Beiträge von tom1aufdersuche

    So wie ich das einschätze, spürt er das ganz klar, dass Du voll im VA-Modus bist.


    Vielleicht wäre es ratsam, dass ihr Mal Eure Standards besprecht.


    Wenn dann rauskommt, dass seine Maximaldosis an Schreibereien ohne wirklichen organisatorischen Inhalt weit unter Deinem Bedürfnis ist, dann könntet ihr schauen, wie ihr Euch da einigt.

    Das würde bedeuten, dass Du ihn auch ein Stückweit Mal in Ruhe lässt.


    Aber ein wirklicher Kompromiss bei zwei BAs wäre für mich eine absolute Seltenheit. Leider liegt das Problem oftmals darin, dass BEIDE eben genau das nicht können.


    Denn ein Kompromiss setzt auch eine gewisse Souveränität im Umgang mit den eigenen Ängsten voraus. Bist Du da schon so weit?

    Ich vermute, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass Du diesen Menschen überhaupt nicht kennst. Ohne reales Treffen mit nur online Kontakt besteht dieser Mensch zu einem sehr großen Teil aus Deinen Projektionen und umgekehrt wird es genau so sein.


    Auch ohne Toxik und Bindungsangst halte ich es generell für besser, so wenig wie möglich zu schreiben und so schnell es geht zum persönlichen Treffen zu kommen. Das ganze Geschreibe baut nur gegenseitige Projektionen auf. Trifft man einen Menschen real, kann einem das sehr viel Zeit, Suche und Mühe sparen. Entweder, weils gleich klar ist, dass es nicht passt, oder dass sich was entwickeln könnte.


    In Eurem Fall liegen eigentlich schon alle Fakten auf dem Tisch: Er hat selbst erklärt, dass er toxisch, bindungsängstlich etc ist. Ich würde mir gut überlegen, ob ich mich mit so einem Menschen in die toxische dynamik stürzen will.


    Das kannst Du natürlich tun. Aber ich fürchte leider, dass die ganze Geschichte von ziemlich viel Leid und Schmerz gezeichnet sein wird.


    Es ist wohl richtig, dass einem genau die Menschen begegnen, die die Wunden aufreißen, die bearbeitet werden wollen. Das alternative Modell der Seelenverwandschaft mag als Analogie da schon stimmen. Die Frage ist nur, wie man die Lösung anstrebt. Ich denke, die Lösung liegt keinesfalls im Festhalten und dem Aufbau einer Beziehung mit diesen Menschen, sondern eher darin, sich davon zu lösen.

    Und das geht nun mal am effektivsten mit dem Fokus und der Arbeit an sich selbst.


    Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass alles theoretische Wissen und der feste Entschluss es zu beenden, oftmals nicht reicht, weil das ganze eben einen sehr starken Suchtcharakter hat. Deshalb können wir hier nur den richtigen Rat geben, es zu beenden. Wenn dieser Zeitpunkt aber noch nicht reif ist, habe ich volles Verständnis und wir sind hier im Forum trotzdem für Dich da.


    Viele Grüße

    Tom

    Ich finde es immer schwierig, in solchen Situationen einen Rat zu geben.


    Wir haben hier jetzt den Fall, den denke ich jeder von uns schon mehrmals erlebt hat. Nämlich in eine neue Runde zu gehen.


    Ich kann dir weder raten, die Runde zu starten, noch zu gehen.

    Wenn es noch nicht die richtige Zeit ist, sich zu lösen, dann geht man eben in die nächste Runde. So ist das einfach bei BA/VA.

    In jedem Fall kann ich Dich total verstehen, dass Du jetzt seine Unterstützung und seine Kraft annimmst und Dich erstmal erholen kannst.

    Aber wie Anno schon sagte, sollte man bei nem neuen On nicht zu sehr in der Euphorie verarren, sondern so bald wie möglich Präventionsarbeit leisten.


    Das bedeutet für mich, dass Du Dir immer wieder die Realität vor Augen hältst, dass der erneute Rückzug mit guter Wahrscheinlichkeit irgendwann kommen wird. So wie die Zeiten im Off sehr gut genutzt werden können, kann man das auch im On tun. Aber machen wir uns nichts vor, das kann durchaus schwierig sein.

    Es geht ja wie immer darum, sich selbst zu finden, auf sich hören zu lernen, und sich zu definieren, die Grenzen zu definieren.

    Es gibt also auch im On die Chance das zu tun.


    Im idealfall könntest Du, wenn Du Dich erstmal erholt hast, nun beginnen Grenzen zu definieren und ggf. auch einzufordern, bzw. diese zu formulieren. Das ganze erzeugt dann allerdings Distanz - aber Distanzierung ist genau das, was wir in solchen Situationen benötigen, um wieder zu uns selbst zu finden, um wieder in den gesunden Abstand zwischen Nähe und Distanz zu kommen.


    Diese Veränderungen, die ja praktisch alternativlos sind, wenn man weiterkommen will, erzeugen selbstverständlich wieder erneuten Sand im Beziehungsgetriebe. Und dabei würde ich empfehlen, dass Du weiterhin im Auge behältst, dass eine positive Veränderung deinerseits einem Happy End entgegenwirken könnte.


    Ich würde empfehlen die Priorität sehr sehr stark auf Dich und Dein Wohlbefinden zu richten. Und wenn die Beziehung dabei draufgeht, sollte das im Idealfall weniger wichtig sein, als die erfreuliche Tatsache Du besser darin geworden bist, in Deiner Mitte zu sein.

    Das merkwürdige ist tatsächlich, dass es oftmals diese beiden Seiten sind.

    Die Rolle der Anpassung und Selbstaufgabe existiert scheinbar manchmal tatsächlich. Das würde ja auch gut zu der These passen, dass fälschlicherweise Mal als Kind erfahren musste, dass man nur geliebt wird, wenn man gut genug ist.

    Der Wechsel in seiner unglaublichen krassen Art und Weise ist für Außenstehende einfach nicht nachvollziehbar.

    Wenn die BA zuschlägt, ist einfach nichts mehr davon da.

    Das kenne ich von meinem BA. Er macht das auch mit seinen Restfreunden, die sich noch nicht angewandt haben.


    Ich fürchte, je krasser die Wechsel, desto tiefgreifender und massiver ist die Problematik.


    Mein ewiges Mantra, dass ich mir immernoch häufig einhammern muss, ist:


    Er - wird - sich - nicht - ändern. Tausend Ausrufezeichen.!!!!!


    Wenn er in den Modus kommt, sind ihm die, die ihm zu nahe kommen, scheißegal. Es zählt einzig und allein nur die Abgrenzung, weil der Selbstschutz alleroberste Priorität hat.


    Du wirst Dr. Jekyll niemals dauerhaft haben können. Mr. Hyde wird immer und immer wieder kommen. Leider leider. Es ist wirklich eine traurige sache.

    Ich denke, hier verurteilt Dich keiner.


    Es sind vielleicht eher Meinungen.


    Ich persönlich finde es moralisch und ethisch nicht bedenklich, wenn man sich als Schwangere Frau gegen ein Kind entscheidet, weil man sich dem nicht gewachsen fühlt.

    Das ist eben meine Meinung dazu.


    Was das Gesprächsangebot angeht, würde ich ihm kurz schreiben, dass Du im Moment nicht in der Lage für ein Gespräch bist.

    Wenn sie einfach gehen, wird man immer so knallhart auf sich selbst zurückgeworfen. Ich kenne das sehr gut und fühle mit Dir.


    Ich fürchte mit dieser Handlung (sein Rückzug) hast Du nun den endgültigen Beweis, dass er sich niemals auf Dich einlassen können wird.


    Es tut mir leid, dass Du dass mit einem solchen Hammer erfahren musstest. Aber seine Ängste sind leider stärker, denke ich.


    Die entwicklung aus einer solchen Geschichte heraus ist leider immer von Fort- und Rückschritten gezeichnet. Auch wenn sich das jetzt vielleicht nicht hilfreich anhört: Vielleicht ist es gut so, dass das Ende mit Schrecken mit einem Rumms gekommen ist. Jetzt hast Du die Chance, wieder Verantwortung zu übernehmen und Du selbst zu sein.

    Ich vermute, auch wenn diese Beziehung ein Stück besser war als die vorherige, hast Du trotzdem noch zuviel von Dir selbst aufgegeben. Ich denke das ist normal. Man hört es oft, das auch der neue Partner noch nicht das gelbe vom Ei war und man auch dort noch an seinen alten Mustern hängt - wenn auch schwächer.


    Ich erinnere mich noch, wie Du in der vorherigen Beziehung Deine Stärke entdeckt hast und die Abgrenzung und ihre positive Wirkung auf Deinen Selbstwert kennengelernt hast. Weißt Du noch?

    Ich wünsche Dir (und bin mir sicher), dass Du bald wieder in dieses Gefühl hineinkommen kannst. Ob mit oder ohne Kind, soll er doch bleiben wo der Pfeffer wächst. An seiner Seite und mit seinem Verhalten kannst Du nicht wachsen.

    Auf jede Talsohle folgt immer wieder ein Aufstieg.

    Wenn man nicht zusammen wohnt, stellt sich immer die Frage, wer wann zu wem fährt. Mit meinem EX damals vor dem BA haben wir 7 Jahre zusammen gewohnt. Da stellte sich diese Frage dementsprechend auch nicht. Wenn jemand von uns das Bedürfnis nach Me-Time hatte, hat er sich in sein Zimmer verkrümelt, ist mit Freunden weggegangen. Manchmal bin ich zum Feiern zu alten Freunden für 1,5 Tage in eine andere Stadt gefahren, manchmal hat er seine Familie besucht und ich bin nicht mitgefahren.


    Aber es war niemals so, dass jemand von uns sich aktiv und akut für länger als 1 bis 2 Tage entfernen musste oder es stark brauchte. Die paar mal im Jahr, wenn sowas vorkam, haben gereicht und sie kamen einfach vor - ganz natürlich ohne Druck.


    In der Situation bei Euch scheint es ja so zu sein, dass dieser natürliche Flow irgendwie gestört ist.

    Ich finde es bei Deiner Vorgeschichte nur verständlich, dass Dich sowas triggert. Ich kenne das ja auch von mir.


    Wie steht es denn bei Euch mit der Kommunikation?


    Könntest Du in einem guten Moment ihm all das so beschreiben, dass Du aufgrund von Ängsten manchmal getriggert wirst und wie Du Dich dabei fühlst?


    Schön wäre es, wenn ihr bei diesem Gespräch beide in eine entspannte neutrale Haltung kommen könntet. Dabei könntet ihr beide die perspektive von Außen einnehmen und mal versuchen zu analysieren, in wie weit er wirklich diesem Bedürfnis nach Zeit ohne Dich nachgehen muss und in wie weit deine Ängste Dich daran hindern, das gelassen zu nehmen.


    So ein Nähe-VS-Abstand-Thema braucht meiner Meinung nach viel Kommunikation um herauszufinden, welche Standards beide haben und wie diese Standards zusammenpassen und wo auf beiden Seiten Kompromisse eingegangen werden müssen.

    Hi, ich hab leider gerade nicht die Zeit für alle Fragen.


    Ich will irgendwie sogar „nur“ mit ihr befreundet sein ganz im Ernst, sie ist eines tollen spannenden Menschen mit tollen Eigenschaften, ist es mein Problem, dass ich nicht befreundet sein kann, weil immer noch Gefühle habe, oder ist es ihr Problem, dass sie ihr ambivalentes verhalten in der „Freundschaft“ genau fortsetzt.

    Wahrscheinlich beides. Eine wirkliche Freundschaft wäre das in einer solchen Situation nicht, sondern einfach die Forführung eurer Verstrickung.


    Was ist nun an der ganzen Geschichte „echt“? oder ist alles Echt und nur ihr empfinden dreht sich teilweise von Tag zu Tag zu 180.

    Ich vermute stark, dass beides echt ist. Deshalb sollte man die Abneigung auch ernst nehmen.

    Hat es euch geholfen, dass euer Partner / Ex-Partner/irgendwas Undefinierbares mit euch über die Situation geredet hat?

    Eher nicht. Genauso ambivalent wie die Gefühle sind, kann auch das sein, was sie dazu sagt.

    Wer sich völlig im Unklaren über sich selbst ist, kann auch nichts klares Äußern, auf das man sich in irgendeiner Weise verlassen könnte.

    Ich bin ja kein Arzt, aber das was Du beschreibst, klingt für mich irgendwie nicht wie ein Fall für einen Neurologen.


    Selbstverletzende Handlungen, keinen Bissen mehr runterbekommen, sozialer Rückzug...


    Ich würde versuchen mich an einen Therapeuten zu wenden. Falls es wirklich zu schlimm wird und akuter Handlungsbedarf und Gesprächsbedarf besteht, kannst Du Dich auch kurzzeitig stationär in die nächstgelegene psychiatrische Klinik einweisen.


    Es gibt Situationen im Leben, in denen man nicht mehr die Kraft hat, 30 Psycholgen anzufunken, jedes Mal den Seelenstrip zu machen und dann Monate bis Jahre auf irgendwelchen Wartelisten zu stehen.


    Wenn es nicht mehr geht, such Dir bitte Hilfe ja? In diesen Kliniken sind Fachleute, die Dir in solchen Lebenslagen gut Helfen können. Ich könnte mir vorstellen, dass man dort auch schneller an eine Therapie herankommt. Wahrscheinlich ist die Chance auch größer, dass die Therapieform dann auch passt.

    Ich vermute mal, Du bist noch ziemlich jung oder?


    Ich finde es jedenfalls ein Unding, dass jemand zu einem Therapeuten geht, mit Ängsten, die sogar körperliche Symptome zeigen, und der Therapeut ihn abweist; ganz egal in welchem Alter.


    Therapeutensuche ist echt mühsam. Ich habe mindestens 30 Telefonate im Umkreis von 25 km führen müssen und musste Monate warten.


    Ich bin der Meinung, dass immer wenn jemand sich an einen Therapeuten wendet, es einen Grund dafür gibt, den man nicht einfach abschmettern sollte. Diese Meinung habe ich auch von einer Therapeutin gehört.


    Als ich mit Mitte 20 in einer ähnlichen Lage war, wurde mir auch gesagt: "Och, du schaffst das schon". Und jetzt blicke ich mit 38 auf eine Zeit zurück, die nicht sehr schön war. Vielleicht hätte ich mir das ersparen können, wenn ich damals tiefer gegangen wäre. Andererseits war es vielleicht auch noch nicht an der Zeit.... wer weiß.


    Wie sieht denn Deine bisherige Beziehungsgeschichte aus? Ist das Dein erster Freund?

    Ich glaube, dass das Erlernen der Grenzsetzungen in sehr vielen Fällen der Anfang vom Ende der Beziehung sein kann.


    Wenn wir mal von einer BÄ geprägten Beziehung ausgehen, in der schon längere Zeit die Dynamik wütet, dann sind beide schon ordentlich miteinander verstrickt. Toxische Anteile gibt es da meistens von beiden Seiten.

    Die Partner passen nun mit ihren Verletzungen, Triggerungen, Wunden und inneren Kindern wie komplizierte Puzzleteile zusammen.


    Wenn nun der Pluspol lernt, für sich einzustehen, verändert er sich ja. Er beginnt, wieder mehr zu sich zu kommen und mehr er selbst zu sein. Sein Puzzleteil verändert die Form und passt nicht mehr so gut.


    Zu diesem Lernprozess gehört für mich nämlich auch, dass man sich mehr und mehr die ernsthafte Frage stellt, was man eigentlich von einer Liebesbeziehung erwartet, und vor allem kommt man auch langsam zu der Erkenntnis, dass man das niemals mit diesem Partner finden kann.


    Es mag sein, dass, wenn der Pluspol all seine toxischen Anteile verloren hat und total ausgeglichen ist, sowas wie eine WG-Beziehung möglich ist. Aber da sich meistens ja nur der Pluspol nachhaltig ändert, glaube ich kaum, dass der Wunsch nach einer solchen Beziehung noch dauerhaft besteht. Er wird dann Menschen anziehen und interessant finden, die auf der gleichen "Erleuchtungsebene" sind.


    Ich pflege ja noch eine Freundschaft mit meinem BA. Zunehmend finde ich aber sein Theater, was bei ihm ja auch in freundschaftlichen Beziehungen abgeht, einfach nur noch unreif... ja geradezu infantil.

    Es blickt jetzt immer mehr mein innerer Erwachsener auf diesen Menschen.

    Und der sieht einen Menschen, der ihm leid tut, weil er mit 12 in der emotionalen Entwicklung steckengeblieben ist, und mit diesem unreifen Verhalten überall aneckt.

    Von meiner alten Bewunderung und idealisierung ist immer weniger vorhanden.

    Ja stimmt.

    Das Formulieren der eigenen Wünsche ist auch ein sehr wichtiger Teil.


    Ich selbst bin dabei automatisch in die Rolle des ständigen Kritikers gekommen, weil es eben der falsche Partner war.

    'Durch meine Emanzipation von der ständigen Anpassung und mein emotionales Erwachen, wurde ich schließlich zunehmend unbequem in den Augen meines BAs.


    Wie sagte er mal in einem Streit, als wir der Trennung schon nah waren?: "Ich will nicht ständig mein asoziales Verhalten vor Augen geführt bekommen".


    Ich kann íhn da voll und ganz verstehen. Aber schließlich war ich dann irgendwann nicht mehr der Angepasste, der alles mit sich hat machen lassen. Im Nachhinein denke, ich dass ichs seiner BA sowieso nicht hätte recht machen können.

    Meine Angepassheit und Profillosigkeit hat er irgendwann verachtet. Als ich dann anfing, für meine Bedürfnisse einzustehen, war ihm das auch unangenehm.


    Man könnte sagen, dass in vielen Fällen, wenn der VA langsam "erwachsen wird" und sich abgrenzt, er damit auch an der Beziehung sägt.

    Das führt mich wiederum zur Erkenntnis, dass eine solche Konstellation meist von vornherein schlechte Karten hat. Wahrscheinlich hat eine solche Form von Verstrickung oder Kollusion, wie Jürg Willi sie nennt, nicht viel mit echter Liebe zu tun. Es ist wahrscheinlich hauptsächlich das Triggern und gegenseitige Abarbeiten der alten Verletzungen.


    Ich bin jedenfalls durch dieses Abgrenzen langsam wieder zu meinem eigentlichen Charakter zurückgekehrt, bzw, bin gerade noch dabei. Und der beinhaltet nun mal auch eine gute Portion an Ansprüchen an Andere. Loyalität, Fairness, Integrität usw.

    Wenn ich meinen BA so ansehe, dann fehlt mir da einiges davon, um eine Beziehung eingehen zu können.


    Abgrenzung öffnet Augen!

    Ich kenne das von früher, als ich auch öfter so behandelt wurde.

    Ich finde das nach wie vor, eine der respektlosesten Strategien der BA. Es ist für mich auch manchmal eine Form von psychischer Gewalt, die da ausgeübt wird. Anders kann mans bald nicht sagen.


    Ich habe sogar mal mein Handy zum Bahnhof in ein Schließfach gebracht, um mich vor dem Drang der Onlinestatuskontrolle zu schützen...


    Leider habe ich auch keine Empfehlung parat, was man in der konkreten Situation tun sollte.


    Ich habe das nach solch einer Phase jedes Mal zum Ausdruck gebracht, dass ich das unter aller Sau finde. Er hat dann damit aufgehört. Aber die BA suchte sich dann andere Ventile, um mich loszuwerden.

    Wenn man schon sehr tief in der Sache drinsteckt, dann ist diese Entscheidung wohl schwierig bis unmöglich durchzuziehen. Natürlich ist objektiv gesehen ein kalter Entzug eine wirksame Methode, wenn auch sehr schmerzhaft. Leider liegt das Wesen einer solchen Beziehung genau darin, dass man sowas nicht fertigbringt.


    Der Sinn, der hinter dieser Aktion steht, liegt darin, dass man wieder zu sich selbst findet. All die ganzen Grübeleien sind Versuche des Egos, die Kontrolle wiederzuerlangen und auch eine Form der Kontaktaufnahme, wenn auch nur virtuell. Jede Form von Kontakt, auch die Grübelei, sucht die Hilfe und die Lösung im Außen beim Partner, weil man sich selbst schon verloren hat. Deshalb wird in vielen Fällen zu Nullkontakt und sogar zu Gedankenstopp geraten. Die Droge muss komplett abgesetzt werden.


    Das viel zitierte "Grenzen setzen" funktioniert in der Vorarbeit etwas anders - glaube ich jedenfalls. Das sind eher kleinere Situationen. Die sind dann höchst individuell.

    Z.B.: Ok, wenn Du Dich nicht festlegen kannst, und hier nur rumeierst, dann fahre ich das Wochenende eben alleine oder mit Freundin X ins Wellnesshotel.

    Oder: Ich merke, dass ich mich gerade nicht willkommen fühle. Das, was Du eben gemacht/gesagt hast, war verletzend. Ich fahre jetzt lieber nach Hause. Melde Dich, wenn Deine Laune besser ist.

    Oder: Das, was Du eben gesagt hast, war mega abwertend. Ich möchte von meinem Freund nicht so behandelt werden.


    Dieses Grenzen setzen in Form dieser Sätze ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Darunter muss auch eine Basis existieren, die diese Grenze auch untermauert. Sprich, man muss das auch wirklich meinen. Türknallen und wütend abhauen, sind meistens eher die verzweifelten Versuche, Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Eine wirklich gemeinte Aussage hat eine Basis, die es einem erlaubt, die Grenze auch durchzuziehen. Also dann wirklich mal ein paar Tage zu warten und sich nicht zu melden.


    Der Aufbau dieser Basis geschieht zu einem Teil durch das Ausprobieren dieser Grenzssetzungen. Ein größerer Teil liegt aber in der Aufdeckung der eigenen Anteile. Je mehr man seine unbewussten Handlungen, Muster und Glaubenssätze ins Bewusstsein holt, desto weniger Macht bekommen sie. Das befähigt einen dann, auch mal Fragen zu stellen wie:

    "Was wünsche ICH mir eigentlich für eine Beziehung?"

    "Ist das überhaupt Liebe, oder nur Abarbeiten von Mustern und Wunden?"


    Die ganzen Bereiche:

    *Grenzen setzen

    *Eigene Anteile erkennen

    *Realistische Einschätzung der Unmöglichkeit und des Wahnsinns dieser Beziehung

    sind aber sehr eng vernetzt. Sie gehen alle ineinander über und stützen sich gegenseitig.


    Ich vermute, die meisten müssen wirklich erst ziemlich weit unten angekommen sein, um wirklich die Lösung bei sich zu suchen. Erst wenn alles probiert wurde - manchmal Jahre - überanpassung bis zum Erbrechen, Versöhnungsgesrpäche, Kompromisse, der Versuch noch besser zu werden, sich noch mehr Mühe zu geben....

    Wenn das alles probiert wurde, und nichts mehr möglich ist, dann sind die Schutzstrategien vielleicht soweit ermüdet, dass eine Chance besteht, vor der eigenen Haustür zu kehren und gleichzeitig diese unglaubliche Verantwortung, die man Jahre lang übernommen hatte, endlich abzulegen.


    Im besten Falle ist man dann in der Lage, auch die äußeren Faktoren anzupassen, also wirklich auf Distanz zu gehen, Freundeskreise anpassen, Wegziehen, Kontakt abbrechen usw. Aber die Distanzierung muss eben auch innerlich stattgefunden haben.

    Bindungssichere Menschen können viel eher einen durchgehenden Schlussstrich ziehen und das ganze gesund abtrauern.


    Wann für VAs der richtige Zeitpunkt ist, ist aber wahrscheinlich höchst individuell. Vielleicht ist es für manche wirklich das beste, von jetzt auf gleich die Reißleine zu ziehen, wenn's massiv an die Gesundheit geht.

    UND (jetzt kommt der Trick) je mehr du für dich und deine Bedürfnisse einstehst, desto kleiner wird die VA.

    VA wächst, wenn diese ungesehen bleiben und schrumpft, wenn du anfängst besser auf dich acht zu geben. :)

    Genau so ist es.


    Dies ist natürlich ein Extrembeispiel. Auch in den kleineren Dingen stabilisiert einen das Setzen von Grenzen. Ich finde es aber äußerst wichtig, dass dies bewusst und überlegt geschieht. Eine wütende Gegenreaktion auf eine Verletzung z.B. ist keine gesunde Grenze, sondern schlicht ein Streithandlung und manchmal beinahe ebenso toxisch wie die Verletzungen des Partners.


    Grenzen, die auch haltbar sind, kommen bei mir aus längerer Überlegung.


    Ich glaube, dass man vieles erstmal aus diesem ganzen unterbewussten Brei herausholen muss. Die Reaktionen unseres Abwehrsystems funktionieren ja unbewusst. Also z.B. das Klammern oder Streit vom Zaun brechen. Wenn es gelingt, diese Reaktionen in den bewussten Bereich zu holen, verlieren sie dort an Macht.

    Allerdings geht das nicht mal eben so schnell. Was dort unten tausendfach erprobt und wirksam war, möchte dort auch bleiben und wirken. Deshalb dauert das manchmal so lange, bis es wirklich in den bewussten Bereich kommt und dort FÜHLBAR wird. Wissen allein reicht nicht.

    Ich hab zwar gerade null ambitionen auf ne Dating App, aber es würde mich brennend interessieren, was die einzelnen Funktionen einer Hemschemeier-designten App bieten.


    Was ist mit Standort, zuletzt online, wer hat mein Profil wann das letzte Mal gesucht.... usw.


    Das sind doch alle diese Sachen, deretwegen Hemschi eigentlich sowas eher immer abgelehnt hat.


    Also ich würde gerne mal einen Einblick haben...

    Hallo Angie,


    willkommen hier im Forum. Deine Geschichte kommt mir bekannt vor. Allerdings bin ich eher auf der anderen Seite, meine kleine Bindungsproblematik drückt sich eher in Verlustängsten und dem Wunsch nach zu viel Nähe aus.

    Deshalb werden sich hier in kurzer Zeit Leute melden, die Dir aus der gleichen Perspektive antworten können.

    Trotzdem habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt, weil mein Freund auch ein vermeidender Typ ist.


    Vielleicht kann ich Dir folgende sagen, die ich über Bindungsangst schon weiß oder zu wissen glaube.


    Bindungsangst an sich ist keine Diagnose und keine Krankheit. Vielmehr liegen die Ursachen, wie unser Bindungsverhalten "programmiert" wird in der Vergangenheit. Das sind also meist die Beziehungen zu unseren Eltern, oftmals schon in den ersten Jahren unseres Lebens. Wenn dort etwas unrund gelaufen ist, kann sich das auch weiter ziehen. Bei mir waren es die ersten Verliebtheiten in der Jugend und die ersten Beziehungen, die meiner Ansicht nach meine Problematik noch verstärkt haben.


    Bindungsangst ist mehr ein Symptom von einer tiefer liegenden Störung. Leider ist es nicht immer so einfach, an die tiefen Ursachen heranzukommen. Man kann sich an die Bindung zu den Eltern in den ersten zwei Lebensjahren ja nicht erinnern.


    Du schreibst, dass Du schon bei einer Therapeutin warst und dass es nichts gebracht hat. Das kann meiner Ansicht nach passieren, wenn die Therapeutin und Du vielleicht nicht den richtigen Draht zueinander haben, oder sie für das Thema einfach nicht die richtige ist.


    Welche Therapieform hast Du denn wie lange gemacht?