Beiträge von Insomnia

    Ano - ist ja generell so, dass permanenter Konsum negativer Nachrichten jeglicher Form das Nervensystem auf Trab hält. Je nachdem was Dich gerade tief beschäftigt und berührt, versetzt es Dich in eine Art Alarmbereitschaft. Sind diese Nachrichten aktuell wichtig, um private und berufliche Entscheidungen treffen zu können? Oder ist es so, dass Du ohnehin gerade nichts ändern oder beeinflussen kannst? Denn dann könnte eine Art zwanghafter Konsum auch eine Strategie sein, um Dich abzulenken.

    Wie fühlst Du Dich im Bezug auf Deine Trennung - noch in der Verarbeitung oder hinweg? Aber Podcasts und Musik hören ist ja per se nichts schlechtes.

    Vielleicht reguliert sich Dein System aber aktuell auch gerade auf diese Weise. Und das wäre auch OK. Wichtig ist nur, dass Du es bewusst und gezielt nutzt. Und Dir vielleicht zwischendurch kleine Auszeiten einbaust. Folgst Du Deinem Sport noch so regelmäßig wie früher?

    In die gleiche Abteilung gehört wohl der Fakt, dass ich seltener Musik und Podcasts höre. Meistens ist alles mit Ausnahme von Naturgeräuschen zu viel. Früher habe ich die Stille gefüllt mit unzähligen Podcasts und keine Autofahrt ohne Musik. Und nun Stillleben. Das ist erst seit dem Jahr Dating-Detox so geworden

    Ano - Du bringst es auf den Punkt.

    Anstrengend! Ich finde es mittlerweile mit sehr vielen Menschen in meinem Umfeld anstrengend. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich fast wortlos alles um mich herum triggere. So dass mir meist nicht mehr danach ist, mich an gewissen Gesprächen zu beteiligen. Denn nicht selten war es in letzter Zeit so, dass ich mit nur einem Satz die gesamte Dynamik innerhalb einer Gruppe habe umschwingen lassen und mich plötzlich verbal wie mit dem Rücken zur Wand gefühlt habe während alle wie Zombies auf mich zuliefen. Ich habe keine Lust mehr mich zu erklären. Und auch kein Bedürfnis mehr unbedingt verstanden zu werden. Es kostet mich wahnsinnig viel Energie. Deshalb überlege ich mittlerweile sehr gut ob und mit wem ich Zeit verbringe. Abgesehen davon empfinde ich es aber auch häufig so, dass ich mich einfach selbst ganz alleine brauche um nur für mich da sein zu können. Kann dann schon vorkommen, dass ich an meinen kinderfreien WE 4 Tage am Stück alleine bin und das gut für mich ist. Ich verbringe diese Zeit viel in der Natur oder mache Sport. Oder rein garnichts.

    Kann mich dann punktuell aber auch wieder auf Verabredungen freuen. Es ist nur deutlich weniger geworden. Und auch wie bei Synne finde ich heute Erholung im Alleinsein wo ich früher eher Unruhe bis Angst gespürt hätte.

    Wenn ich aus der Balance gerate, spüre ich das mittlerweile sofort. Kommt aber nur noch selten vor.

    Ich könnte mir vorstellen, dass das bei Dir ähnlich ist. Es sich mehr um nötigen Raum für Selbstfürsorge als eine Sozialphobie handelt.

    Bis auf die Sache mit der Familienplanung könnte Dein Text 1:1 von mir stammen Ende letzten Jahres.


    Ich bin mir sicher: Das ist der Weg zu allem, was Du Dir wünschst.

    Das zu lesen freut mich gerade sehr.

    Und motiviert mich, im Vertrauen auf diesem Kurs zu bleiben.

    Ich bewunder es hart, dass du da so klar bist. Auch dass es so klar gelaufen ist.

    Ich weiß um alle Fakten.

    Und ja, man zieht gesündere an.

    In meiner Vita ist es aber nicht so schön klar und sichtbar, wie bei dir.

    Aber sehr cool

    So klar kann ich es auch erst jetzt als Rückblick sehen. Und während ich mich in diesen "Beziehungen" befand, war es auch oft nicht einfach in der Akutsituation klar zu erkennen, was von statten ging. Zwar habe ich ab einem Entwicklungsstadium in Beziehungen gelernt. Und ich glaube sogar, dass es ab einem bestimmten Punkt sogar nur noch in Beziehungen geht. Aber es war immer mit Arbeit verbunden. Mir ist leider nie etwas einfach so zugeflogen. Das Aushalten negativer Gefühle hat mir ermöglicht, immer erst nochmal einen Schritt zurück gehen und beobachten zu können. Und nicht mehr aus einem Impuls oder Angst heraus zu reagieren. Das hat mir ungemein geholfen. So konnte ich nochmal sehr viel über mich lernen. Ein Trigger zB hält rund 2-3 Tage in meinem Körper, bis er wieder abklingt. Die Zeit nehme ich mir meistens, bevor ich weiter entscheide. Und tatsächlich konnte ich innerhalb dieses Zeitfensters auch erspüren, wo genau das Gefühl her kam. Und dieses dann von der beteiligten Person abkoppeln. Und oh Wunder oh Wunder - wenn es nicht mehr so nötig war, unbedingt sofort zu reagieren, klärten sich viele Situationen von selbst auf. Das hat auch zu mehr Vertrauen auf meiner Seite geführt. Und damit auch mehr Ruhe rein gebracht.

    Niemand ist verdammt Single zu bleiben, wenn er es nicht möchte.

    Sobald man selbst bindungsfähiger wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, Menschen anzuziehen, die es ebenfalls sind. Aber es ist nicht alles auf einmal plötzlich da. Es ist ein Prozess. Aus meiner Erfahrung der letzten 4 Jahre kann ich rückblickend feststellen, dass ich am Anfang meiner Reise - als ich selbst noch sehr beschädigt und verwundet war (und mir das aber garnicht in dem Ausmaß bewusst war), den Abgrund menschlicher Bindungsdynamiken kennengelernt habe. Komplett im Minusbereich - ängstlich vermeidend mit in der Regel mehreren psychischen Begleiterkrankungen. Je mehr Zeit verging, in der ich an meinen Themen arbeitete, Muster auflöste und meine Trigger verstand, stieg die "Qualität" der Männer, die ich anzog (das Wort Qualität ist an der Stelle ein bisschen blöd - aber so versteht man es). Und zwar immer noch Stückchen für Stückchen. Sie wurden immer "brauchbarer" im Hinblick auf meine Wünsche und Bedürfnisse. Oder besser gesagt immer passender. Und in der Rückschau hatte ich immer das richtige Bauchgefühl gehabt. Ich hatte immer gespürt, wenn vermeidende Tendenzen im Spiel waren. Aber ich war trotzdem ein Stück weit mit gegangen. Und für die Zeit war das auch richtig. Denn jeder dieser Bekanntschaften hat mich weiter und tiefer an einzelne Themen gebracht, die ich mir dann nochmal genauer anschauen durfte. Ich habe in diesen "Beziehungen" gelernt meine Trigger aus der wilden Landschaft meiner unbändigen Gefühlswelt herauszufiltern. Und ich habe gelernt zu unterscheiden zwischen echten Gefühlen von Zuneigung und "Liebe" und dem Gefühl, welches nur meine Muster bedient hat. Und deshalb war jeder dieser "Schrottbegegnung" am Ende wertvoll. Jeder dieser Typen hat mich mit der Etappen-Aufarbeitung ins nächste Level gebracht. Ich glaube das Hindurchgehen und meistern dieser Situationen hat nicht nur meine Fähigkeiten zum Loslassen deutlich trainiert. Denn das ist immer gesünder und bedürfnisorientierter gegenüber mir selbst geworden. Es hat meine Bindungs- und Beziehungsfähigkeit deutlich reifen lassen. Aber man muss vorsichtig und voll bei der Sache bleiben. Gerade am Anfang, wenn man es noch mit stark destruktiven Menschen zu tun hat, die einen wirklich sehr krank machen können. Aber nach hinten raus, wenn man selbst ein Stück weiter ist, sind sie auf einem Level, dass einem wie ein günstiges Lernfeld für die eigene Bindungsfähigkeit zur Verfügung steht. Es öffnet Chancen.

    Traut euch raus. Seid offen aber auf der Hut. Und habt Vertrauen in euch. Und nicht so eine große Angst vor negativen Gefühlen. Man überlebt sie.

    Ich habe dass Gefühl, dass man gerade als feinfühliger und sensibler Mensch irgendwie "ungeeignet" für das online Dating ist und auch viele generell damit nicht umgehen können

    Ich glaube das ist nicht nur ein Gefühl. Sondern ein Fakt. Onlinedating hat doch sehr stark was von Katalogprinzip. Menschen werden nach oberflächlichen Faktoren ausgewählt. Wie eine Ware. Verständlich, dass sich feinfühlige Menschen nur dabei verletzen können. Warum sich also diesen widrigen Zuständen aussetzen?! Noch dazu bieten solche Plattformen das perfekte Verdeck für sämtliche Ängste und Unfähigkeiten. Man kann Kontakte knüpfen ohne erkannt zu werden. Meiner Meinung nach tummelt sich dort erst Recht alles, was im normalen Leben starke Probleme hat mit dem Kennenlernen und generell Dating. Auch wenn es sicherlich einen kleinen Prozentteil an Menschen mit gesundem Verhalten geben wird. Aber das Potential an ungebetene Menschen zu geraten, ist riesig.

    Das wäre bei mir auch so. Vor allem aber auch weil bei meinem Umfeld einige gleich mit Unverständnis oder irgendwelche pseudo Ratschlägen gekommen waren, da sie von der Thematik keine Ahnung haben.

    So war es vor 4 Jahren als ich damit angefangen habe. Niemand hatte Verständnis. Und ich konnte das verstehen.

    Aber seit letztem Jahr kommen erstaunlichweise nach und nach Freunde und Familienangehörige in ihre Bindungsthematik. Befassen sich damit und suchen zunehmend den Austausch mit mir darüber. Es ist wie ein Erwachen in meinem Resonanzfeld. Bemerkenswert

    Da stimme ich Dir zu Laurentia95


    Erst muss man es im Kopf verstehen, damit man damit weiter arbeiten kann. Und ja - es ist zunächst hilfreich und tröstlich, im Forum auf Gleichgesinnte zu treffen. Denn zumindest in meinem Umfeld war es zu dem Zeitpunkt so, dass niemand etwas mit dieser Thematik anfangen konnte und man eher auf kritische Besorgnis damit stieß. Hier zu sein war in jedem Fall förderlich für den Prozess 👍 Aber ich glaube auch, dass es rückblickend gut war, dass es ein Forum ist, in dem man seine Gedanken und Gefühle niederschreiben muss. Es hilft einem die Sache rund zu machen und einem Gefühl den richtigen Rahmen zu bauen. Ich glaube direkte, persönliche Kommunikation hätte mir dieses bereichernde Ergebnis in der Form nicht gebracht.

    Kurz nach einer Trennung mit einem vermeidenden Partner gibt es im Austausch mit anderen eine große Gefahr. Besonders wenn man ängstlich gebunden ist. Man sucht unterbewusst oft positive Bestätigung. Man hat sich belesen, sich mit Dynamiken und Bindungstypen beschäftigt und man mutiert zum "Analytiker". Es fühlt sich wie eine Entwicklung an. Plötzlich sieht man es und checkt die Lage (des Partners).

    In Wahrheit ist aber auch das eine weitere versteckte Form des Klammern.

    Man möchte die erlebte Verletzung irgendwie im Außen korrigieren, weil man sich nicht gut durch die Gefühle der Wunde tragen kann. Irgendwie möchte man besonders zwei Dinge zur Regulation immer wieder hören. Nämlich dass man selbst nicht der Fehler war. Und... Dass die vermeidende Person eventuell nochmal zurück kehrt.

    Erzählem einen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen davon oder erhält man gar einen Einblick in die Gefühlswelt aus der Brille eines Vermeiders, scheint man Beruhigung zu finden. Das ist sehr trügerisch. Denn wenn es um die Regulation von Ängsten geht, werden diese sogar meist verstärkt, wenn man sich nur Beruhigung im Außen verschaffen kann. Das hält nicht lange vor. Wenn ich mich nur beruhigen kann durch eine andere Person, wird es bei der nächsten Angst noch schlimmer, wenn ich mich alleine halten muss und niemand anderes da ist.

    Das zweite Problem ist, dass man zu diesem Zeitpunkt immernoch permanent damit beschäftigt ist, sich über das Verhalten des (Ex) Partners austauschen zu wollen. Denn in Wahrheit geht es einem (noch) nicht um das Verstehen des eigenen Verhaltens. Um das Sichtbarwerden der eigenen Muster. Und um aus den Informationen zu lernen, wie man am besten an sich arbeiten und echte Selbstfürsorge betreiben kann. Menschen, die zum Klammern neigen, wollen noch sehr lange hauptsächlich mit jemandem das Verhalten des Partners analysieren und in seine kleinsten Teile sezieren. Das ist ein verzweifelter Versuch Kontrolle über die Situation des Verlaasenseins zu bekommen.

    Und eine Strategie, um weiterhin einseitig die Bindung zu dem Subjekt der Begierde halten zu können.


    Es klingt vielleicht noch nicht nachvollziehbar aber für die eigene Heilung ist es gut, wenn man manchmal alleine mit sich und seinen Gefühlen ist. Denn in dieser (erbärmlichen) Stille entsteht erst der Raum, damit die eigenen Gefühle mit dem Aufzug in die höheren Ebenen fahren können.

    Versuche Dich auf Dich einzulassen. Alles was Du findest, ist ein Geschenk. Wenn auch sehr zeitversetzt. Hab Vertrauen in Dich, Deinem Körper und dem Prozess. Vielleicht entsteht hier gerade etwas wirklich wundervolles für Dich.

    Du bist zu mehr im stande als Du befürchtest 😊

    Das, was mir damals in der akuten Phase wirklich geholfen hat war, die Geschichten der alten Hasen im Forum von der Pike auf zu lesen. Wie ein Buch über Monate hinweg.

    Einige Mitglieder schreiben seit über 10 Jahren ihre Beziehungserfahrungen hier nieder und man kann auch sehr gut die Entwicklungen aus ihren Geschichten entnehmen. Auch wenn jede Geschichte sehr individuell ist - die Dynamiken waren bei allen gleich. Ich konnte so um einiges schneller zur Vernunft bzw. Besinnung kommen. Den Fokus auf mich richten, erkennen, welche Anteile ich an der Dynamik hatte und die Reise zur Persönlichkeitsarbeit antreten. Ich ermutige Dich, Dir die Zeit zum Lesen zu nehmen. Es ist wirklich heilsam.

    Ich möchte richtigen, regelmäßigen Sex. Nicht mit unbekannten. Das wären ja ONS und ohne ein gewisses Maß an Vertrauen ist bei mir keine Freiheit im Kopf für Körperlichkeit möglich.

    Wenn Männer nicht mehr so können, dann gibts Hilfsmittel jeglicher Art ;)

    F+ finde ich ich schwierig. Aber man könnte das + weg lassen. Dann ist die Konstellation klarer.

    Also, wenn es dir vorrangig grade darum geht.

    Du meinst ich soll einen vorhandenen Freund fragen, ob er gelegentlich mit mir auf Tuchfühlung gehen wollen können würde?

    Ich muss sagen, dass ich in regelmäßigen Begegnungen dieser Art ein großes Risiko bei sehe, die emotionale Bindung zu unterbinden dauerhaft.

    Wie es bei Dir mit dem sexuellen Bedürfnis?

    Das ist etwas, was mich mittlerweile richtig stört. Dieser jahrelange unfreiwillige Verzicht auf Sex. Habe gar keine Geduld mehr, darauf zu verzichten. Das war mit einer der wichtigen Gründe, warum ich das Ende meiner 25jährigen Beziehung beschlossen habe. Nichtsahnend, dass ich einen jahrelangen Weg ohne Partnerschaft vor mir habe. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, komme ich in die Altetsregionen, in denen Männer auch langsam nicht mehr so können wie sie wollen. In der Vergangenheit waren meine potentiellen Kandidaten bis zu 6 Jahre jünger als ich oder maximal gleichaltrig.

    Das hilft aber irgendwann auch nicht mehr..


    Auf diesen Verzicht habe ich echt keinen Bock mehr. Muss aber auch gleich sagen, dass nicht an F+ ohne Probleme glaube. Und ONS sind für mich ausgeschlossen. Ich stecke also in einem Dilemma.


    Wie stehst Du dazu?

    Das merke ich momentan auch. Social Media und Foren gehen seit einigen Wochen gut.

    Ich möchte mir nichts krampfhaft auferlegen. Aber trotzdem wünsche mir, dass das ganz von allein irgendwann wieder weniger wird.

    Am Ende des Tages füllt man damit auch nur eine gewisse Stille.