Anders Daten nach BA-Erfahrung

  • Hallo,

    ich probiere mich gerade neu im Daten aus. Die krasse Trennung durch die bindungsängstliche Partnerin liegt noch nicht so lange zurück, ca. 3 Monate.

    Es war so schlimm am Anfang, aber ist jetzt viel besser.

    Nun habe ich eine Frau kennengelernt, die echt nett ist und total gut aussieht. Ich bin recht zurückhaltend mit meinen Gefühlen, also spüre nicht so viel.

    Wahrscheinlich auch, weil mein Nervensystem nach der krassen Erfahrung immer noch am Runterkommen oder Umjustieren ist.

    Eine Aussage vom Beziehungscoach Christian Hemschemeyer gibt mir aber auch zu denken: Er meint, die erste Hürde sei es, sich aus toxischen Beziehungen zu befreien. Und dann folgt die zweite Hürde: In gesunden Beziehungen zu bleiben bzw. diese auszuhalten...

    Denn hier zeigt sich dann die gegenläufige passive Bindungsangst: Das Zusammensein wirkt fad und fast langweilig.

    Weil das Nervensystem immernoch an die krasse Aufgeladenheit der vorherigen Beziehungen gewöhnt ist, und dieser Schmerz und die Intensität vermisst wird

    Ich glaube mir geht es da fast ein wenig ähnlich gerade. Es könnte aber eine sinnvolle Aufgabe sein, dass Nervensystem nun auf weniger Stress und mehr Sicherheit zu trainieren. Auch wenn es sich anfangs so ungewohnt und sogar unvertraut anfühlt. Es lohnt sich schon, hier nicht gleich ausbrechen zu wollen.

    Das wäre die gesündere Option.

    Habt Ihr ähnliche Erfahrungen?

  • Alles, was du geschrieben hast, ist völlig korrekt.

    solche BA Beziehungen sind krasse Dopaminkicks.

    Dieses auf und ab, nah und fern. Hoffnung und Enttäuschung sorgt für ständiges Ausschütten von Hormonen und dann wieder Ausbleiben ( Stichwort intermetierende Verstärkung)

    Das macht süchtig.

    Und lebendig.


    Sexuell ist das auch krass stimulierend.


    Dagegen fühlt sich normales fade an.


    Ich bin gerade genau an dem Punkt.

    Ich hab mein Lifestyle geändert. Keine Situationships mehr, keine Affären, keine kinky Partys etc.

    Kein Drama.

    Viel Sport, viel Ruhe, viel Me-time.


    Die Umstellung war nicht ganz leicht. Ich hab dieses Gefühl von Aufregung und Lebendigkeit lange vermisst. Ich fand mein Leben fade.

    Das mit sich allein sein war erst auch nicht so easy.


    Inzwischen kann ich Ruhe sehr genießen und liebe meinen Sport. Ich hab trotzdem ein Abwechslungsreiches Leben. Mit Freunde treffen, Konzerte, Festivals etc.


    Ich hab allerdings noch nicht wieder jemand kennengelernt. Ich kann also nur vom Lifestyle sprechen und noch nicht, wenn eine Person dazu kommt.

    Aber ich glaube, Ruhe aushalten und genießen können, ist schon mal ein guter Schritt, um dann auch eine gesunde Person besser "auszuhalten "


    Denn mein Beuteschema ist ganz klar auf ungesund. Jemand, der nicht verfügbar ist und den ich von mir überzeugen will. Da geh ich drauf steil, wie eine Katze auf die Katzenminze.

  • Liebe Jane, ich befinde mich in einer etwa ähnlichen Situation wie du, nur das meine Trennung bereits im Dezember 2024 war. Im März vergangenen Jahres habe ich jemanden online kennengelernt und wir haben seitdem jeden Tag miteinander Kontakt. Wir schreiben, senden Sprachnachrichten oder telefonieren via Facecall. Uns trennen einige hunderte Kilometer und wollen uns diesen Sommer das erste Mal treffen.

    Mein Nervensystem ist seit der unschönen Erfahrung mit dem BA auch noch, teilweise, in diesem Zustand, diese krassen Hochs (den viel zitierten Dopaminkick) zu suchen. Aber, der Mann, den ich jetzt kennenlerne, ist das komplette Gegenteil von dem was ich mit dem BA erlebt habe. Er ruht in sich, ist stabil, kommuniziert, er ist vor allem emotional zugänglich und kann über sein Innenleben sprechen. Er zieht sich nicht wortlos zurück, er meldet sich jeden Tag bei mir. Er ist einfach da. Und obwohl es ja genau das ist was ich suche, Präsenz, Konstanz, Stabilität etc. ist mein Nervensystem immer irgendwo noch auf Hab-Acht-Stellung und "lauert" auf den Haken. Und das ist mitunter unfassbar zermürbend das auszuhalten, vor allem wenn die Ängste phasenweise durch die Decke gehen und alles in mir "Alarm!" schreit, obwohl da gar kein Alarm ist.

    Es ist genau dieses Aushalten, in dem unschönen Gefühl auch mal zu "sitzen" und sich nicht davon leiten lassen, dass ist wirklich anstrengend. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei wie ich denke: "Meine Güte, diese Ruhe ist wirklich langweilig." Ja, es mag langweilig erscheinen, weil ich das Gegenteil gewohnt bin, aber ich weiß gleichzeitig: Das was ich jetzt habe, das ist gesund. Ich bin mittlerweile 40 Jahre alt und ich merke deutlich, das ich definitiv keine Lust mehr auf Drama habe. Ich schätze sehr, dass ich ein ruhiges Leben führe, das es meiner Familie gut geht, ich meinen Hobbies nachgehen kann etc. Da ist kein Platz mehr für irgendeinen emotionalen Hick-Hack. Ich arbeite an meinen Unsicherheiten/Ängsten und im Vergleich zu letztem bzw. vorletzten Jahr, als es mir wegen dem BA richtig mies ging, bin ich aufjedenfall stärker und auch geerdeter geworden. :)

  • Ich habe jetzt ein paar Dates hinter mir. Es war ein Üben und Erproben. Da hat nicht wirklich was gepasst. Aber das ist auch nicht schlimm. Ich glaube so oder so, dass es viel zu früh ist und ich noch weiter "entgiften" muss.


    Ich merke das jedenfalls. Nach dem ersten Schock nach der Trennung damals bin ich nun unglaublich erschöpft. Aber kein Wunder, nach so viel Schock-Erfahrung.


    Die Heilung geschieht in Wellen. Manchmal geht es mir schon richtig gut. Dann wieder ist da immer noch sehr viel Trauer. Oder ich würde sagen, dass die eigentliche Trauer erst nach dem Schock kommt.


    Naja, auf jeden Fall merke ich, dass die Energie in der Beziehung einfach grundlegend nicht gut war. Als wenn da in jedem Zusammensein dieses Gefühl von "Heiß-Kalt" war. Fast wie so ein pubertäres "Komm her, geh' weg." Das ist dann eben der Kick. Aber man muss sich bewusst machen, dass das auf Dauer kein normales Beziehungsverhalten ist; keine gesunde Bindung. Jedem tiefen, ernsten Gespräch wurde mit komischem Humor ausgewichen. Jedem Zusamensein-Wollen mit ständigem Action oder Freundes-Events. Ich wurde dabei immer kleiner. Und hatte gar keinen Raum.


    Ich frage mich immernoch manchmal: Wie konnte ich so in diese Abhängigkeits-Dynamik geraten? Schrecklich, das hab' ich nie gewollt.

  • Es ist mutig, diese Gefühle so offen auszusprechen. Diese Phase der emotionalen Entgiftung ist ein wichtiger Prozess. Um diesen Neuanfang zu markieren, greife ich manchmal auf kleine Symbole zurück: personalisierte Geschenke als Schlüsselanhänger können als Anker dienen, um die wiedergefundene Unabhängigkeit zu feiern. Ein Detail, das hilft, die Seite umzublättern und sich voll auf den neuen Lebensabschnitt zu fokussieren.

  • Mir ging es nach dem ersten Jahr Dating fast genauso.


    Nach zwölf Jahren Beziehung bzw. Ehe mit dem Vater meines Kindes habe ich mich getrennt und bin relativ schnell an einen ziemlich toxischen Typen geraten. Emotional hing ich an ihm wie eine Klette, obwohl er schon aus der Ferne nach Red Flags gerochen hat. Ob es Bindungsangst war? Vermutlich. Ob es gut für mich war?


    Definitiv nicht.


    Danach ging es erstmal los, mich um meine eigenen Themen zu kümmern. In meiner Ehe hatte ich jahrelang getragen, Verständnis gezeigt, Rücksicht genommen und ausgeglichen – ohne dafür wirklich etwas Gleichwertiges zurückzubekommen. Und irgendwann merkt man: Wer immer Verständnis zeigt, von dem wird Verständnis irgendwann auch erwartet. Der Aufschrei war entsprechend groß, als ich angefangen habe, Grenzen zu setzen.


    Dann kam Phase B beim Dating.

    Also dachte ich: Gut, dann date ich jetzt die ruhigen, netten, vernünftigen Männer.

    Problem gelöst.

    Dachte ich.

    Dann kam der Nächste. 😭

    Und irgendwann saß ich da und dachte: Das gibt's doch nicht. Also date ich weiter die ruhigen Typen – und sitze da und frage mich:

    „Wie langweilig kann es eigentlich sein?“

    Bis ich irgendwann gemerkt habe:

    Liz, du hast ebenfalls ein Muster.

    Du hast immer auf die Muster der Männer geschaut, aber viel zu selten auf deine eigenen.

    Warum zieht dich jemand an? Warum langweilt dich jemand? Warum kämpfst du um manche Menschen und fühlst bei anderen gar nichts?

    Ab diesem Punkt ging es nicht mehr darum, die Männer zu analysieren.

    Sondern mich selbst.