Beiträge von allineed

    Ohje - du bist auch schon so weit in deiner Erkenntnis. Glückwunsch und mein Beileid gleichzeitig - ich bin mir nicht mehr sicher was besser ist ;)

    In die Akzeptanz zu kommen entspricht eben leider nicht unserem menschlichen Dasein und unseren Bedürfnissen nach Nähe, Tiefe, Sexualität und Anschluss mit anderen. Man kämpft gegen seine Natur...


    Ich habe mit Somit Experience wegen einer konkreten Symptomatik angefangen; ich hatte starke Panikattacken mit Weinanfällen, aus denen ich immer suizidal wurde. Es ging dann immer relativ lange bis ich mich aus diesen Krämpfen erholte. Ich wollte wissen, wie ich mich langfristig selber besser regulieren kann, ohne das Gefühl zu haben ich würde sterben. Auf meiner Suche danach bin ich auch Somatic Experience gestossen und ich bin ein Jahr in Sitzungen gegangen. Es kam danach bis heute zu keinem Panikanfall mehr. Warum auch immer ist komplex - am besten einfach mal auf YouTube sich ein Bild von Somatic Experience verschaffen. Heute kann ich die ganze Trauer über diesem Thema auch in Trennungszeiten anders halten. Es fühlt sich an als wäre da nun ein gewisser Boden. Klar depressive Verstimmungen und grosse Trauer und Ohnmacht - alles da aber dieses Gefühl sterben zu müssen ist weg.


    Dazu kann ich die Literatur: Der Vagusschlüssel zur Traumaheilung empfehlen von Gopal Norbert Klein.

    Vom Trauma befreien von Peter A. Levine ist auch gut oder natürlich Das Trauma in dir von Bessel van der Kolk.


    Im Grunde weiss die gesamte Trauma Forschung heute, dass die Neuschreibung des Betriebssystems im Körper stattfinden müsste - wir suchen aber alle verständlicherweise im Hirn. Die Arbeit mit dem Nervensystem ist die Zentralste in der Bindungs- und Traumaforschung...


    Du sprichst den aussichtslosen Kampf an, das berührt mich. Ich sehe ihn auch als aussichtslos an. Es ist nur noch die Sexualität/Nähe, die mich ab und an wieder in eine Geschichte verstrickt. Gäbe es dafür eine Lösung wäre mein Urteil klar; auf keinen Fall würde ich mich freiwillig neuen Verbindungen aussetzen.

    Ich kann mir gut vorstellen, wie du leidest.


    Kannst du dir vorstellen, dass ihr beide aus dieser Situation nie raus kommt wenn nicht eine Distanz und Pause von mehrern Monaten stattfindet? Ihr triggert euch offensichtlich ständig gegenseitig. Es ist fast unmöglich nach solchen tiefen Verletzungen klar zu sehen.


    Hast du einen Ort, wo du erstmal für ein paar Wochen hingehen könntest, damit dein Nervensystem etwas zur Ruhe kommen könnte? Du darfst dir erlauben in kleinen Schritten zu planen, nur für dich und alles weitere erstmal aufzuschieben. Mit etwas Distanz hast du die Chance zu Kraft und Klarheit zu kommen denn die wirst du brauchen, egal wie es weiter geht mit euch…

    Ich stimme allem zu was ihr sagt aber dann macht es mich auch traurig weil es menschlich ist. Kein Mensch kann immer dauerhaft über Jahre nur bei sich sein. Bei funktionierenden Beziehungen hat auch eine/r mal eine bessere und schlechtere Phase und es führt denoch nicht zur Trennung. Mit BA fühlt es sich aber an als würde man einen Millimeter Fehler begehen und die Verbindung ist schon wieder zerstört.


    Das frustiert mich so sehr; es bedarf gefühlt keine Sekunde ein falscher Gedanke und die Beziehung ist durch. Alles so schrecklich fragil mit BA und ständig auf Sand gebaut. Kein Mensch kann Monate ohne „Fehler“ oder ohne mal ein bisschen mehr beim Gegenüber zu sein leben.

    Zum Thema, warum man das Gefühl hat, keine Chance mehr zu bekommen: Für mich ist die Kernproblematik die Bindungsangst selbst. Wenn man bedenkt, dass sich meistens das Gegenstück umgekehrt lagert (Vermeider trifft auf Ängstliche), ist es kaum verwunderlich, dass sich kaum eine gesunde Chance ergibt.

    Bei Menschen mit realer Bindungsangst sprechen wir nicht von einer schlechten Laune, die sich morgens zeigt und sich dann wieder legt. Es geht hier um Ängste, die sich auf unterschiedliche Weise immer stärker bemerkbar machen und unser ganzes System beeinflussen.


    Ich möchte euch ein Beispiel aus meiner letzten Geschichte geben:

    Mein Gegenüber hatte mir früh signalisiert, dass er noch nicht wisse, wie viel er schon geben könne (seine Trennung lag erst ein Jahr zurück nach 9 Jahren - so viel Ehrlichkeit also schonmal gut). Er brauchte viel Freiheit und Spontanität und nach Nähe immer wieder Pausen. Der Kontakt entwickelte sich dennoch und kam für einige Wochen sogar stark von ihm aus. (Typische sehr starke gegenseitige Anziehung vorhanden - perfekte BA Dynamik bis hierher)


    Gerade am fast schönsten Punkt reiste er in den Urlaub und liess wochenlang nichts mehr von sich hören. Ich war mir der Dynamik natürlich bewusst, liess ihm immer Freiraum, übte keinen Druck aus und arbeitete stark an mir selbst. Doch nach der langen Funkstille während des Urlaubs wurden meine Ängste so stark getriggert, dass mein innerer Alarm nur noch "Rot" sah. Er kam zurück, meldete sich, und ich kommunizierte meine Unsicherheit aufgrund seiner langen Funkstille (man soll sich ja mitteilen?!). An diesem Punkt sank das Schiff: Er meinte, er sei blockiert, hätte Unsicherheiten... Wir hatten danach noch gute Gespräche über diese Unsicherheiten, und es entstand sogar eine gewisse, noch tiefere Nähe (auch körperlich, unabhängig von sexuellem). Doch das Schiff liess sich nicht mehr auf Kurs bringen.


    Er musste Distanz schaffen, und ich (und er damit auch) wollte wieder eine Balance finden. Zeitgleich ging es ihm merkbar schlechter. Er sprach immer mehr davon, "keinen Kopf mehr zu haben", es sei "emotional schwer", hatte über eine Woche einen Blutdruck von über 170 und kam mit Blutsenkertabletten aus dem Krankenhaus. Wir sprechen hier nicht von einer toxischen Beziehung im herkömmlichen Sinne; alleine die Bindungsangst hat uns aufgefressen.


    Ende vom Lied: Nach drei Wochen, in denen die Initiative nur noch von meiner Seite kam, beendete ich es am Telefon. Warum? Weil ich nicht mehr konnte und weil ich wusste, dass es meinem Gegenüber nicht anders ging. In diesem Fall dachte ich auch an seine Gesundheit – ich wusste, wenn ich weg bin, kann er sich erholen!

    Diese ständige Verlustangst und die damit verbundenen Handlungen über Monate und Wochen sind so unglaublich anstrengend, dass sich Unbetroffene das kaum vorstellen können. Es ist nicht nur ein bisschen hinhören, achtsam sein und dranbleiben. Es raubt mir Energie, nimmt mir den Appetit, den Schlaf, die Lebensfreude, meine Konzentration – einfach alles! Ich sehe das sinkende Schiff schon, und ich ziehe die Reissleine, um dem ein Ende zu setzen, aus Angst vor dem Abgrund.


    Was ich damit sagen möchte: Bindungsvermeider und bindungsängstliche Menschen beenden Beziehungen nicht aus Spass oder mangelnder Bereitschaft zur Liebe. Die Angst vernebelt uns auf unterschiedliche Weise das Hirn: Dem Vermeider flüstert sie plötzliches Desinteresse ein (typisch für diese Phase sind hier dann fremdgehen, extremes Online Dating usw.), und dem ängstlichen Menschen schlägt sie im schlimmsten Fall mit Weinkrämpfen und Panikattacken zu.

    Die Idealisierung habe ich weitgehendst abgelegt, die hat früher aber sehr oft mitgespielt.


    Wenn ich in der vermeidenden Rolle bin dann weiss ich im Kopf, dass es ein guter Partner für mich wäre. Ich wäge also tragischerweise ab wie beim Kauf eines teuren Elektrogerätes. :-/ Ich fühle mich dann je länger ich ihn date leicht blockiert und meist kommen dann Dinge dazu wie; er will mich in der Öffentlichkeit küssen und es ist mir unangenehm. Wenn ich dann vor einem Treffen bin habe ich keine Vorfreude mehr. Ich suche auch den körperlichen Kontakt nicht mehr und will eigentlich am liebsten nur noch Freundschaft. Das geht so den Bach runter und obwohl ich das Muster kenne, kann ich mich nicht mehr überwinden weiter zu machen. Körperkontakt ist bei mir einfach nicht mehr möglich. Ich finde auch absolut keine Verliebtheit mehr, egal wie gerne ich sie in mir finden würde. Bei all dem weiss mein Kopf aber immer noch, dass es gut passen würde. Mein Körper und mein Herz sagen leider nur noch nein. Ich hätte gehofft mir gebe mal jemand eine Chance nach einem Gespräch über meine Blockade es eine Zeit lang ohne körperliche Nähe zu versuchen aber diese Chance gibt mir leider keiner. Alle beenden die Geschichte, sobald ich meine Blockade anspreche. Danach ist es für mich natürlich absolut einfach ihn sofort zu vergessen - zumal er mir ja dann auch keine Zeit gibt. Ich hänge 0 mehr an ihm und habe auch keine "Entzugserscheinungen". Ab und zu denke ich mal wieder an ihn aber ich würde nicht mehr zurück wollen.


    Wenn ich Verlustängstlich bin ist es meist ein "Liebe auf den ersten Blick"-Gefühl. Ich bin sehr schnell hin- und weg. Ab da geht das Leiden meist los; ich hänge in der Warteschleife der hoffentlich baldigen Entwicklung. Meine Gedanken drehen sich um ihn, mein Körper spielt verrückt. Mein ganzes System hängt sich an diesen Mann. Ich versuche Tempo raus zu nehmen, achte sehr auf ausgeglichenes Melden und freue mich über die meist gute Entwicklung für zwei Monate. Ab Monat 3-4 ist dann meist Schluss; mein Gegenüber schleicht sich langsam aus und ich bin für zirka 2-3 Monate auf Entzug, trauere und komme gedanklich fast nicht von diesem Mann los. Früher habe ich viel versucht zu verhandeln und zu kämpfen, heute habe ich resigniert und lasse sie ziehen. BA Verlustangst ist für mich persönlich wie ein Virus den man mir initiiert; er ist plötzlich da, verbreitet sich in meinem gesamten Organismus und ich kriege ihn auch fast nicht mehr weg, auch wenn die Trennung bereits längst vorbei ist. Für mich persönlich ist es eine Art psychische Erkrankung, die ich mein ganzes Leben mitschleppe. Mein Leben ist insgesamt die Hölle auf Erden mit BA - es ist ein nie endender Kreislauf aus Leid.

    Ich verstehe dass Situationen sehr schwierig sind, wenn man wenig Antworten und viel Hoffnung hat. Du hast aber bereits sehr viele Antworten und ein sehr klares Bild. In diesen Fällen muss man einfach die volle Verantwortung für sein eigenes Wohlergehen übernehmen und solltest du dich darauf einlassen muss man dann wohl auch einfach die volle eigene Verantwortung übernehmen.


    Null Potential für die Liebe und wenn du dich dem hingibst sagst du eben einfach auch "Ja" zu 100% vorhersehbarem Null Potential auf Liebe ;-)

    Hallo Krissie


    Deine Geschichte geht ja schon ziemlich lange, wenn ich das richtig verstanden habe. Mir fiel sofort das Thema Alkohol auf. Darf ich fragen wie du zu Alkohol stehst? Ob BA hin- oder her aber mich würde interessieren wie bei dir nicht schon von Beginn an und sofort alle Alarmglocken losgehen, wenn jemand nur alkoholisiert an Treffen kommt. Sorry, wenn ich das so deutlich schreibe aber hast du dich mal gefragt, warum du dir das gegeben hast? Du hattest an diesem Punkt doch noch gar keine Verbindung und kein Gefühl zu ihm - müsste hier nicht jeder weit weg rennen? Soll gar kein Vorwurf sein aber ich denke vielleicht könntest du dir mal Gedanken machen und etwas über dich herausfinden, warum du dir sowas gibst... In eine Dynamik zu rutschen mit einer BA-Person ist dann nochmal was anderes aber von vornherein dunkelrote Flaggen zu ignorieren ist schon ein Ansatz sehr viel weiter vorne, bevor das Thema BA dann aufkommt.


    Liebe Grüsse

    Ich denke auch dass der einzige Weg ist eine BA in sicher gebunden zu ändern das Glück ist, einen sicher gebundenen Partner zu finden. Dies ist wohl die 1-Million Nadel im Heuhaufen. Leider finden sich meistens BA's eher gegenseitig aufgrund ihrer Nervensysteme, die miteinander resonieren. Es fängt wohl oft bereits bei der Auswahl an...