Beiträge von Nicnov

    Und wie reagiert man am besten drauf? Weil das ablehnen wäre ja wieder Zurückweisung und würde die BA ja auch uU. triggern. Und können die Worte "Ich hab dich lieb" triggern?


    Ich glaube allgemein wäre es am besten bei Annäherung, die Zeit und die Intimität von selbst zu begrenzen oder?

    Hi Ole,


    ich bin selber starker Vermeider und gerade in einer ähnlichen Situation (also die deiner Verflossenen). Ich suche gerade Kontatk zu meiner Ex-Freundin und sie hält mich aber auf Distanz. Das Ablehnen ist natürlich eine Zurückweisung aber auch als BA nachvollziehbar und wird als gesundes Grenzen setzen empfunden. Ich hab dich lieb würde mich noch nicht triggern.


    Ja, auf jeden Fall, wie Synne schon sagt, solltest du auf deine eigenen Bedürfnisse achten und da Grenzen setzen, wo du sie spürst, ohne zu taktieren oder danach zu handeln, was sie wollen könnte... Und die Geschwindigkeit bei Annäherung (die ist nämlich beim nähesuchenden BA meiner Erfahrung hoch) rauszunehmen bzw. die gemeinsame Zeit gering zu halten, ist auf jeden Fall sinnvoll.

    Während der Zeit in Trennung habe ich viel Zeit alleine verbracht (ich bin zur Zeit beruflich im europäischen Ausland). Dadurch bin ich mir schon sehr nahe gekommen und kam auch meinen Ängsten und depressiven Gefühlen nahe. Das sind Gefühle, die ich lange Zeit nicht spüren und zeigen wollte. Und sie sind ein großer Teil von mir. Ich bin nachdenklich, manchmal schwermütig und kann das Leben nicht immer leicht nehmen. Früher habe ich das nicht zugelassen. Es war wichtig, einer von den coolen zu sein, immer witzig zu sein.


    Im Kern liegt da irgendwo die Angst, wenn ich mich mit all diesen Anteilen zeige, dann findet mich niemand interessant. Und ein wenig ist es auch noch bei meiner Ex so, dass ich denke, wenn sie mich so kennengelernt hätte, wäre sie nicht interessiert gewesen. Allerdings hat sie mich in der Beziehung so ja vollkommen akzeptiert.

    Wenn ich es richtig verstehe, seid ihr jetzt etwa ein Jahr "zusammen". Und es hört sich so an, dass du in der Anfangszeit sehr große Veliebtheit gespürt hast und Verlustangst. Diese Kombination kenne ich sehr gut aus der Anfangszeit. Wie war es denn bei dir in der Vergangenheit in deinen Beziehungen? Ähnliches Muster oder ganz anders? Bei mir verlief es eigentlich immer gleich. Ich war Hals über Kopf verliebt, habe auch "alles" getan, um die Person von mir zu überzeugen. Kannte keine Grenzen. Nach etwa 3 Monate kippte es jedes Mal, und verlief in etwa wie bei dir beschrieben. Die Beziehungen hielten 3 Monate bis sechs Jahre.


    Für mich ist es so, dass ich in der Verliebtheitsphase Verbindung richtig spüren kann. Deshalb bedeutete Sexualität, diese Aufregung beim Kennenlernen, lange Zeit ausschließlich Verbindung für mich. Gleichzeitig schweigen die Ängste in dieser Zeit, man kann locker über seine Grenzen gehen, wie du auch schreibst. Seit meiner letzten Partnerin weiß ich (so konkret erst nach der Trennung), was Liebe für mich bedeutet und wie es sich wirklich anfühlt, Verbindung zu jemandem zu spüren. Dafür bin ich sehr dankbar, weil ich es die ersten 30 Jahre meines Lebens nicht wusste. Ich kam nie an den Punkt, solche tiefen Gefühle für jemanden zu entwickeln.


    Ich habe die letzten Jahre viel an dem Thema gearbeitet, durch Psychotherapie (machst du welche?) und auch Stahl. etc. Allerdings wäre ich mit diesen ganzen selbsternannten Experten sehr vorsichtig. Im Gegensatz zu vielen hier im Forum kann ich zum Beispiel Hemschemeier nichts mehr abgewinnen. Das Problem ist meines Erachtens, dass viele von denen das Thema zu sehr in Regeln gießen, an die man sich halten solle. Man wird dann irgendwie zu so einem Zombie, der beim Daten oder in der Beziehungen tausend Regeln einhält. Und viele dieser Regeln sind populärpsychologischer Natur...


    Aber auf jeden Fall hat es mir sehr geholfen, zu reflektieren und zu begreifen, warum ich so handle und fühle. Allerdings ist die BA manchmal so mächtig, dass ich vieles noch nicht im Kern begriffen habe. Mittlerweile denke ich aber, dass ich die Impulse irgendwann in der Beziehung akzeptieren und aushalten kann. Das ganz starke Gefühl geht ja auch wieder weg und weicht den positiven Gefühlen.


    Schlussendlich habe ich die Ambivalenz letztes Jahr nicht mehr ausgehalten (wollte sie nicht mehr aushalten) und habe mich getrennt. Es ist nur leider nicht so, dass die Ambivalenz jetzt weg sei. Ich denke noch sehr viel an sie, träume oft davon, irgendwie zu ihr zurückzukehren. Gleichzeitig ist da die wahnsinnige Angst davor, dass wieder die BA reinkickt, wenn ich mich dazu bekennen würde. Manchmal zerfrisst es mich wirklich.

    Hallo Viva,


    bei dem was du so beschreibst, klingt es für mich schon, dass du vermeidende/näheflüchtende Tendenzen zeigst. Ich kenne das Gefühl dieser Beklemmungen sehr gut. Ich konnte sehr lange nicht neben meiner Partnerin schlafen, sobald ich dort lag setzten sie ein und ich machte lange kein Auge zu. Wir haben uns vor etwas über einem Jahr getrennt, ich bin also von den Gefühlen "weg, weg, weg". Ob das richtig war, kann ich nicht sagen. Es ist wie so ein Zwiespalt zwischen sich trennen, zu sich finden, 'in Ruhe' an der eigenen Thematik arbeiten , und die Trigger (also in der Beziehung bleiben) auszuhalten zu lernen. Wann fühlst du denn Ruhe? GIbt es diese Momente mit ihm? Wann genießt du?

    Es tut mir sehr leid Lea, dass du da jetzt gerade durchgehst. Dass du an ihn geraten bist und er dich viel Kraft und Lebensfreude raubt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht finde, dass er eine 180°-Drehung hingelegt hat. Deinen Beschreibungen nach schwelte diese Dynamik schon von Anfang an zwischen euch. Er hat dich und deine Bedürfnisse nicht gesehen bzw. sie waren ihm immer mehr egal (Thema Hund, Übernachten, Sex...). Mittlerweile behandelt er dich respektlos.


    Meine Erfahrung ist auch, dass leider viele Beziehungen solche Tendenzen aufweisen, ob das jetzt mit BA oder was auch immer zusammenhängt, ist ja eigentlich auch egal. Ich kenne solche Tendenzen von mir aus vergangenen Beziehungen auch. Es ist, ohne das weiter zu hinterfragen, genau wie es einige hier beschrieben haben, das parat stehen, dass jemand tun und lassen kann was er/sie will und der andere immer da bleibt, was dieses starke Zurückweisen triggert und irgendetwas abtötet.


    Es ist auch egal, such noch stärker den Kontakt mit dir selbst. Als er dir geschrieben hat, hattest du dir da nicht vielleicht schon sigar einen schönen Abend mit dir selbst eingerichtet? Und dann lässt du für seine Ambivalenzen alles stehen und liegen, opferst quasi deine gesamte Nacht und damit ja auch mehr oder weniger den Sonntag und die Hälfte deines Wochenendes. Ich denke auch, es ist wichtig, dass du etwas anders machst in diesen Momenten. Und dabei die Angst jemanden zu verlieren aushältst.

    Hi Lea,


    beim Lesen eurer Anfangszeit habe ich verganene (kurze) Beziehungen von mir ein wenig wiedererkannt. Ich denke schon, dass dein Partner auf der BA-Seite ist. Er schien (scheint) anfangs ja sehr angepasst zu sein, hat es dir an vielen Stellen auch recht machen wollen. Nach einiger Zeit fehlt einem dann die Energie dazu und man braucht den Rückzug (Fußball etc.). Vieles wird zu viel. Ich schließe mich Synne und anderen an, bleib mehr bei dir, gestalte dir dein Leben auch ohne ihn.

    Einen Wechsel zwischen Lust (miteinander schlafen wollen) und Nähe (tiefe Verbundenheit bzw. Liebe) kenne ich sehr gut. Ist glaube ich sehr typisch für BAler. Lust kann da sein, obwohl (oder vielleicht auch weil) ich einen Fluchtimpuls verspüre. Ich meine in dem Buch "Warum wir uns immer in die falschen verlieben" steht auch irgendwo, dass ein gleichzeitiges Dasein der beiden Gefühle typisch für sichere Bindungstypen ist.

    Hey, das verstehe ich gerade glaube ich nicht. Er meint, das er das alles mit mir will. Das er mit mir zusammen sein will. Sobald wir aber länger zusammen Zeit verbringen, meldet sich die "Flucht" da will er abhauen. Deswegen kann er nicht, weil es ihm dann schlecht geht.

    Aber ihm ist ja bewusst das er es will. Oder hab ich jetzt ein Denkfehler?

    Hmm, ich kann natürlich nur aus meiner Sicht sprechen. Vielleicht kommt dein Partner aus einem sehr anderen Teil des BA-Spektrums.

    Du schreibst oben ja selber, dass du nicht merkst, dass er es will. Also, es gibt natürlich immer wieder diese Momente des Empfindens, wo man zu allem mit der Partnerin ja sagen könnte. Das hält einen ja auch in der Bindung. Aber genau wie du sagt, kommt dann eben auch schnell wieder die Flucht. Ich kann dir nur aus meiner Perspektive sagen, dass man sich in den Momenten der Flucht nicht so fühlt wie "ich würde ja so gerne, aber ich kann nicht", sondern ich möchte einfach nur raus, frage mich, wieso ich überhaupt noch in der Beziehung bin, da draußen liegt doch die große Freiheit. Und mein Punkt ist, dass ich das nicht pathologisieren will. Natürlich ist es Ausdruck einer Bindungsvermeidung, was großen Leidensdruck mit sich bringen "kann", aber es kann auch viel Potenzial an anderen Stellen freilegen.


    Dieser Freiheitsdrang, der ist extrem stark, hat was total Belebendes und bringt Leichtigkeit mit sich. Ich selbst bin sehr ungebunden (aber nicht unzuverlässig), bin schon oft umgezogen, strahle glaube ich auf viele Leute etwas Unbefangenes aus. Und das mag ich auch an mir, aber vieles davon ist Ausdruck meiner Bindungsvermeidung. Und vor allem, man kann so auch für immer leben. Meine Therapeutin hat mir von einem ihrer Supervisoren (also ein sehr erfahrener Psychotherapeut) erzählt, der sich damit arrangiert hat, dass seine Bezeihungen immer nur 2-3 Jahre halten. Meine Therapeutin nannte das, das absolute Ausleben einer Bindungsvermeidung. Natürlich ist es irgendwie eine starke Art der Verdrängung. Aber er hat vermutlich lange Zeit an seinen Themen gearbeitet und für sich beschlossen, dass er keine Kraft zum Kämpfen hat, das Trauma zu tief sitzt, oder was auch immer. Aber, dass das sein Weg der Wahl ist. Und für mich liegt die Lösung vermutlich irgendwo dazwischen.


    Vielleicht ist er sich darüber bewusst, dass er es nicht kann, vielleicht nicht (nur Taten zählen, nicht Worte). Vielleicht will er einfach nicht und traut sich nicht, es so auszusprechen? Versuch also nicht ihn aus irgendwas zu retten, aus dem er vielleicht gar nicht gerettet werden will. Vor allem ist das natürlich nicht deine Aufgabe und würde zu viel Kraft kosten! Achte lieber auf dich und sei gut zu dir!

    möchte er mich sehen und wenn wir uns sehen ist er liebevoll. Am nächsten Tag wieder zack....distanziert... wie er schreibt...als wäre es ein Bekannter.

    Ist das typisch für Bindungsangst???

    Ja, ist es, denke ich.

    Er sagte er will das alles, kann aber nicht.

    Nicht Wollen und nicht Können gehen Hand in Hand. Das nicht Können liegt meines Erachtens (wenn es überhaupt ein nicht Können in diesem Fall ist) so tief verschüttet, dass es sich auf der bewussten Ebene als ganz klares nicht Wollen äußert. Und das fühlt sich dann auch ganz richtig an.

    Ist das etwas was bei Bindungssorgen ggf. nicht ausreichend differenziert wird? Irgendwas muss es ja geben was verbindet. Ist dir denn wichtig dass deine Partnerin die emotional oder körperlich treu ist? Nicnov Oder wäre dir das auch willkommen, weil es Abstand bringt? Und weitere Unabhängigkeit für deine Partnerin?

    Auch die Vorstellung daran bringt manchmal den erwünschten Abstand, ja. Und signalisiert mir, dass sie eine eigenständige Person ist. Dass sie an der Beziehung hängt/mich liebt, engt mich oft ein. Ich glaube körperliche Untreue wäre aber auch etwas, mit dem wir beide umgehen könnten.

    Nicnov

    Danke nochmal für die Einblicke in dein Denken/Wahrnehmen. Irgendwie versuche ich wohl über deine Antworten den Mann zu verstehen, um den es mir geht. Nur gelingt mir das nicht recht.

    Aber ich verstehe den Zusammenhang nicht. Diese Annahme, dass niemand einen unterstützen mag und man sich total liebensunwert fühlt, kann ich so von dem Mann unterschreiben, den ich traf/treffe. Aber wenn man glaubt, dass einen selbst niemand unterstützen mag, wie kommt es dann dazu, dass man auch nicht für den Partner/Gegenüber da sein mag oder kann? Kann man das dann einfach nicht, weil man gar kein Gespür/keinen Zugang dazu hat? Da dieses Erleben nicht verankert ist, kann man es gar nicht abrufen? Weder in sich selbst, noch in anderen? Oder denkt man dann, wenn man selbst schon keine Zuwendung annehmen kann, dass das dann auch niemand anderem gegönnt sein soll? Ich verstehe es einfach nicht. :/

    Es fühlt sich nicht so an, dass ich es meiner Partnerin nicht gönnen würde, da ich es selbst nicht annehmen kann. Für mich ist es so wie Radi es sagt. Dieses Bedürfnis nach Zuneigung und Liebe war nie sehr stark da, denke ich. Sich in die Hände einer anderen Person legen (so fühlt es sich an) kenne ich nicht. Dieses jemand anderem vertrauen, Zuneigung ohne Bedingungen zu erhalten, das tat ich eben fast nie. Es ist in meiner Gefühlswert mit einem 'zur Last fallen', 'sich jemandem zuumuten' verbunden. Und wenn jemand anderes das bei mir tut, dann ist die Person eben schwach und ich laufe Gefahr, von ihr gebraucht zu werden. Da ich mich nicht gut abgrenzen kann, fühle ich mich dann auch schnell für die Person und ihr Wohlsein verantwortlich.


    Dass die eigene Hilflosigkeit nach außen abgespalten wird und dann sieht man auch in anderen öfters mal diese Hilflosigkeit, obwohl die Person sich gar nicht hilflos fühlt. Weil man die HIlflosigkeit aber in sich selbst nicht erträgt, erträgt man sie auch beim Partner nicht?

    Ja ich denke, damit bringst du es gut auf den Punkt.


    Unsere Paartherapeutin fragte mich auch vor kurzem, von wem ich diese Angst davor, dass jemand von mir abhängig werden könnte, jemand sich in meine Hände legt, alleine nicht mehr lebensfähig ist, kenne. Und dann haben wir eben herausgefunden, dass ich es selbst bin. Dann kommen furchtbare Gefühle. Diese Erkenntnis ist so wichtig für mich. Mir das immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, hilft auch bei der Selbst-Regulierung. Trotzdem fühlt sich dieser Wunsch auszubrechen, mit jemand anderem 'glücklich' zu werden, immer noch so 'richtig' an. Aber es gelingt mir immer besser, mir das oben Gesagte ins Bewusstsein zu rufen und zu begreifen, dass die Lösung eben nicht so einfach ist.

    :| :cry: Also nicht auf dich bezogen, aber das ist allgemein so schrecklich. Wahrscheinlich kann ein BA einen anderen Menschen wirklich gar nicht wirklich als Gegenüber wahrnehmen, oder? :cry:

    Ja, auch das stimmt für mich vollkommen. Es geht dabei eigentlich nicht um die Person dahinter. Es geht um körperliche Anziehung und Aufregung.

    Danke für deine Antwort!

    Mich macht das trotzdem traurig. Ist es denn nicht normal, zu einem gewissen Grad Erwartungen erfüllen zu wollen? Ich verstehe nicht, wieso diese Erwartungen (auch wenn sie nicht überzogen sind) so schwer ertragen werden können. :|

    Und gehört es nicht dazu, dem Gegenüber auch mal unter die Arme zu greifen, falls es kurzzeitig Unterstützung braucht?

    Hey Leben,


    ich bin gerade baff wie gut mir, das was du schreibst, spiegelt, wie sehr ich in meinen Annahmen über Bindung (Muster) beim Schreiben meines Beitrags steckte. Ja, natürlich hat du Recht und man möchte zu einem gewissen Grad auch Erwartungen des Partners erfüllen, ihn/sie glücklich sehen. Genauso sollte man sich unterstützen und füreinander da sein. Ich habe im tiefsten Inneren die Annahme, dass das niemand für mich tun möchte, dass ich von niemandem abhängig werden darf, immer für mich selbst sorgen können muss. So oder so ähnlich, das liegt noch ziemlich gut verschüttet. Ich merke es, dass ich manchmal, wenn ich im BA-Modus stecke, und meine Freundin mich in den Arm nimmt, ich total ruhig werde und mir manchmal auch die Tränen kommen.

    Aber es scheint dann so zu sein, dass das Gegenüber (die/der VA) als total hilfloses Wesen wahrgenommen wird, das nicht für sich selbst sorgen kann und deshalb vollkommen auf die/den BA angewiesen sei und dieses Angewiesen-Sein als komplette Überlastung und Gefängnis erlebt wird.

    Aber so ist das doch gar nicht. Ich verstehe nicht, wieso das in vielen Fällen aber wohl doch so rüberzukommen scheint.

    Ja, das stimmt für mich genau so. So habe ich es sehr häufig empfunden und tue es immer noch. Unsere Paartherapeutin sagte, dass ich eben diese große Angst habe, mich jemals wieder so hilflos und abhängig zu fühlen. Deshalb wurden diese Gefühle abgespalten, man baut sich einen Panzer auf und erträgt es auch nicht, sobald eine Partnerin Liebe/Zuneigung äußert (da sie mich ja dann braucht oder so?). Genau, man spricht ihr die komplette Autonomie ab und geht von einem totalen Angewiesen-Sein aus. Ich merke, wie ich oben aus diesen Annahmen heraus geschrieben habe. Ja, ich gebe dir Recht, es sind massive Trigger auf Seiten der/des BA.


    Ich frage mich, was passieren würde, wenn ich ihn in die Schranken weise und z. B. meine Forderung durchziehe, dass er mich respektvoller behandeln sollte und nicht mehr am Telefon einfach auflegen. Tatsächlich wäre der Kontakt dann beendet, weil er sich ja von sich aus nie meldet. Ist es das, was die/der BA will? Das ist eigentlich wieder eine unlösbare Aufgabe für mich. Wenn ich ganz weg bin, will er mich (aber kann es selbst nicht sagen), wenn ich da bin, sind meine Erwartungen zu erdrückend. Eigentlich genau das gleiche wie bei meinem Ex-Partner davor. X/

    Aber ich muss mich darauf konzentrieren, warum ich das immer noch mitmache, statt mich darüber zu ärgern, dass das so ist. ?( Ich dachte, ich käme mit dem Verständnis weiter, aber leider ist es nicht so. Trotzdem vielen Dank für deine Antwort

    ich kann ehrlich gesagt gar nicht sagen, also in Worte fassen, wie man mit dieser Ambivalnz sinnvoll umgehen sollte. Wenn ich mir vorstelle selbst damit umgehen zu müssen, erscheint mir die Bewältigung, wie du auch schon schreibst, unlösbar/unmenschlich. Meine Partnerin legt dann den Fokus immer sehr stark auf sich und ihr Leben und distanziert sich von mir. Was ich will, ist eigentlich ein Spüren von Verlustangst bzw. des Dopamin-Kicks beim Nicht-Haben-Können. Daher glaube ich auch die große Sehnsucht nach Verliebtheit und Aufregung. Ich merke, dann erst in ruhigen und schönene Momenten, dass diese Verbundenheit und schönen Gefühle schon da sind. Sie sind eben nur so verschüttet und es ist ein schamler Grat zu ihnen.

    Aber das könnte ja auch bedeuten die Beziehung zu dir zu beenden, richtig? Oder sprichst du noch von Schranken innerhalb der Beziehung? Das konsequente Abwenden, das du angesprochen hast? Auch in letzter Konsequenz? Ist es das was du dir wünschst?

    Hey Ano,


    ja, wenn der BA-Modus stark reinkickt, kann es auch das Beenden der Beziehung bedeuten. In vergangenen Beziehungen und während der 'Fluchtversuche' letztes Jahr in meiner aktuellen Beziehung war das der Wunsch, dass sie die Beziehung zu mir beendet. Früher (als noch alles unreflektiert war), war es dann auch pure Erlösung, obwohl ich schon irgendwie gespürt habe, dass da nochmal was kommen könnte und ich Gefühle abgespalten habe. Jetzt würden vermutlich sehr schnell Traurigkeit und VA einsetzen. Aber nein, gerade wünsche ich es mir nicht. Und ich bin froh, dass meine Partnerin den Weg, zumindest zur Zeit noch, mit mir geht. Auch dein Beitrag spiegelt mir, wie stark ich oben aus meinem Muster geschrieben habe.

    Vielen lieben Dank für deine Antwort.


    Also meinst du ist es eher die Vorstellung, um Druck raus zu nehmen? Er würde es nicht machen? Er redet nur, handelt aber nicht, um Distanz zu schaffen.


    Was meinst du hierzu? Für mich nicht nachvollziehbar wenn man doch nur flüchten möchte.


    Das kann ich nicht beurteilen. Es gibt bestimmt BAler, die das dann auch durchziehen, aus was für Gründen auch immer.


    Jemanden nicht verletzen wollen, Angst, alleine zu sein, es gibt viele Gründe, warum man sich nicht trennen kann. Möglicherweise haben sich aber auch immer wieder positive Gefühle gemeldet, die ihn zum Bleiben gebracht haben. Auf irgendeiner tieferen Ebene weiß man ja irgendwann auch, dass es an einem selbst liegt und man nicht immer flüchten kann... Bei mir kommt auch immer noch die Vorstellung einer 'guten' Beziehung dazu, also wie es doch sein sollte. Dahingehend handle ich dann, obwohl ich eigentlich anders Beziehung leben möchte.


    Danke, dass du deine eigene Sichtweise aus der BA-Perspektive dazu schilderst! Dieses "dass sich endlich mal jemand konsequent von mir abwendet" macht mich gerade sehr neugierig. Ich hab ja leider auch mein Thema mit einem BA und irgendwie hab ich das Gefühl, dass dieser Satz auf ihn passen könnte. Ihn scheint es meistens total anzufixxen, wenn ich z. B. schroff und distanziert bin (z. B. weil er mich vorher verletzt hatte oder weil ich gerade einfach so bin), das scheint ihn sogar irgendwie sexuell anzuziehen. Und da hatte ich auch schon häufiger den Gedanken, dass es attraktiv für ihn ist, wenn ich mich abwende.

    Kannst du das noch genauer erklären, was sich daran 'attraktiv' anfühlt? Ist es ein Gefühl von Freiheit oder dass man dann keine Verpflichtungen mehr hat und keine Erwartungen mehr erfüllen muss oder was löst das in dir aus? Du schreibst auch dieses "konsequent". Kann es sein, dass sich Menschen mit BA nach einer gewissen Verlässlichkeit und Konsequenzen sehnen? Bei ihm weiß ich z. B., dass seine Eltern wohl sehr lasch waren und ihm kaum Grenzen gesetzt haben. Da kann ich irgendwie nachvollziehen was an 'konsequent sein' interessant sein könnte für ihn, beispielsweise den Sicherheitsaspekt, der in Konsequenz und Vorhersehbarkeit enthalten ist. Spielt das auch eine Rolle?

    Oder ist es wirklich das Gefühl, dass man endlich wieder atmen kann, wenn sich jemand abwendet, weil man es als BA einfach selbst nicht schafft, sich Freiräume für sich selbst zu nehmen? Den Eindruck hab ich bei 'meinem BA' z. B. sehr stark.

    Ja, für mich ist es wirklich zu sehen, dass die andere Person endlich den Fokus von mir nimmt, für sich und ihre Bedürfnisse einsteht und mich mit meinem Verhalten in die Schranken weist. Das erzeugt Anziehung. Ja es hat sicherlich auch was davon, dass man keine Erwartungen mehr erfüllen muss, der andere nimmt die Verantwortung für sich selbst.Ich glaube, dass das Wichtigste im Umgang mit einem BA bzw. generell in einer Beziehung ist.

    Ich weiß nicht, ob es dir was bringt, das nachzuvollziehen. Du solltest da nicht zu viel versuchen zu analysieren. Dahinter stecken tiefe emotionale Verstrickungen und eigene 'Unzulänglichkeiten'. Ich kann es dir aus meiner Perspektive erzählen.

    Es schafft Distanz. Verletzung ist ein Nebeneffekt, aber nicht beabsichtigt. Ich kann diese Formulierungen ganz gut nachempfinden. Besonders der zweite Teil würde ja dazu führen, dass du dich maximal von ihm abgrenzt, er plötzlich spürt, dass du nicht mehr permanent verfügbar bist, alles zu jeder Zeit für ihn tun würdest (ich überspitz das jetzt extra mal). Dass sich endlich mal jemand konsequent von mir abwendet. Der BAler ist ja selber nicht in der Lage sich vernünftig von anderen abzugrenzen. Dann dreht sich die BA möglicherweise in eine VA, nach der man sich in der BA ziemlich sehnen kann, wenn man die VA vorher noch nie bewusst gespürt hat. Auch den ersten Teil (" was wäre wenn ich das so lange mit dir weiterführe bis ich jemand anderen kennenlernen") habe ich schonmal gedacht aber noch nicht ausgesprochen. Für mich ist es eine Pseudo-Erlösungsfantasie (Pseudo, das es ja vermutlich genauso weitergehen würde). Die Vorstellung irgendwann einen warmen Wechsel in eine anderen Beziehung zu vollziehen nimmt Druck raus.

    Ich habe keine Ahnung, wie ich das meinem (Ex)Partner verklickern soll. Im Grunde muss er für sich entscheiden. Und vielleicht auch die Erfahrung machen, dass es immer und immer wieder so wird. Aber er wünscht sich Ankommen...Familie....eine beständige Beziehung. Und läuft doch immer wieder weg. Defacto isses so: wer sich immer alle Türen offen hält, verbringt sein Leben im Flur.

    ja, ich gebe dir vollkommen Recht. Ich sehne mich im tiefsten Inneren auch nach einer beständigen Beziehung. Und trotzdem ist da diese Sehnsucht auszubrechen.

    Wie gehst du mit deiner Freundin mit deinen "freundschaftlichen" Gefühlen um? Weiß sie das? Bist du ihr treu? Habt ihr noch Intimität? Gab es da auch Phasen, wo du weg warst? Kamen deine Gefühle wieder nach Abstand?

    Ja sie weiß, dass meine Gefühle in Bezug auf die Beziehung sehr ambivalent sind. Von Verbundenheit und sowas wie Liebe über freundschaftliche Gefühle bis hin zu kompletter Kühle oder sogar Abneigung. Letzteres zum Glück seltener als früher, denke, da ich reflektierter bin. Früher wurden meine Partnerinnen eher zu Feindinnen und positive Gefühle kamen fast nie. Ich bin ihr bis jetzt immer treu gewesen. Ja Intimität haben wir eigentlich noch relativ regelmäßig. Aber an manchen Tagen ist es unvorstellbar. Ja, sobald ich mich wirklich trennen wollte oder getrennt habe, kam bei mir nach kurzer Zeit (meist wenige Stunden) ein extrem starkes Vermissen und der Gedanke sie wirklich aus meinem Leben zu löschen wird unerträglich. Sicherlich ist es auch mit Ängsten verbunden (Vor Einsamkeit und Verlust). Aber da spüre ich dann eben auch die tiefe Verbundenheit. Ich stopfe aber alle diese Ängste in meine Beziehung zu meiner Partnerin. Ich arbeite noch viel zu wenig an meiner Bindungsangst in Freundschaften. Da bin ich noch viel zu überangepasst und kann nur schwer Nähe aufbauen/ertragen. Dann droht ja wieder Verlust. Ich bleibe also emotional immer auf Abstand und die Beziehung relativ oberflächlich. Und das manchmal ohne, dass Freunde das merken, da ich so angepasst bin.

    Da gibt es ja auch ein riesen Potenzial zur Weiterentwicklung.