Beziehungsangst und plötzliches Abwerten des Partners – kennt das jemand?

  • Hallo zusammen,


    ich beschäftige mich im Rahmen meiner Therapie mit dem Thema Beziehungsangst bzw. Bindungsangst und erkenne bei mir ein Muster, das sich immer wiederholt. Außerhalb der Therapie habe ich mich bisher allerdings noch nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt und hoffe deshalb, hier vielleicht auf Menschen zu treffen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und mir helfen können, mein eigenes Muster besser zu verstehen.


    Wenn ich eine Frau kennenlerne, die ich zunächst attraktiv und interessant finde, freue ich mich meistens sehr über den Kontakt und wünsche mir, sie weiter kennenzulernen. Sobald ich aber merke, dass sie mein Interesse erwidert und sich tatsächlich eine Beziehung entwickeln könnte, verändert sich bei mir häufig etwas.


    Ich werde innerlich angespannt und fühle mich zunehmend eingeengt oder überfordert. Gleichzeitig beginne ich, mich plötzlich stark auf Dinge zu konzentrieren, die mir an der Frau nicht gefallen – insbesondere auf Äußerlichkeiten. Die sexuelle Anziehung, die am Anfang noch da war, scheint nachzulassen oder sogar ganz zu verschwinden. Dann frage ich mich, ob ich die Person eigentlich überhaupt attraktiv finde und ob ich meine Zeit mit dem Kennenlernen verschwende.


    Das Ganze geht bei mir teilweise mit starkem Stress, Schlafproblemen und einem großen Bedürfnis nach Rückzug einher. Gleichzeitig sehe ich weiterhin sehr klar die positiven Eigenschaften der Frau und kann durchaus erkennen, dass sie menschlich und von ihren Werten her sehr gut zu mir passen könnte. Genau diese Diskrepanz macht es für mich so schwer einzuschätzen, was gerade wirklich mein Empfinden ist und was möglicherweise eine Art Schutzmechanismus oder Abwertung im Rahmen meiner Beziehungsangst darstellt.


    Ich bin bereits in Therapie und arbeite dort an diesem Muster. Trotzdem fällt es mir momentan sehr schwer, damit umzugehen, wenn diese Abwertung und der Verlust der Anziehung einsetzen.

    Kennt jemand von euch ein ähnliches Muster? Habt ihr ebenfalls erlebt, dass eure Anziehung nachgelassen hat, sobald eine Beziehung konkreter wurde und euer Interesse an der Person erwidert wurden? Und falls ja: Wie seid ihr damit umgegangen? Hat sich eure Wahrnehmung oder Anziehung mit der Zeit wieder verändert, wenn ihr nicht sofort den Kontakt beendet habt?


    Da ich mich außerhalb meiner Therapie bisher noch nicht besonders intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, kenne ich möglicherweise viele Zusammenhänge oder Perspektiven noch nicht. Ich freue mich daher sowohl über persönliche Erfahrungen als auch über Gedanken oder Hinweise dazu, wie ich dieses Muster besser verstehen und damit umgehen kann.

    Vielen Dank schon einmal für eure Erfahrungen und Gedanken!


    Liebe Grüße

    Satori

  • Hallo Satori,

    cool, dass Du Dir Deiner Muster bewusst bist und aktiv daran arbeitest. Ich glaube hier im Forum kennen sehr viele Mitglieder all das von Dir Beschriebene mehr als ihnen lieb ist. Klick' Dich durch die unterschiedlichen Stränge dieses Baums. Du wirst schnell fündig. Manche davon schreiben seit über 10 Jahren ihre Muster, Verhaltensweisen und Erkenntnisse hier nieder. Am Anfang kann das beim Lesen bedrohlich wirken. Aber bei einigen erkennt man auch, trotzdem es i. d. R. ein sehr langer Weg ist, schöne Fortschritte, die hoffen lassen. Nicht den Mut verlieren. Wir sind viele. Nicht nur im Forum. Draußen im Leben noch viel mehr Menschen. Nur dass sich die Meisten nicht bewusst darüber sind. Also fühl Dich gerne wie der Tropfen eines Ozeans. LG

  • Vielen Dank für deine Rückmeldung und die Anregung, mich hier noch etwas durch die verschiedenen Beiträge und Stränge zu klicken. Ich habe mir bereits mehrere Beiträge durchgelesen und finde dabei auch vieles wieder, was mir bekannt vorkommt.


    Was ich bisher allerdings nur relativ selten finde, ist mein spezifisches Problem mit der körperlichen Abwertung bzw. dem plötzlichen Verlust der Attraktion. Falls du oder jemand anderes hier schon einmal über einen Beitrag gestolpert ist, in dem dieses Thema genauer beschrieben wird, oder wenn jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar. Das ist momentan tatsächlich der Punkt, der mir am meisten zu schaffen macht. Falls dir spontan ein bestimmter Thread oder Beitrag dazu einfällt, würde ich mich sehr freuen, wenn du ihn mir verlinken könntest.


    Mittlerweile gelingt es mir eigentlich ganz gut, meine Grenzen zu kommunizieren. Ich habe auch mein aktuelles Date von Anfang an etwas mitgenommen und ihr erklärt, dass ich mich in Beziehungssituationen häufig schnell überwältigt fühle und dann zum Rückzug neige. Wir versuchen deshalb, das Kennenlernen bewusst langsamer und mit mehr Raum dazwischen zu gestalten, etwa mit ein bis zwei Treffen pro Woche, ohne dass wir den ganzen Tag miteinander verbringen oder ständig schreiben und telefonieren. Dadurch habe ich mittlerweile tatsächlich weniger das Gefühl, mich komplett zurückziehen zu müssen.


    Was bleibt, ist allerdings das für mich sehr schwierige Gefühl, dass ich sie, seit ich weiß, dass sie ebenfalls ernsthaftes Interesse an mir und einer möglichen Beziehung hat, plötzlich nicht mehr attraktiv finde. Dadurch frage ich mich natürlich, ob ich ihre und meine Zeit verschwende. Sexualität ist für mich grundsätzlich ein wichtiger Bestandteil einer Beziehung, auch wenn ich momentan bewusst keinen Sex mit ihr haben möchte. Ich kenne mein Muster mittlerweile gut genug und möchte nicht mit ihr schlafen, nur um anschließend wieder einen starken Rückzug zu erleben und sie möglicherweise danach zu verletzen. Das ist mir in der Vergangenheit leider schon häufiger passiert, auch wenn dahinter nie eine böse Absicht stand.


    Deshalb beschäftigt mich gerade vor allem die Frage, ob andere dieses Muster ebenfalls kennen: Eine Person zunächst sehr attraktiv zu finden und dann, sobald man merkt, dass sie ernsthaftes Interesse hat und eine Beziehung tatsächlich möglich wäre, plötzlich körperlich kaum noch Anziehung zu empfinden oder sich stark auf vermeintliche körperliche „Makel“ zu fokussieren. Falls du oder jemand anderes hier das selbst erlebt hat: Würde mich sehr interessieren, wie ihr damit umgegangen seid. Habt ihr irgendwann wieder Zugang zu eurer ursprünglichen Anziehung gefunden? Oder gibt es vielleicht einen Beitrag hier im Forum, den ihr zu diesem Thema besonders hilfreich fandet?


    Vielen Dank für eure Hilfe.


    Liebe Grüße

    Satori

  • Ich kenne es leider auch. Ich hab mal eine Beziehung, die gut lief und der Typ eben kein toxischer Mensch gewesen ist nach drei Monaten gekillt. Es fing damit an, dass ich an ihm plötzlich nur noch Dinge gefunden habe, die mich stören. Am Aussehen, am Kleidungsstil usw. Anfänglich war die Sexualität zwischen uns sehr gut aber es dauerte nicht lange, hatte ich keine Lust mehr. Jede Annäherung, jede Berührung wurde mir dann zu viel und es fühlte sich an, als hätte ich einen inneren Druck, regelrechten Ekel fast schon. Die Beziehung war leider damals nicht zu retten, weil ich damals noch nichts von meinen Problemen wusste. Ich war halt sehr überzeugt, dass es bei mir einfach nicht passt. Rücklickend hat da einfach sehr die BA gekickt.


    Danach kamen nur noch Beziehungen wo ich der Partner von BA gewesen bin, also auch die Gegenseite kennengelernt habe, wie es sich anfühlt, wenn der Partner einen nicht mehr anfasst. In meiner ersten Ehe ging das über Jahre, in denen quasi keine Berührung mehr stattfand, mein Ex - Mann sogar noch lieber in einem anderen Zimmer geschlafen hat, als neben mir.


    Mittlerweile bin ich in einer gesunden Beziehung angekommen. Muss aber ehrlich zugegeben, dass ich das mit der Anziehung schon auch wieder ein wenig merke. Also ich habe nicht viel Lust, wie ich das von mir kenne. Ich muss mir in dem Fall sehr bewusst sagen, dass das was ich gerade fühle, ein Teil meiner Angst ist und nicht die Realität. Mein Partner ist nicht das Problem, es ist meines. Mir hilft nur, mir das immer bewusst zu machen, wenn ich Sex (Nähe wie kuscheln und Zärtlichkeiten machen mir in dieser Beziehung zum Glück überhaupt kein Problem) wieder aus dem Weg gehen will. In meiner vorigen Beziehung hatte Sex einen sehr hohen Stellenwert, allerdings war dies eine toxische Beziehung und deswegen war auf meiner Seite die Anziehung entsprechend hoch.


    Ich höre also in mich rein, wenn Beklemmungen kommen. Ist es die typische Beklemmung bei körperlicher Nähe, oder habe ich gerade wirklich keine Lust?

    Anfangs hab ich mich auch gefragt, ob ich wirklich verliebt bin deswegen und ich habe die typischen Zweifel erst Mal durchleuchtet, bevor ich mich auf die Beziehung eingelassen habe. Das auffällige bei mir ist, dass mein Partner und ich vor über zwei Jahrzehnten schon mal zusammen waren und ich ihn da sehr, sehr attraktiv fand und wir da auch ein entsprechendes Sexleben hatten. Schon das war dann auffällig für BA, dass dieses "Zumachen" als es dann wirklich ernst wurde plötzlich aufgetaucht ist als ich gemerkt habe, dass auf seiner Seite wirkliches Interesse besteht.


    Wichtig ist auch die Kommunikation mit dem Partner. Es nimmt schon viel Druck und schlechte Gefühle raus, wenn das Gegenüber Bescheid weiß über die eigene Problematik.

  • Hallo SugarLea,


    vielen Dank, dass du deine Gedanken und Erfahrungen so offen geteilt hast. Ich finde es wirklich krass, wie perfide diese Muster sein können. Gerade dieses Gefühl von plötzlicher Abneigung oder fast schon Ekel, obwohl man die Person eigentlich noch vor kurzer Zeit total süß und anziehend fand, ist für mich sehr schwer auszuhalten.


    Ich versuche mir zwar bewusst zu machen, dass gerade ein Schutzmechanismus anspringt und nicht unbedingt die Realität widerspiegelt. Aber trotzdem hilft mir dieses Wissen im Moment nur bedingt. Wir tasten uns jetzt schon seit einigen Wochen langsam heran, aber ich merke körperlich einfach keinen wirklichen Pull. Und ich frage mich halt, wie lange man das fortsetzen kann, weil Körperlichkeit für mich auch ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Beziehung ist.


    Interessant finde ich auch deine Beobachtung mit den ambivalenten Partnern. Bei anderen Frauen, bei denen ich vielleicht unbewusst eine gewisse Distanz oder Unsicherheit wahrnehme, entsteht diese körperliche Abneigung nicht. Deshalb frage ich mich, ob es bei dir eher ein innerer Prozess war, durch den du gehen musstest, oder ob es auch damit zusammenhängt, dass dein Partner dich nicht so stark getriggert hat, weil eine gewisse Ambivalenz seinerseits vorhanden war/ist?


    Ich mein...die Lösung kann ja nicht darin bestehen sich zumindest teilweise ambivalente Parterinnen zu suchen, da das ja wieder ganz andere Probleme mit sich bringt.


    Ich merke gerade einfach, dass ich nicht weiß, wie lange ich eine Frau daten kann, zu der ich aktuell gar keine körperliche Anziehung spüre. Einerseits möchte ich nicht vorschnell etwas abbrechen, falls es tatsächlich mein Schutzmechanismus ist. Andererseits habe ich auch das Gefühl, dass ich meine und ihre Zeit und Energie verschwende, indem ich mich zu etwas pushe, wonach mir nach meinem Gefühl gar nicht ist.


    Für weitere Erfahrungen/Anregungen/Gedanken aus dem Forum wäre ich sehr dankbar.


    Liebe Grüße

    Satori

  • Ich mein...die Lösung kann ja nicht darin bestehen sich zumindest teilweise ambivalente Parterinnen zu suchen, da das ja wieder ganz andere Probleme mit sich bringt.

    Für eine halbwegs sichere Bindung, die Dir dauerhaft Nähe erlaubt, ohne krasse Schutzmechanismen anfachen zu lassen gibt es nur eine Lösung. Tiefgreifende Psychotherapie um seine Muster und ihre Herkunft zu erkennen. Und Mustersuflösung durch neue Erfahrungen, in denen man sich und seinen "Dämonen" begegnet und die etablierten Mechanismen durchbricht. Ich bin davon überzeugt, dass dies nicht möglich ist nur durch einen im kopf gefassten Entschluss

  • Hi Insomnia,


    danke für deine Antwort. Ich gebe dir da total recht und genau das ist auch der Ansatz, den wir in meiner Therapie verfolgen. Mir erscheint das grundsätzlich auch sehr schlüssig. Mein Therapeut ist ebenfalls der Überzeugung, dass sich solche tief verankerten Muster nicht allein durch Einsicht oder einen bewussten Entschluss verändern, sondern nur durch neue Beziehungserfahrungen, in denen die alten Schutzmechanismen nach und nach ihre Wirkung verlieren.


    Genau deshalb befinde ich mich gerade bewusst in einer Datingphase. Wir sehen uns seit etwa sechs Wochen regelmäßig. Ungefähr seit dem 3-4 Date – also ab dem Zeitpunkt, als wir uns regelmäßig uns selbstverständlich geküsst haben und sie mir auch verbal wiederholt gesagt hat, wie viel Interesse sie an mir hat – sind bei mir die typischen Symptome sehr stark aufgetreten: Ich fühle mich eingeengt, finde sie plötzlich körperlich nicht mehr attraktiv und schlafe seitdem deutlich schlechter. Außerdem träume ich extrem viel.


    Seitdem habe ich ihr offen von meinen Schwierigkeiten erzählt und auch angefangen, Grenzen zu setzen. Wir treffen uns mittlerweile bewusst langsamer, ohne ständig in Kontakt sein zu müssen. Das empfinde ich tatsächlich als eine neue und positive Erfahrung. Ich merke, dass ich Raum für mich beanspruchen darf und sie das akzeptiert und sogar wertschätzt. Den akuten Druck empfinde ich dadurch deutlich weniger.


    Was sich allerdings bisher überhaupt nicht verändert hat, sind die Schlafprobleme und der plötzliche Verlust der körperlichen Anziehung. Deshalb versuche ich momentan, das Kennenlernen etwas anders anzugehen: weniger mit dem Fokus auf Sexualität, sondern erst einmal darauf, sie als Menschen weiter kennenzulernen, emotionale Nähe aufzubauen, Zeit miteinander zu verbringen und einfach zu schauen, was sich entwickelt.


    Trotzdem frage ich mich, ob das wirklich der richtige Weg ist. Einerseits mache ich neue und positive Erfahrungen – andererseits verbindet mein Nervensystem das Ganze momentan weiterhin mit Schlaflosigkeit, Erschöpfung und dem Gefühl, nicht mehr wirklich sexuell angezogen zu sein.


    Mein Therapeut ist überzeugt, dass genau dieser Prozess notwendig ist und die negativen Reaktionen mit der Zeit schwächer werden. Ich hoffe sehr, dass er recht hat, merke aber gleichzeitig, wie belastend das für mich ist.


    Mich würde deshalb interessieren, wie ihr das erlebt habt: Gab es bei euch einen Punkt, an dem sich diese Abwertung und der Verlust der Anziehung tatsächlich wieder gelegt haben, nachdem ihr die Frau besser kennengelernt habt? Oder woran habt ihr irgendwann erkannt, dass es nicht (mehr) nur euer Muster war, sondern dass die Person einfach nicht die Richtige für euch war? Genau diese Unterscheidung fällt mir momentan unglaublich schwer.


    Liebe Grüße

    Satori

  • Nimm Dir mal selber bitte den Druck raus.

    Denn der führt nur zur Disbalance. Du versuchst irgendwo frühzeitig Sicherheit zu erlangen. Aber muss man denn unbedingt vorher schon alles wissen? Es ist eine Kennenlernphase die ihre Antworten mit der Zeit bringen wird. Wenn Du Dich darauf einlässt und Dir die Zuversicht erlaubst, dass alles gut und richtig sein wird. Ganz egal wie es ausgeht. Dass Du sicher bist und zu jeder Zeit ihre entsprechende Herausforderung meistern wirst. Was kannst Du für Dich tun, um das alles im Kopf ein bisschen loszulassen und mehr in den Körper und das damit verbundene Gefühl zu kommen?

    Du brauchst keine Antwort von anderen als Positivbeispiel, um daran glauben zu können. Jeder Mensch ist individuell und jede Begegnung anders. Was bei anderen auf eine gewisse Art stattgefunden hat, kann bei Dir anders aussehen. Du suchst Sicherheit. Und das ist menschlich. Aber Du trägst sie für Dich bereits in Dir. Gib ihr eine Chance für Dich da zu sein und Dich sein zu lassen



  • Interessant finde ich auch deine Beobachtung mit den ambivalenten Partnern. Bei anderen Frauen, bei denen ich vielleicht unbewusst eine gewisse Distanz oder Unsicherheit wahrnehme, entsteht diese körperliche Abneigung nicht. Deshalb frage ich mich, ob es bei dir eher ein innerer Prozess war, durch den du gehen musstest, oder ob es auch damit zusammenhängt, dass dein Partner dich nicht so stark getriggert hat, weil eine gewisse Ambivalenz seinerseits vorhanden war/ist?


    Ich mein...die Lösung kann ja nicht darin bestehen sich zumindest teilweise ambivalente Parterinnen zu suchen, da das ja wieder ganz andere Probleme mit sich bringt.


    Mein Partner ist 0,0 ambivalent. Im Gegenteil. Sehr verlässlich, sicher und konstant.


    Aber im Vergleich zu den Beziehungen mit eben diesen ambivalenten Partnern (und ich meine wirklich sehr ambivalent in allem was da so passieren kann) fällt mir körperliche Nähe bei ihm tatsächlich viel schwerer. Also ich kannte mich die letzten Jahre deutlich anders und ich bin zu 100% davon überzeugt, dass es damit zusammenhing, dass die Kerle sich eben nie wirklich auf mich eingelassen haben. Dieser Hormonrausch der da entsteht wenn man ständig das Gefühl hat, die Beziehung kann jeden Moment kippen, verursacht wirklich eine wahnsinnige und enorme Anziehungskraft auf diesen Menschen.

    Ich hab auch schon viele Geschichten gelesen, bei denen Betroffene erzählt haben, sie hätten mit eben diesen Partnern den Sex ihres Leben gehabt. Und ich kann das bestätigen :pale:


    Jetzt trifft man auf den richtigen Menschen, der einem Stabilität und Sicherheit vermittelt und zweifelt plötzlich an allem. Die Gefühle fahren innerlich Achterbahn, es wird verglichen usw. Dabei muss man vielleicht auch erst mal lernen, wie sich eine wirklich "sicherere" Beziehung überhaupt anfühlt. Ohne ständige Angst verlassen zu werden, betrogen zu werden usw. Die Angst ist es nämlich, die einem da vorgaukelt auf die große Liebe getroffen zu sein. Sie macht extrem anziehend!


    Bei dir lässt schon alleine die Tatsache, dass du sie zu Beginn anziehend fandest und sich das jetzt ins Gegenteil verkehrt hat darauf schließen, dass da das Angstprogamm läuft. Ich meine jemanden kennenzulernen, der sich dann als nicht so passend rausstellt (charakterlicher Art) passiert und finde ich auch normal. Aber eine dawegese körperliche Anziehung einfach so auf dem Weg zu verlieren, ohne dass da was nennenswertes vorgefallen ist, halte ich für eher abwegig.


    Ich glaube mir hilft in meinem Fall einfach die Tatsache, dass ich die Wichtigkeit für Sex runtergestuft habe. Da ist dann der Druck raus und es läuft. Ich hab eine wirklich tolle Beziehung mit allem, was mir persönlich wichtig ist. Wir leben zusammen, wir teilen unseren Alltag zusammen, wir unterstützen und gegenseitig. Sex hat für mich in dieser Beziehung nicht mehr so einen hohen Stellenwert, dass es mir wie in vergangenen Beziehungen direkt das Hirn vernebelt. Wir haben Sex, allerdings nicht ständig und täglich wie ich das gewohnt gewesen bin und damit kann ich leben. Und er zum Glück auch.


    Ich hätte schwer was verpasst wenn ich mich hätte von meiner geringen körperlichen Anziehung leiten lassen und die Chance nicht genutzt :-)