Kurz nach einer Trennung mit einem vermeidenden Partner gibt es im Austausch mit anderen eine große Gefahr. Besonders wenn man ängstlich gebunden ist. Man sucht unterbewusst oft positive Bestätigung. Man hat sich belesen, sich mit Dynamiken und Bindungstypen beschäftigt und man mutiert zum "Analytiker". Es fühlt sich wie eine Entwicklung an. Plötzlich sieht man es und checkt die Lage (des Partners).
In Wahrheit ist aber auch das eine weitere versteckte Form des Klammern.
Man möchte die erlebte Verletzung irgendwie im Außen korrigieren, weil man sich nicht gut durch die Gefühle der Wunde tragen kann. Irgendwie möchte man besonders zwei Dinge zur Regulation immer wieder hören. Nämlich dass man selbst nicht der Fehler war. Und... Dass die vermeidende Person eventuell nochmal zurück kehrt.
Erzählem einen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen davon oder erhält man gar einen Einblick in die Gefühlswelt aus der Brille eines Vermeiders, scheint man Beruhigung zu finden. Das ist sehr trügerisch. Denn wenn es um die Regulation von Ängsten geht, werden diese sogar meist verstärkt, wenn man sich nur Beruhigung im Außen verschaffen kann. Das hält nicht lange vor. Wenn ich mich nur beruhigen kann durch eine andere Person, wird es bei der nächsten Angst noch schlimmer, wenn ich mich alleine halten muss und niemand anderes da ist.
Das zweite Problem ist, dass man zu diesem Zeitpunkt immernoch permanent damit beschäftigt ist, sich über das Verhalten des (Ex) Partners austauschen zu wollen. Denn in Wahrheit geht es einem (noch) nicht um das Verstehen des eigenen Verhaltens. Um das Sichtbarwerden der eigenen Muster. Und um aus den Informationen zu lernen, wie man am besten an sich arbeiten und echte Selbstfürsorge betreiben kann. Menschen, die zum Klammern neigen, wollen noch sehr lange hauptsächlich mit jemandem das Verhalten des Partners analysieren und in seine kleinsten Teile sezieren. Das ist ein verzweifelter Versuch Kontrolle über die Situation des Verlaasenseins zu bekommen.
Und eine Strategie, um weiterhin einseitig die Bindung zu dem Subjekt der Begierde halten zu können.
Es klingt vielleicht noch nicht nachvollziehbar aber für die eigene Heilung ist es gut, wenn man manchmal alleine mit sich und seinen Gefühlen ist. Denn in dieser (erbärmlichen) Stille entsteht erst der Raum, damit die eigenen Gefühle mit dem Aufzug in die höheren Ebenen fahren können.
Versuche Dich auf Dich einzulassen. Alles was Du findest, ist ein Geschenk. Wenn auch sehr zeitversetzt. Hab Vertrauen in Dich, Deinem Körper und dem Prozess. Vielleicht entsteht hier gerade etwas wirklich wundervolles für Dich.
Du bist zu mehr im stande als Du befürchtest 😊