Liebe Laurentia!
Erstmal tut es mir leid, was du da durchmachst. Ich habe ebenfalls am Patienten gearbeitet und weiß, wie anstrengend das sein kann. Insbesondere, wenn man unter sozialen Ängsten leidet. Bei mir wurde eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, die sich ja ähnlich auswirkt.
Gemobbt wurde ich auch, in meiner frühen Schulzeit und später abgeschwächt im Beruf. Menschen, die tratschen oder andere mobben, wird es wohl leider immer geben. Ich halte mich dann an diejenigen, die einen wertschätzenderen Umgang pflegen und blende die anderen so weit wie möglich aus. Wenn es jedoch Überhand nimmt, sich Ängste oder körperliche Symptome einstellen, würde ich mich nach einer anderen Stelle umsehen.
Was du als HSP bezeichnest, sind bei mir die stets nach außen gerichteten Antennen, die sich vermutlich als Reaktion auf die "Gefahrenlage" zuhause und in der Schule herausgebildet haben. Diese ständige Alarmbereitschaft ist natürlich sehr anstrengend und kräftezehrend. Mal abgesehen davon, dass ich mich selbst kaum gespürt habe. Irgendwann habe ich damit begonnen, einen Schutzwall hochzufahren. Auf diese Weise konnte ich mein chronisches Unbehagen in der Gegenwart anderer Menschen drosseln, kämpf(t)e von nun an aber mit den Folgen meiner Isolation - Vereinsamung und depressiven Episoden.
Ohne zu wissen, dass ich eine ÄvPS habe, habe ich in meinen Zwanzigern beschlossen, noch ein Studium aufzunehmen. Das hat mich nicht nur beruflich vorangebracht, sondern auch meiner Persönlichkeit einen ordentlichen Wachstumsschub verpasst. Mittlerweile gehe ich einer Tätigkeit am PC nach, die meinem introvertierten Naturell mehr entspricht. Zudem sind die Arbeitsbedingungen flexibler und das Team nett und reflektiert, sodass ich mich mit mir und den anderen meistens wohlfühle. Die geringere Stresstoleranz, das fragile Selbstwertgefühl und meine sozialen Rückzugstendenzen sind mir dennoch geblieben, lassen sich unter diesen Umständen aber gut handhaben bzw. eingrenzen.
Als Fazit möchte ich dir mitgeben, dass es gelingen kann, eine passende Stelle für unsereins zu finden. Das ist unter Umständen mit Kosten und Mühen verbunden, die sich in meinem Fall aber voll ausgezahlt haben. Arbeite dich nicht an deinem Umfeld ab, das kannst du (allein) sowieso nicht ändern, sondern schau, was du bzw. deine Psyche braucht und gehe dann deinen eigenen Weg.