Kann eine Beziehung zwischen Menschen mit vermeidenden und ängstlichen Bindungsstil, überhaupt stabil und langfristig funktionieren?

  • Die oben genannten Lösungsstrategien funktionieren natürlich nur, wenn auch beide Seiten bereit sind ihre Verhaltensmuster zu hinterfragen und auch offen für die Bedürfnisse und die Wahrnehmung des Gegenübers ist. Jeder lebt erstmal in seiner/ihrer eigenen Realität und Wahrnehmung. Also ist es wichtig von beiden Seiten zu lernen und auch von beiden Seiten Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen zu erfahren.

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    Marina - Princess Of Power

  • Aber erzeugt Sicherheit nicht auch intime Nähe?

    Ja auf jeden Fall!


    Doch wenn diese emotionale Nähe "dosiert" und mit der Berücksichtigung eigener Grenzen erfolgt, so ist das Spannungsfeld geringer bzw. Es wird dann vermieden, dass es zu intensiv wird, da jeder seine Freiräume und Rückzugsmöglichkeiten hat, aber auch Raum für den Dialog und das kommunizieren eigener Bedürfnisse da ist.


    Meist entstehen Offs durch wiederholtes Überschreiten eigener Grenzen und der emotionalen Überforderung. Durch einen rechtzeitigen kommunizieren Rückzug (am besten mit geäußern Zeitrahmen) wird es für beide erträglicher. Da die ängstliche Personen Sicherheit erfährt, durch die zuverlässige Kommunikation und der Vermeidende Part, durch die Möglichkeit sich bei emotionaler Überforderung zurückzuziehen.


    Der Knackpunkt hierbei ist, dass die ängstliche Perdon so weit gefestigt ist, dass sie den Rückzug aushalten kann, während der Vermeider unbedingt schaffen sollte irgendwann aus dem Rückzug wieder in die Verbindung zu gehen.


    Beide müssen also massive Ängste und Muster überarbeiten.


    Eine gesunde Beziehung ohne emotionale Intimität gibt es meiner meinung nach nicht.

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  • Oft entstehen Trigger aus Ängsten und einem unsicheres Gefühl. Die emotionale Sicherheit kann dazu führen, dass Muster die aus Ängsten und Unsicherheiten entspringen nicht "aktiviert" werden und es harmonisch bleibt ohne ein extremes Gefühlschaos.

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  • Mmmmh,

    Zum Trigger…. Ich weiß dass das Wort heute sehr häufig verwendet wird und in seinem Gebrauch manchmal sogar von der eigentlichen Bedeutung abweicht.

    Ein Trigger ist aber eigentlich ein Auslöser!

    Wie der Trigger an der Pistole.

    Ein Auslöser für eine ganz intensive, manchmal impulsive emotionale Reaktion.

    Meist hängt er mit früheren Situationen zusammen. (Was weiß ich, belastende, prägende… traumatische…) Der Trigger aktiviert dann unbewusst die damit verbundenen Gefühle (z. B. Angst, Wut, Traurigkeit), als würde die alte Situation wieder stattfinden.


    Ich kenne das sehr gut von Gesprächen zB mit meinen Eltern.

    Manchmal rede ich gar nicht, wie ich es sonst tue. Ich bin dann irgendwo in der Rolle des Kindes. Obwohl ich heute über 30 bin.

    Meine Eltern neigen dazu, sehr übergriffig zu sein. Wenn das zu extrem ist, platzt das Kind aus mir heraus.


    Das komplizierte ist jetzt, dass Erwachsene (zB vermeidende) Menschen in Beziehungen also mit Gefühlen/Mustern reagieren, die irgendwann mal in der Vergangenheit damit verknüpft wurden.

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  • Sehe ich etwas anders.


    Für mich ist ein Trigger zwar auch ein Auslöser aber der Auslöser wird trotzdem durch äußere Einflüsse ausgelöst. Ich bezweifle es, dass man ohne äußere Auslöser den Trigger auslösen kann. Du hast es ja selbst gesagt, dass du bei deinen Eltern in dien damaliges Ich verfällt. Da ist also schon ein Auslöser von außen vorhanden. Oder passiert das bei dir auch aus dem Nichts heraus?

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  • Bezogen darauf habe ich z.B. Früher auch gedacht die Begriffe "Trauma" und "Trigger" werden zu inflationär verwendet. Doch letztens in einem Hörbuch ging es genau darum: es können auch vermeintlich banale Situationen zu einem Trauma oder getriggert-werden führen. Da man sich machtlos fühlt oder eben alte Gefühle hochkommen.


    Man denkt bei Trauma ja z.B. oft an Gewalttaten oder ein Unfall. Aber es hängt viel mehr dahinter. So ist es dann für mich auch beim Thema "Trigger".

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  • Natürlich wird das durch Einflüsse ausgelöst.

    Aber das kann alles sein.

    Eine Situation, ein Geruch, ein Ort, ein Ton,…..

    Aber das was dann folgt, ist der Trigger.

    Und der „triggert“ die Reaktion. Wie oben beschrieben.



    Und eines kann ich in diesem Forum dick und fett unterstreichen:

    Die ängstliche Person wird nicht in der Lage sein, die Offs langfristig auszuhalten.

    Das ist nichts, woran man sich gewöhnen kann. Weil sie nicht dazu dienen, Ruhe überhaupt zuzulassen.

    In allen fällen die ich hier kenne wird die Dynamik schlimmer. Schneller, kälter, abwertender, ängstlicher.

    Ich kenne aber wirklich auch nicht ein einziges Beispiel wo die Spirale nicht massiv nach unten gehen würde. Bis zur totalen Selbstaufgabe der ängstlichen Person.


    Die einzige Chance auf Besserung ist nicht das „aushalten“ der ängstlichen, sondern der aktive Wille zur Besserung der vermeidenden Person.

    (Und dann entsprechende Maßnahmen in Richtung Therapie)

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  • Es war nie die Rede davon, dass sich die ängstliche Person aufgeben soll. Eben beide haben Bedürfnisse und die müssen berücksichtigen werden.

    Die einzige Chance auf Besserung ist nicht das „aushalten“ der ängstlichen, sondern der aktive Wille zur Besserung der vermeidenden Person.

    (Und dann entsprechende Maßnahmen in Richtung Therapie)

    Es geht nicht um ein Aushalten bis zur Selbstaufgabe, sondern und ein Aushalten dass man nicht bei dem kleinsten suchen nach Abstand (vom Vermeider) der ängstlichen Partner dann in Panik gerät. Wenn die ängstliche Person es nicht schafft sich bis zu einem gewissen Punkt von der emotionalen Abhängigkeit zu befreien. Dann bringt es auch nichts wenn der Vermeider an sich arbeitet. Beide Seiten haben Lernaufgaben und Dinge die aufzuarbeiten sind. Niemand hier sollte den Eindruck bekommen es läge allein an dem Vemeider.

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  • Noch mal für alle mitlesenden, um das klar zu stellen: Ich rede beim Aushalten nicht von Offs - die sind immer toxisch da der Partner gar nicht mehr verfügbar oder erreichbar ist. Sondern von einem kommunizierten Abstand und der Wunsch auf Rückzug um Geschehnisse zu verarbeiten.

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    Marina - Princess Of Power

  • Wenn der Vermeider seinen Wunsch nach Abstand und Rückzug kommunizieren könnte, wäre er dann überhaupt ein Vermeider?

    Kein extremer Vermeider, nein. Aber einer der vermeidet den Konflikt direkt auszutragen oder vermeidet Gefühle und Bedürfnisse zu äußern und der gelernt hat sich in Isolation und im Rückzug zu regulieren. Es also nicht schafft direkt auszuhalten und sich zu öffnen.


    Vermeidung und Verlustangst ist ja ein Spektrum. Auch wenn sich viele Verhaltensweisen ähneln ist es ja trotzdem sehr individuell. Manche z.B. sind ja jahrelang in einer Beziehung und vermeiden dann erst wenn es um den Zusammenzug geht.

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    Einmal editiert, zuletzt von Laurentia95 ()

  • Naja du hast schon gesagt, dass die ängstliche Person den Rückzug aushalten können sollte.

    Aber wozu?

    Das muss sie nicht.

    Entweder die Dynamik trifft zumindest zu 80% die eigenen Bedürfnisse, oder der Partner ist schlichtweg falsch gewählt.

    Niemand sollte in irgend einer Beziehung irgendwas aushalten müssen.

    80/20.

    Wenn 80% passen, kann man 20% Kompromissmasse verhandeln.


    Den wenigsten UserInnen hier passen die Rückzüge. Ganz im Gegenteil.

    Sie lösen selbst bei nur geringem Rückzug, Ablehnung, Untreue, Kälte…. Massive Verunsicherung und Angst aus.

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  • Ich finde auch, dass beide Seiten Bereitschaft zeigen müssen, um an sich zu arbeiten.

    Der Vermeider aber auch der Ängstliche.

    Der Ängstliche muss auch lernen, unabhängiger zu werden. In sich selbst stabil zu bleiben, Grenzen setzen.


    Aber das beides allein reicht nicht.

    Ich denke, wir reden hier von einem Spektrum.

    Und es kommt auf die Stärke der Vermeidung an

    Um es wieder nach Hemschemeier auszudrücken: es gibt ja eine Skala von BA. 0 ist sicher gebunden. -5 ist ein hardcore Vermeider (zb Narzisst). +5 dependente Persönlichkeit.

    Diese beiden werden ihre Probleme nicht lösen können in Beziehung.

    +4/-4 oder +3/-3 sollten auch erstmal ihre eigenen Themen angehen, bis sie mehr zur Mitte kommen.

    +1/-1 und +2/-2 können es schaffen


    Das ist jetzt nur zur Veranschaulichung und nicht 1 zu 1 so gemeint