Ich fühle deine Worte sehr. Vor allem, dass das Verstehen im Kopf nicht ausreicht hat mich so gefrustet. Weil ich überhaupt nicht wusste wie ich mich verändern soll, also meine Gefühle, meine Reaktionen, etc., eben alles was man nicht im Gehirn durch Wissen und Verstehen verändern kann. Das mit der Geduld und dem Loslassen war auch ein Brocken für mich, weil ich der Kämpfertyp bin und nichts tun & loslassen sind da natürlich meine Herausforderungen gewesen.
Und für mich war und ist noch immer das hier schwer: Ich habe aus meinem Mangel heraus oft schlechte Entscheidungen für mich selbst getroffen. Für die bin ich natürlich selbst verantwortlich, aber da nachsichtig und liebevoll mit mir selbst zu sein, da ich aus einer verzweifelten Lage gehandelt habe fällt mir heute noch schwer.
Gerade wenn dass du sonst diszipliniert bist und dein Dankbarkeitstagebuch nur dann und wann führst finde ich spannend. Macht es dir keinen Spaß oder hast du einfach nicht immer Lust darin zu schreiben? Wenn es ersteres ist, kannst du überlegen es zu lassen und ggf. durch etwas anderes zu ersetzen. Wenn du nur unregelmäßig und undiszipliniert schreiben möchtest, sehe ich da kein Problem, sondern eher etwas Gutes. Vielleicht kannst du deiner undisziplinierten Seite auch in anderen Lebensbereichen mehr Raum geben und nachspüren wie sich das anfühlt? Ist das Disziplinierte etwas, dass dich glücklich macht oder etwas, das an und zu etwas aufgeweicht werden könnte? Beim verlernen von Mustern soll man gerne alles was vermeintlich zu einem gehört mal testen. Das ist auch etwas zu dem wir in der Klinik ermuntert wurden. Etwas anders zu machen, gerne auch erst mal im Kleinen, wenn es zu beängstigend ist. Und dann schauen, neu bewerten und ggf. noch mal den Kurs korrigieren.
Und wenn du nicht gerne alleine in der Natur bist, dann weg damit oder mach es irgendwie zu "deinem Ding".
In einer schlechten Phase neue Dinge auszuprobieren, wie einen Sport, ein Hobby, ein Ehrenamt, irgendwas was man noch nie gemacht hat ist für mich superhilfreich. Daher kann ich das auch nur empfehlen. Man tut etwas für sich, lernt etwas neues, lernt ggf. neue Leute kennen, findet eventuell eine neue Leidenschaft. Oder eine Reise planen, aber da stoße ich ja auch oft an Grenzen, mit Zeit und Geld. Oder was auch sehr gut ist: Überlegen was einen seit Jahren nervt und das angehen. Also z.B. etwas reparieren, renovieren, ausmisten, etwas lernen, was man braucht, eine Missstand abschaffen und sich an dem Effekt erfreuen a la "Seit Jahren nervt mich dies und das und jetzt habe ich das endlich geändert, mich darauf fokussiert, Zeit und Energie reingesteckt und endlich ist das und das anders."