in meinem Umfeld war es zu dem Zeitpunkt so, dass niemand etwas mit dieser Thematik anfangen konnte und man eher auf kritische Besorgnis damit stieß. Hier zu sein war in jedem Fall förderlich für den Prozess 👍 Aber ich glaube auch, dass es rückblickend gut war, dass es ein Forum ist, in dem man seine Gedanken und Gefühle niederschreiben muss. Es hilft einem die Sache rund zu machen und einem Gefühl den richtigen Rahmen zu bauen. Ich glaube direkte, persönliche Kommunikation hätte mir dieses bereichernde Ergebnis in der Form nicht gebracht.

  • Ich glaube direkte, persönliche Kommunikation hätte mir dieses bereichernde Ergebnis in der Form nicht gebracht.

    Das wäre bei mir auch so. Vor allem aber auch weil bei meinem Umfeld einige gleich mit Unverständnis oder irgendwelche pseudo Ratschlägen gekommen waren, da sie von der Thematik keine Ahnung haben.


    Auch kann es nach einer Weile rückwirkend hilfreich sein, noch mal alles zu lesen was man dann zu Beginn an geschrieben hat, um auch erkennen/ reflektieren was man selbst für Gefühle und Gedankengänge hatte. Nur das man das dann nicht zu oft machen sollte und auch nicht, wenn man schon vieles verarbeitet und vergessen hat und eigentlich schon mit der Situation abgeschlossen hat, es aber dann dennoch liest aus Neugierde. Dann finde ich triggert es eher und ist nachteilig.

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    Marina - Princess Of Power

  • Das wäre bei mir auch so. Vor allem aber auch weil bei meinem Umfeld einige gleich mit Unverständnis oder irgendwelche pseudo Ratschlägen gekommen waren, da sie von der Thematik keine Ahnung haben.

    So war es vor 4 Jahren als ich damit angefangen habe. Niemand hatte Verständnis. Und ich konnte das verstehen.

    Aber seit letztem Jahr kommen erstaunlichweise nach und nach Freunde und Familienangehörige in ihre Bindungsthematik. Befassen sich damit und suchen zunehmend den Austausch mit mir darüber. Es ist wie ein Erwachen in meinem Resonanzfeld. Bemerkenswert

  • Aber seit letztem Jahr kommen erstaunlichweise nach und nach Freunde und Familienangehörige in ihre Bindungsthematik. Befassen sich damit und suchen zunehmend den Austausch mit mir darüber. Es ist wie ein Erwachen in meinem Resonanzfeld. Bemerkenswert

    Das was du sagst fällt mir auch auf.

    Zumindest trifft das auf meine Umfeld, welche aus meiner Generation oder Jünger kommen (bin 31), zu.


    Viele fangen an sich sich sich selbst auseinander zu setzen und merken, dass etwas nicht stimmt. Einige ändern dann auch was. Doch bei der Umsetzung haben viele noch Hemmungen und Schwierigkeiten und verweilen noch sehr lange in "alte Muster" oder toxische Beziehungen. Aber das braucht natürlich auch seine Zeit und bei jedem geht es wohl auch unterschiedlich schnell.


    Schön aber, dass sie dann mittlerweile auch bei dir dann den Rat suchen. ;)

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    Marina - Princess Of Power

  • Hallo ihr,


    ich kann das in Ansätzen nachvollziehen. Merke aber auch, dass in der akuten Phase der Austausch wirklich hilft. Und es geht mir nicht darum, den anderen wiederhaben zu wollen. Ja, und ein wenig hat das Verstehen-Wollen auch Suchtcharakter. Ich würde das hier mal liebevoll als meine kleine Ersatzdroge aus dem Drogenentzugsprogramm bezeichnen.

    Ich sehe es trotzdem als einen Teil der Heilung. Ich bin schon einmal vor Jahren durch Ähnliches gegangen und weiß, dass es irgendwann besser wird.


    Momentan weine ich sehr viel. So als müsste das alles raus, was ich in der Beziehung (aus)gehalten habe. Am Ende habe ich aber gesagt, dass die Form der Kommunikation so für mich nicht tragbar ist. Ich habe ganz deutlich eine Grenze gespürt in unserer Dynamik und bin ausgestiegen. Das war für mich ein Punkt der Heilung. Ein für mich Einstehen.


    Trotzdem habe ich gerade noch das Gefühl, irgendwie den Boden verloren zu haben; bzw. das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

    Was ich inzwischen merke ist, dass das viele Weinen eher ein Weinen um mich ist; und zwar darum, wie sehr ich mich in der Beziehung zum Ende hin verloren hatte.


    Ich danke euch für dieses Forum hier. Es hilft mir sehr.