Beiträge von Anonymus

    Shameless


    Okay, das war sehr gut von dir geschrieben und nun kann ich dir auch besser antworten.


    Ich wurde abwechselnd vereinnahmt/geflutet/übernommen/überhöht/erstickt/durfte nicht ich sein und wurde gewalttätig verlassen/beschimpft/verstoßen/erniedrigt und wirklich so unvermittelt im Wechsel, dass ich daraufhin eine generelle Angst und viel Misstrauen entwickelt vor Bindungen entwickelt habe. Noch dazu habe ich eine Über-Unabhängigkeit entwickelt, weil ich mir keinerlei Schwäche anmerken lassen durfte (das Bedürfnis nach Nähe ist in diesem Zusammenhang auch eine Schwäche). Du kannst dir sicher vorstellen wie stressig das für ein Kind sein muss.


    Ich habe außerhalb von Therapien noch keinen Menschen getroffen der mit meinem wahren ich nicht überfordert gewesen wäre. Und selbst in Therapien konnte ich nicht immer gehalten werden. Deswegen verlasse ich mich in allen wichtigen Fragen hauptsächlich auf mich selbst.

    Ja, da kann man auch sauer und enttäuscht sein. Seine Reaktion kommt mir vor als wäre er das Kind und du die Mutter und er schmollt nun und denkt nicht an dich. Nur dass Kinder es noch nicht besser wissen, über sich selbst hinaus denken können sie erst ab einem gewissen Alter. Und dein Typ steckt in Beziehungsfragen in dieser Phase weiterhin fest und das wird auch schon so gewesen sein ehe er dich traf. Eine einmal erlangte Reife verliert man ja nicht einfach so wieder.


    Was ich bei dir immer wieder lese ist, dass es dir sehr wichtig ist, dass du voll und ganz angenommen wirst und das äußert sich zumindest hier im Forum viel in äußeren Dingen wie Beziehungsstatus auf Social Media, Familie und Freunde kennenlernen, gemeinsam planen und möglichst alles zusammen machen, wobei ich glaube der Kerl muss sich da eher auf dich einlassen und bei dir mitmachen als du bei ihm. Und du magst es wenn dir einer hilft, dir Sachen abnimmt, dich total unterstützt. Das sind ja auch alles feine Sachen und ich würd vermuten, dass dieses Bedürfnis bei dir so groß ist, weil dir das von zuhause immer gefehlt hat.


    Ich denke es wäre gut, wenn du konkret nach einem Mann mit kleinem Helferkomplex Ausschau halten würdest oder nach so einem leicht väterlichen Typ (die neigen aber oft auch etwas zur Bevormundung, muss man dann vermutlich mit umgehen können) der sich am besten fühlt wenn er gebraucht wird. Ich frage mich nur ob du das dann attraktiv findest (auf Dauer), wenn dein Bedürfnis mal nachlässt.


    Und was sie mir im Krankenhaus gesagt haben: Ich muss zusehen, dass ich meine eigenen, kindlichen, übergroßen Bedürfnisse, die aus dem Mangel entstanden sind möglichst gut selbst fülle, denn diese Bedürfnisse überfordern auch gesunde und sichere Beziehungen und zerstören unter Umständen. Das müsstest du noch mehr angehen, auch wenn ich weiß, dass du schon superviele Schritte gegangen bist seit du ins Forum gekommen bist. Deine erste Beziehung (im Forum) war ja die totale Krümelbeziehung und das hast du alles ausgehalten. Das würde dir heute nicht mehr passieren, heute hast du Ansprüche und Vorstellungen und setzt die auch durch.


    Also, liebe Lea, genau wie ich arbeitest du dich nach vorne, oder? :) Und wir bleiben nicht stehen wir gehen weiter.


    Bei mir ist der Obermangel übrigens das Gefühl von Einsamkeit, weil mir Familie gefehlt hat und das Gefühl lässt mich leider auch nur sehr selten ganz los. Urvertrauen habe ich inzwischen gelernt. Die Einsamkeit zu überwinden ist der nächste Schritt.

    In den ersten Monaten kann man es schlecht merken. Ich glaube die anfänglichen Hormone und der Balztanz machen aus uns allen ein bisschen einen (besseren?) Menschen, der wir im Alltag nicht sind. Dennoch glaube ich (und habe es auch schon öfter gelesen), dass es durchaus Anzeichen gibt, nur muss man sehr genau hinsehen und hinspüren. Dass dein Kerl anfangs 150% gegeben hat, z.B. ist etwas, das ein bindungsicherer Mensch ggf. nicht tun würde, weil es für ihn keine Zweifel daran gibt liebenswert zu sein. Du musst echt mal Heller/Levine lesen, falls du es noch nicht getan hast. Vielleicht würde ein sicherer Mensch anfangs nur so 75-80% geben, weil er sich darüber bewusst ist, dass man sich erst kennenlernen und prüfen muss, ob der andere den Aufwand wert ist, verstehst du wie ich das meine? Unbewusst spürst du es ganz sicher.


    Deine Geschichte ist auch ein bisschen wie meine war. Mein Ex war ja 10 Jahre in einer Beziehung, verheiratet, zusammen gewohnt etc. Dennoch habe ich recht bald bemerkt, dass er zwar bindungsicher genug ist um es zu versuchen, aber er ist eben nicht bindungssicher und mir war bewusst, dass das eben auch bedeuten kann, dass es nicht klappt. Das kannst du auch in meinem Thread nachlesen. Da habe ich das schon in den ersten Monaten geschrieben. Seine Familiengeschichte hat mich darauf gestoßen, seine Freundschaften und auch so ein paar Aussagen von ihm inkl. Streitverhalten, weswegen wir uns ja auch getrennt haben. Ein bindungssicherer Mensch hätte sicher keine Hemmungen gehabt Probleme offen mir mit mir zu besprechen, weil er davon ausgehen würde, dass es wichtig ist, sich lösen lässt und wenn nicht dennoch besprochen werden muss. Natürlich war er keine Redflag, kein totaler Vermeider und unsere Beziehung war nicht toxisch. Sicher war sie dennoch nicht.


    Ich glaube die Zeichen sind immer da. Und das Bindungssystem in uns allen ist stark und kann das alles sehr gut unterscheiden, denn es ist ja quasi eine Basisfunktion bei uns Menschen. Nur der Kopf kapiert es nicht immer gleich :)

    Oha, wie viele Beiträge! :) Da sieht man, das Thema hat viele angesprochen. Ich muss allerdings auch feststellen, dass ich das Gefühl habe man redet in diesem Punkt viel aneinander vorbei, daher noch mal ein paar für mich wichtige Punkte:


    Laurentia95 Du hast verschiedene Sachen angesprochen, die meiner Meinung nach gar nicht Thema waren (oder ich habe etwas überlesen). Ich zumindest sehe hier weder Schuldfragen, noch Fingerzeige. Deine Wahl fiel auf diesen Mann. Wenn du sonst nur sichere Beziehungen hattest, betrifft dich das Thema VA/BA wohl eher nicht, richtig? Ich erlebe hier selten bis nie dass jemandem die Schuld gegeben wird, aber oft wird gesagt, jeder soll sich seine Anteile anschauen und an sich arbeiten. Das wird vielleicht manchmal verwechselt. Auch dass du sagst "Für mich klingt dein gesagtes so, als wären bindungssunsichere Partner nicht wert eine Beziehung einzugehen bzw. es nicht zu versuchen. Da man ja selbst vermeidet." Ich verstehe gar nicht woher der Satz kommt. Ich denke die meisten Vermeider suchen unbewusst nur Partner aus, mit denen es nicht klappen kann und finden bindungssichere Menschen unbewusst nicht attraktiv, nehmen sie oft gar nicht wahr oder sortieren sie aus. Leider. Man ist halt in seinem Muster gefangen. Bis man genug an sich gearbeitet hat. "Denn auch wer VA datet vermeidet dann nach deiner Aussage." Ja, das kann durchaus zutreffend sein. Ich kann das in meinem Bekanntenkreis beobachten. Aber ich denke es kann auch passieren, dass man sich doch mal mit einem sicheren Partner einlässt, besonders wenn man an sich arbeitet.


    Shameless "Aber du beschreibst an deiner persönlichen Geschichte doch gerade das, was ich vorher anhand der Bindungsstile beschrieben habe. " Ja, ich sehe da ja auch keinen Widerspruch. Mit hat die Bindungstheorie auch am meisten mit dem Verstehen geholfen. Außerdem ist das ein gut erforschter Bereich, weswegen ich viel darüber gelesen habe. Aber bei mir sind sie nicht bewusst gewählt, sondern eindeutig eine Traumafolge. Den Satz z.B. verstehe ich gar nicht: "Mit dem Unterschied, dass ich eher von einem festen Bindungsstil mit situativen Schutzstrategien ausgehe, als von BA und VA bei jedem unsicher gebundenen Menschen." Ich würde es so ausdrücken: Mein Bindungsstil ist unsicher, nicht sicher, meine Strategien sind VA und BA. Desorganisiert bin ich aber zum Glück nicht.

    Aber der Ängstliche vermeidet situativ, während der Vermeider grundlegend vermeidet.

    Deshalb ist auch die Reflexionsbereitschaft beim Ängstlichen stärker vorhanden, da er eben nicht permanent vermeidet und durchaus Emotionen in starker Intensität fühlt und emotional versteht.


    Meinst du, dass das generell so ist?


    Wenn ja, würde ich widersprechen. Bei mir selbst ist es so, dass ich häufiger in der VA-Rolle war, wobei der Satz auch schon falsch ist. Wenn ich es mal ganz genau ausdrücke, habe ich mich öfter in der VA-Rolle GEFÜHLT. Was ich nämlich komplett nicht wahrgenommen und immer sofort gelöscht habe, waren meine BA-Seiten, weil da bei mir eben wenig Leidensdruck etc. herrscht. Ich dachte einfach nur "Igitt! Passt nicht. Weg." und damit war es für mich erledigt. Tschö, weiter geht es. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich da was übersehen könnte.


    Mein eigenes Leid in der VA war mir dagegen dauerpräsent und daher habe ich mich lange auch als Opfer gesehen und den anderen als Täter. Als mir das alles noch nicht bewusst war. (Und ich benutze BA/VA auch wie Hemschi, weil es griffig ist und man mich dann hoffentlich versteht, aber Bindungstheorie ist für mich ein bekanntes Thema.)

    Ich habe erst rückblickend Jahrzehnte später die verbrannte Erde gesehen, die ich selbst hinterlassen habe oder wo ich mich selbst unglaublich bindungvermeidend benommen habe.


    Daher sage ich: Wer noch nicht einen bindungssicheren Partner in seinem Leben gewählt hat (hier kann ich die Hand heben), der vermeidet ebenfalls permanent.

    Ich habe gar keine Zweifel daran, dass du es gut meinst Synne und ich finde deine klaren Worte total toll. Ich habe immer etwas Sorge wenn ich so spreche wird es ggf. nicht gut aufgenommen, dabei würde ich auch gerne klarer sprechen. Ich konnte die klaren Worte anderer früher manchmal nicht annehmen, aber ich habe sie teilweise noch heute im Kopf und mir ist klar, die hatten damals recht :) Damals kam es allen sicher so vor als würde ich nicht zuhören, dabei höre ich die Stimmen bis heute in meinem Kopf. Man nimmt schon alles auf, was man braucht, nur die Umsetzung dauert ggf. etwas länger :)

    Ich finde dich auch gar nicht ungeduldig. Ich glaube eher, du hast starke Beschützerinstinkte. Kann das sein?

    Ich sehe es genauso wie du, liebe Synne Allerdings muss ich auch sagen, dass ich es nicht viel anders als Lea gemacht habe. Ich konnte sozusagen immer nur eine kleine Veränderung in meinem Verhalten umsetzen um mich davon weg zu entwickeln und ich weiß wie viele Leute (die selbst nicht unbedingt besser waren), mir das gesagt haben, den Kopf geschüttelt haben usw.


    Und ich selbst wusste es teilweise auch besser (Kopf gegen Gefühl), aber ich war auch sehr in meinem Muster gefangen und habe es so gut gemacht wie ich konnte, auch wenn das vielleicht von außen nicht so ausgesehen hat. Im Prinzip habe ich mir ja auch nur selbst geschadet, vor allem viele Jahre Zeit dafür gebraucht, die ich auch gerne anders verbracht hätte. Es gibt einige Situationen, die mir immer mal wieder in den Kopf kommen und wo ich mir wünsche, ich hätte anders gehandelt, vor allem wenn ich mich erinnere warum ich so gegen mich selbst gehandelt habe, teilweise meine Würde selbst nicht geachtet habe, aber eben aus Einsamkeit uns krassem Mangel im zwischenmenschlichen Bereich, weil stabile Beziehungen einfach absolute Mangelware bei mir waren, egal ob es um Familie, Freunde, Partner geht.


    Und obwohl ich traurig über meine eigenen schlechten Entscheidungen der Vergangenheit bin, sollte ich mir lieber selbst eine gute Freundin sein, mir diese Entscheidungen verzeihen (fällt mir aber nicht immer leicht), weil ich für das "Erbe" mit dem ich aus der Kindheit herumlaufe nichts kann und weiß, dass ich schon immer sehr viel um Stabilität gekämpft habe und mich in dem Punkt nie ausgeruht habe. Besser hätte ich es also vermutlich nicht machen können mit den Möglichkeiten die ich zum jeweiligen Zeitpunkt hatte.


    Deswegen sehe ich Leas momentane Situation zwar auch kritisch und denke da wartet weiterer Kummer auf sie, aber ich möchte auch gerne da sein wenn sie es braucht und so lange sie es braucht, wenn sie das möchte. Und sie kann ihren Weg in ihrem Tempo gehen.

    Er ist wirklich ausgeflippt, hat gemeint ich hätte ihn gerade weggeworfen. Dabei hab ich nur gesagt, dass ich NICHT seine Affäre werde und wir das deswegen besser lassen körperlich zu werden. Er hat nur die Ablehnung dahinter gesehen und daraufhin ziemlich rot....Funkstille seit zwei Tagen...

    Für mich wäre das schon ein Ausschlusskriterium, weil ich es peinlich unreflektiert finde, er zeigt, dass er nur sich selbst sieht und sich gar nicht in dich versetzen will, dabei ist deine Entscheidung mehr sls verständlich.


    Funkstille weil es keinen Sex mit einer Frau gibt mit der er nicht mal zusammen ist? Aha. Was kommt als nächstes? Inwiefern ist eine Funkstille hier die für dich passende Lösung?


    Siehst du in seiner Reaktion einen Hinweis auf bedeutsame Gefühle dir gegenüber? Oder siehst du da mehr so eine kindliche Selbstbezogenheit von ihm?

    Aber wie schützt du dich in einer solchen Konstellation vor Verletzungen und neuen Enttäuschungen? Und wie kannst du in dieser Konstellation jemand neuen kennenlernen? Hast du denn noch Gefühle oder ist er für dich einfach ein Beziehungsersatz? Was ist denn dein Interesse an der Vererinbarung?


    Ich vermute es würde nicht besser laufen als beim letzten Mal, nur weil ihr es nicht Beziehung nennt. Sobald es zu verbindlich wird muss Abstand hergestellt werden und Beziehungen werden ja quasi von selbst enger, einfach schon über die Zeit. Und um dem entgegen zu wirken müssen immer größere Abstandhalter her. Das ist halt so die Dynamik und da ändert das Label wenig dran. Ihr würdet einfach eine neue Runde drehen.

    Dazu müsste man mehr Details wissen. Ich habe hier jemanden der seine Freundin nur alle 4-5 Monate sieht, sie wohnt auch nicht hier. Beide wollen das so. Andere Frauen sind meines Wissens nach nicht im Spiel. Da will jemand einfach viel Freiraum.

    Wenn mich jetzt einer in einer "Nichtbeziehung" fragen würde, ob man sich heute trifft und ich sage "Och nö du, ich habe heute keine Lust/Zeit wegen, warum auch immer", dann ist der andere ja dennoch enttäuscht zB.

    Wer fragt sich das? Für manche ist ja die größere Angst, dass erwartet wird dass man sich trifft und nicht, dass abgesagt werden könnte. Jemand, der seine BA auslebt würde das so sehen.


    Zitat

    Ich frag mich wo da für einen BA ein Unterschied ist, in so einer Konstellation keine Angst zu haben vor Verletzungen und Verlust.

    Diese Angst ist den meisten ja nicht bewusst, sondern sie schützen sich unbewusst davor. So wie ich mich z.B. vor Abhängigkeit in Beziehungen schütze, indem ich mir unbewusst Partner suche, mit denen es ohnehin nicht klappen kann. Das mache ich ja nicht absichtlich, sondern es ist eine Strategie meiner Angst vor Abhängigkeit aus dem Weg zu gehen. Obwohl ich schon in beiden Rollen (BA/VA) war, ist das für mich die, die ich unbewusst häufiger wähle.



    Und was ich gerne mal wüsste: Woher kommt denn diese Frage bei dir, liebe Lea? Du bist ja nicht neu in der Thematik und die Frage klingt doch eher nach jemandem, der zum ersten mal mit BA/VA konfrontiert ist.

    Ich fühle deine Worte sehr. Vor allem, dass das Verstehen im Kopf nicht ausreicht hat mich so gefrustet. Weil ich überhaupt nicht wusste wie ich mich verändern soll, also meine Gefühle, meine Reaktionen, etc., eben alles was man nicht im Gehirn durch Wissen und Verstehen verändern kann. Das mit der Geduld und dem Loslassen war auch ein Brocken für mich, weil ich der Kämpfertyp bin und nichts tun & loslassen sind da natürlich meine Herausforderungen gewesen.


    Und für mich war und ist noch immer das hier schwer: Ich habe aus meinem Mangel heraus oft schlechte Entscheidungen für mich selbst getroffen. Für die bin ich natürlich selbst verantwortlich, aber da nachsichtig und liebevoll mit mir selbst zu sein, da ich aus einer verzweifelten Lage gehandelt habe fällt mir heute noch schwer.


    Gerade wenn dass du sonst diszipliniert bist und dein Dankbarkeitstagebuch nur dann und wann führst finde ich spannend. Macht es dir keinen Spaß oder hast du einfach nicht immer Lust darin zu schreiben? Wenn es ersteres ist, kannst du überlegen es zu lassen und ggf. durch etwas anderes zu ersetzen. Wenn du nur unregelmäßig und undiszipliniert schreiben möchtest, sehe ich da kein Problem, sondern eher etwas Gutes. Vielleicht kannst du deiner undisziplinierten Seite auch in anderen Lebensbereichen mehr Raum geben und nachspüren wie sich das anfühlt? Ist das Disziplinierte etwas, dass dich glücklich macht oder etwas, das an und zu etwas aufgeweicht werden könnte? Beim verlernen von Mustern soll man gerne alles was vermeintlich zu einem gehört mal testen. Das ist auch etwas zu dem wir in der Klinik ermuntert wurden. Etwas anders zu machen, gerne auch erst mal im Kleinen, wenn es zu beängstigend ist. Und dann schauen, neu bewerten und ggf. noch mal den Kurs korrigieren.

    Und wenn du nicht gerne alleine in der Natur bist, dann weg damit oder mach es irgendwie zu "deinem Ding".


    In einer schlechten Phase neue Dinge auszuprobieren, wie einen Sport, ein Hobby, ein Ehrenamt, irgendwas was man noch nie gemacht hat ist für mich superhilfreich. Daher kann ich das auch nur empfehlen. Man tut etwas für sich, lernt etwas neues, lernt ggf. neue Leute kennen, findet eventuell eine neue Leidenschaft. Oder eine Reise planen, aber da stoße ich ja auch oft an Grenzen, mit Zeit und Geld. Oder was auch sehr gut ist: Überlegen was einen seit Jahren nervt und das angehen. Also z.B. etwas reparieren, renovieren, ausmisten, etwas lernen, was man braucht, eine Missstand abschaffen und sich an dem Effekt erfreuen a la "Seit Jahren nervt mich dies und das und jetzt habe ich das endlich geändert, mich darauf fokussiert, Zeit und Energie reingesteckt und endlich ist das und das anders."

    Ich teile hier mal den Link, wobei der ganze Artikel eventuell nur für Abonnenten zur Verfügung steht


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    Ja, über den Kopf kommt man an vieles nicht heran. Ich habe nun wieder einen Artikel gelesen, dass EMDR auch erfolgreich in der Behandlung von Depressionen (nicht nur Trauma) eingesetzt wird. Mir hat es ja auch so erstaunlich geholfen, auch wenn ich den Vorgang selbst nicht angenehm fand. Meinst du das wäre auch mal was für dich. Ich überlege aktuell es auch wieder zu versuchen, weil auch gerne noch mehr Erleicheichterung hätte, bzw. inzwischen denke, wieso sollte es mir nicht so gut wie möglich gehen?

    Manchmal ist man eben uneindeutig in seiner Entscheidungsfindung. :) Ich finde es auch nicht so entscheidend, ob du nun zum Treffen gehst oder nicht, weil ich denke so schwarz-weiß ist die Lage nicht. Das Signal dass du absagen kannst hast du ja schon bekommen. Also liegt es nun bei dir.


    Wenn du mit einer Hoffnung zu dem Treffen gehen würdest, könnte die natürlich enttäuscht werden. Das wäre aber zu verkraften, selbst wenn da etwas weh täte. Gehst du nicht hin passiert ja auch nichts, verstehst du was ich meine? In jedem Fall geht es für dich weiter :) Es ist nur eine Entscheidung und ihre Auswirkung wird in jeder Richtung vermutlich überschaubar sein.


    Manche Entscheidungen kann man erst bewerten, nachdem man sie getroffen hat.

    Fast alle Entscheidungen die man trifft, kann man korrigieren.

    Was wirklich passiert kann man nicht wissen, man kann nur vermuten.


    Ich sehe in deinen Worten hauptsächlich Befürchtungen, dass es dir wieder schlechter gehen könnte oder dass etwas falsch entscheiden könntest. Vielleicht hilft hier Selbstfürsorge und Vertrauen aufzubauen, dass du mit dir und der Situation umgehen kannst, egal was du entscheidest oder was passiert. Den Handlungsspielraum erweitern. Selbst wenn du einen "Fehler" machst wirst du sicher für dich sorgen können, meinst du nicht? :)

    Naja, ich denke da gibt es nix zu bereuen, oder? Man steht halt da wo man steht und geht seinen Weg im eigenen Tempo. Es sind dadurch ja keine tragenden Säulen in deinem Leben geschädigt worden, also wirst du deine Gefühle nach und nach verdauen und weitergehen.


    Du sagst: "Mir ist klar geworden, dass mein Selbstwertgefühl noch nicht stabil genug ist." Wofür stabil genug genau?


    Zitat

    Ich wünsche mir Leichtigkeit. Vertrauen, sich anlehnen können, Akzeptanz. Gegenseitige Wertschätzung Geborgenheit, Ehrlichkeit, offene Kommunikation, gemeinsames Wachstum, Abwechslung, Aktivität, Anziehung, Neugier, nähe aber auch Raum für mich selbst. Gemeinsam Neues ausprobieren und entdecken

    Ja, das sind deine Bedürfnisse. Die hast du klar. Aber wie soll sich das konkret ausgestalten? Ich habe gerade einen Wunsch, dessen Erfüllung mit unwahrscheinlich vorkommt. Dennoch habe ich mir nun vorgenommen jeden Tag einen Schritt darauf zu zu machen und das auch aufzuschreiben. Ist auch nicht schlimm, wenn ich mal einen Tag aussetze, aber so grundsätzlich denke ich, so sollte es doch was werden. Zumindest tue ich was ich kann. Ich glaube wenn du noch etwas konkreter machen könntest was für eine Beziehung du dir genau wünschst wäre das auch ein Schritt darauf zu. Musst du ja nicht hierhin schreiben, aber für dich selbst solltest du es klar haben. Und heb das unbedingt auf oder lese es dir regelmäßig durch und verändere ggf. noch was daran. :)


    Zitat

    Ich bin oft völlig überfordert von meinen eigenen Gefühlen und kann sie nicht selbst regulieren, wenn sie über ein bestimmtes Maß hinaus gehen.

    Wenn du sie nicht selbst regulieren kannst - was tust du denn dann? Was genau passiert denn dann?


    Zitat

    Ich bin overthinker. Ich bin gut im reflektieren. Ich versuche alles über das kognitive zu lösen und genau hier scheitere ich, da ich nicht auf die Gefühlsebene komme, sondern im Kopf bleibe.

    Das kenne ich. Das ist ja auch so eine klassische Bewältigungsstrategie. Das kenne ich auch von mir selbst. Aber dann ist der Weg ja klar vor dir: Mehr und mehr ins Fühlen kommen. Daran arbeite ich auch weiterhin. Das tut auch unheimlich gut. Früher konnte ich z.B. gar nicht fühlen wenn ich mich verliere. Ich kannte nur "funktionieren". Heute spüre ich immerhin schon den Unterschied zwischen meinem eigentlichen Wesenskern und meinem Survival-Selbst. Aber da wünsche ich mir auch noch mehr Verbindung von Hirn und Herz.


    Die Ungeduld die du beschreibst, die kenne ich auch. Bei mir rührte sie von fehlendem Urvertrauen. Ich habe nicht dran geglaubt dass alles gut wird. Und dann habe ich natürlich auch keine Geduld, die Ungewissheit treibt mich an. Das hat nicht nur schlechte Seiten gehabt. Ich habe für mich viel dadurch erreicht. Aber klar, mehr Zuversicht und innere Ruhe tun einfach gut.

    Wie schon gesagt wurde ist es ja auch im Menschen angelegt, dass Ablehnung Selbstzweifel hervorruft. Es ist ja auch eine Bedrohung und Liebespartner sind da eben ein besonders starker Trigger.


    Ein Satz von dir schien mir besonders zu leuchten:

    Zitat

    Ich wünsche mir einfach auch eine Beziehung, vertrauen, gehalten werden und ja auch ein aufregendes, abwechslungsreiches Sexleben.

    Vielleicht ist das der eigentliche Punkt. Du wünschst dir etwas, das du so wie du es beschrieben hast dort wohl nicht bekommen würdest. Etwas eigenes. Und das ist sicher schwerer zu finden, so lange du an anderer Stelle innerlich gebunden bist. Insofern musste diese Trennung passieren oder übersehe ich da etwas? Was für eine Beziehung wünschst du dir denn? Kannst du mir das möglichst konkret beschreiben?

    Zitat

    Ich hab nach Januar 3 Monate gebraucht, mich wieder mit mir verbunden zu fühlen und meinen Selbstwertgefühl wieder zu erlangen.

    Da fühle ich gerade sehr sehr mit. :)

    Was ich auch empfehlen kann:

    In ein Buch auf die linke Seite schreiben wofür man dankbar ist und auf die Rechte worüber man sich ärgert. Wenn man das Buch wieder in die Hand nimmt, die dinge über die man sich geärgert hat, die aber vergangen sind durchstreichen. Man stellt fest, dass da sehr wenig übrig bleibt.


    Während die guten Dinge oft nicht "vergehen", sondern gut bleiben.

    Das freut mich sehr für dich. Ich finde im Frühling war es auch immer besonders leicht sich zu verlieben. Irgendwie waren alle den Winter über drinnen und ich fand die Männer haben in den ersten Frühlingswochen immer besonders geguckt :) Bin gespannt wie es mit euch weitergeht :)