wenn ich heute auf viele meiner alten Gedanken zu Bindungsangst, Verlustangst und gescheiterten Beziehungen zurückblicke, sehe ich manches etwas anders als noch vor ein oder zwei Jahren.
Früher wollte ich für alles eine Erklärung finden. War es Bindungsangst? War es die Kindheit? War es der falsche Zeitpunkt? War die Anziehung zu groß? Die Angst zu groß? Hätte ich etwas anders machen müssen?
Heute glaube ich, dass wir uns manchmal um Kopf und Kragen analysieren.
Ja, Bindungsangst gibt es. Ja, Verlustangst gibt es. Ja, Menschen sabotieren Beziehungen.
Aber manchmal möchte ein Mensch einfach nicht.
Und das ist oft die schmerzhafteste Antwort, weil sie so simpel ist.
Ich habe viele Jahre damit verbracht zu verstehen, warum andere Menschen gegangen sind. Warum sie sich zurückgezogen haben. Warum sie nicht geben konnten, was ich gebraucht hätte.
Heute interessiert mich eine andere Frage viel mehr:
Warum bin ich geblieben, obwohl ich längst gesehen habe, dass mein Gegenüber nicht dasselbe wollte wie ich?
Ich hatte immer sehr viel Verständnis für andere Menschen. Für ihre Ängste, ihre Unsicherheiten, ihre Vergangenheit, ihre Überforderung und ihre Themen.
Nur für mich selbst hatte ich oft erstaunlich wenig Verständnis.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich oft versuchte, andere zu verstehen, anstatt mich selbst zu schützen.
Heute frage ich deshalb nicht mehr:
"Wie kann ich ihm helfen?"
Sondern:
"Kann dieser Mensch mir heute das geben, was ich brauche?"
Und wenn die Antwort Nein lautet, dann ist das traurig. Aber es ist nicht kompliziert.
Ich glaube mittlerweile auch, dass wir manchmal nicht an einem Menschen festhalten, sondern an einer Möglichkeit. An einer Geschichte, die nie richtig begonnen oder nie richtig beendet wurde.
Man kann jahrelang darüber nachdenken, was hätte sein können. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es wirklich eine passende Beziehung geworden wäre.
Deshalb suche ich heute weniger nach Erklärungen für andere Menschen und mehr nach Frieden für mich selbst.
Denn am Ende ist es gar nicht so wichtig, ob jemand Bindungsangst hatte, überfordert war oder einfach nicht bereit war.
Wichtig ist nur:
Hat diese Verbindung mir gutgetan? War sie gegenseitig? Und hätte ich mich darin langfristig sicher und geliebt fühlen können?
Wenn ich diese Fragen ehrlich beantworte, bekomme ich meistens meine Antwort.
... aber wenn ich natürlich die Frage des Threads lese verfolgen ich weiterhin gespannt die Antworten ❤️