Abschrecken oder Mut machen 2

  • Das hat meinen inneren Druck und meine Verzweiflung über die Ausweglosigkeit meiner Lage (denn so habe ich es empfunden) ständig größer gemacht.

    Vor 2 Jahren habe ich mich dann entschieden, nochmals eine Therapie zu beginnen. Ich hatte eine gute Therapeutin und war vielleicht inzwischen „reif“ genug, ernsthaft an mir zu arbeiten. Nach und nach trat eine Veränderung bei mir ein.Ich wurde ruhiger, habe die Situation gelassener ertragen können und festgestellt , dass da trotz allem noch der Wille und sogar ein bisschen Kraft war, um noch einmal einen Versuch zu starten, die Beziehung zu verändern - oder bei Scheitern endlich die Konsequenzen zu ziehen.

    Ich habe nicht mehr alles sofort hingeschmissen. Ganz ganz hart an meiner Geduld gearbeitet (einer meiner Charakterzüge ist definitiv Ungeduld).

    Das hatte auch Auswirkungen auf ihn. Wir sind uns wieder näher gekommen. Er konnte besser mit mir über seine Gefühle reden. Das war immer noch eine Ausnahme, aber es hat mein Vertrauen gestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein.

    Anfang letzen Jahres hat er mich dann gefragt, wie ich dazu stehe wenn er nochmals in eine Klinik geht. Alleine diese Frage hat den Fortschritt gezeigt, den wir gemacht hatten. Er hatte bisher alles ohne Rücksprache alleine entschieden. Natürlich habe ich zugestimmt, ich war glücklich über seinen Wunsch, an sich zu arbeiten und etwas zu verändern. In diesem Moment hat mir nicht einmal mehr der Gedanke Angst gemacht, dass er ja vielleicht auch hätte erkennen können, dass er einfach nicht die Kraft hat zu lernen, wieder Nähe zuzulassen.


    Was soll ich sagen, die Zeit seiner Abwesenheit war für mich die Hölle. Aus 4 wurden erst 6, dann 8 Wochen. In der ersten Zeit durfte er nicht kommunizieren- und zum ersten Mal hat er sich an die Vorgaben der Therapie gehalten. Das war natürlich positiv, aber über 4 Wochen nicht mit ihm sprechen oder wenigstens schreiben zu können war schlimm für mich. Die Angst kroch wieder in mir hoch, aber mit der Hilfe meiner Therapeutin konnte ich sie aushalten. Nach 5 Wochen wurden die Auflagen gelockert, er durfte wieder schreiben und wir haben sogar ein paar Mal telefoniert. Es waren gute Gespräche. Emotional, ehrlich und mit einer Gewissheit, dass wir zusammen gehören. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass er im „wir“ denken konnte, nicht nur im „ich“. Plötzlich habe ich mich nicht mehr völlig einsam gefühlt.

    Nach dem Klinikaufenthalt hat sich dieses Erleben fortgesetzt. Ich will nicht so tun, als wäre alles anders und „eitel Sonnenschein“ gewesen. Es gab immer wieder die Tendenz zum Rückzug, Verhalten, dass ich nicht verstanden habe oder einfach nur „blöd“ fand. Aber es gab endlich auch Auseinandersetzungen. Das kling vielleicht komisch, aber es war ein Riesenschritt für ihn, sich mit mir zu „streiten“. Er hatte genug Vertrauen, das zu tun. Und das hat letztendlich dazu geführt, dass wir miteinander kommunizieren und Kompromisse finden können - ohne Angst, ohne Druck.

    Im Sommer habe ich dann seine Familie kennengelernt. Es war ein merkwürdiges Gefühl, nach 13 Jahren beim 80. Geburtstag seiner Mutter dabei zu sein. „Dazu“ zu gehören.

    Die „offs“ sind verschwunden. Sowohl er als auch ich setzen die Therapie fort. Mit immer größer werdenden Abständen zwischen den Sitzungen. Das gibt Sicherheit, wenn dann doch mal wieder die Zweifel kommen

    Inzwischen fühle ich mich aufgehoben und angekommen. Und er sich offensichtlich auch. Denn gestern hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte.

    Ich glaube, wir haben das Schlimmste überstanden. Das ist keine lebenslange Garantie für eine Beziehung, aber die BA hat unsere Beziehung nicht mehr im Griff. Wir können selbst entscheiden, was wir füreinander sein möchten.


    Kompliment an alle, die diesen Text geschafft haben ;). Ich würde jetzt gerne als Fazit schreiben: seht mal, es geht ja doch! Aber meine Geschichte ist ein Einzelfall, genau wie jede andere. Und es gab eine besondere Konstellation. Wir hatten beide schon Kinder und das Thema „Familienplanung“ war abgeschlossen. Inzwischen gehen fast alle Kinder eigene Wege und sind alt genug, unsere Geschichte - wenn auch nicht zu verstehen-so doch zu respektieren.Wir sind beide schon älter ( ich war 43, er 44 als wir uns kennengelernt haben) und sind uns sehr klar bewusst, dass das Leben nicht ewig dauert. Ich weiß nicht, was gewesen wäre wenn ich mir noch Kinder oder eine Familie gewünscht hätte. Was passiert wäre wenn wir z.B. in einem Anflug von Euphorie zusammen gezogen wären. Vor allem aber war er von Anfang an in der Lage, zu sehen, dass irgendetwas nicht „stimmig“ ist. Auch wenn es zuerst hauptsächlich wegen der Depressionen war hat er doch sehr schnell erkannt, dass er Hilfe braucht , und diese - wenn auch zögerlich- nach und nach zugelassen.


    Wir sind jetzt im 14. Jahr und das ist eine verdammt lange Zeit ,um meistens unglücklich zu sein. Es war ein langer langer steiniger Weg .

    Mich hat dieser Weg auf jeden Fall

    lverändert. Die Therapie war ein „Segen“ für mich. Ich habe vieles aufgearbeitet und mich mit mir auseinandergesetzt. Das hat mich zu einem gelasseneren, positiveren Menschen gemacht, der sich selbst annehmen kann. Und auch er ist in der Lage, sich seinen Ängsten zu stellen, mit Unterstützung, die er gelernt hat zu schätzen.

    Das klingt vielleicht nach Happy End - für uns ist es das letztendlich wohl auch. Aber vermutlich werden wir ein Leben lang weiter an uns arbeiten müssen. Und ich glaube, wenn ich vorher gewusst hätte ,wie lange dieser schrecklich schmerzhafte Prozess dauern würde hätte ich alles daran gesetzt, rechtzeitig auszusteigen.

    Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden!

  • Hi,


    und trotzdem herzlich willkommen. Liest sich sehr interessant :thumbup:


    Schau mal, ob du das 2. Posting hier in deinen 1. Thread posten kannst. Du hast 2 Themen geöffnet. :mrgreen:


    Gruß

    zweifli

  • Ich würde dich auch bitten die beiden Postings zusammen zu lassen, dir aber noch mehr dafür danken dass du geschrieben hast. Denn wie du ja selbst siehst sind die Erfolgsgeschichten rar. Eine andere in diesem Forum hatte allerdings auch nach 13 Jahren ihren Knackpunkt erreicht. Ist mir so eben mal beim lesen aufgeploppt.


    Ich bin auch sehr ungeduldig und weiß, dass ich daran arbeiten muss. Es ist aber auch schon besser geworden. Allerdings halte ich die Kontaktabbrüche wirklich nicht aus. Ich bin da ratlos. Ich bin mehrfach traumatisiert an diesem Punkt, schon aus der Kindheit. Und ich ertrage den Kontaktabbruch eigentlich nur wenn ich ein Veto einlegen kann oder so viel Sicherheit habe, dass damit nicht die gesamte Beziehung in Frage steht. Ich will das eigentlich auch nicht aushalten müssen. Ich möchte dass mein Partner erreichbar ist und ich möchte gerne jeden Tag Kontakt mit ihm haben und wenn es nur ne Nachricht ist.


    Hast du da einen Tipp für mich wie ich an meiner Ungeduld arbeiten kann?

  • Hallo zweifli,

    danke für das Willkommen und den Hinweis. Ich habe das jetzt hinbekommen mit dem Platzieren im 1. Thread, aber wie lösche ich jetzt den anderen? Ich bin echt nicht sehr versiert in sowas :(.

    Liebe Grüße

    Petra

  • Hallo Anonymos,

    danke für deine lieben Worte.

    Ich würde dir sehr sehr gerne einen Rat geben. Aber ich fürchte, es gibt keinen.

    Wenn ich an die Zeit des „Wartens auf ein Zeichen von ihm“ zurück denke überfällt mich immer noch das „Grauen“. Es ist eigentlich das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe ( und ich bin ja nicht mehr taufrisch;)). Diese absolute Machtlosigkeit, dieses Warten müssen und nicht agieren können ist grausam. Ich kann dir gar nicht mehr sagen, wie ich das ausgehalten habe ( habe ich ja eigentlich auch nicht, ich habe die ersten Jahre dann immer Schluss gemacht).

    Später war es dann einen Hauch leichter, weil wir - wie schon geschrieben- in eine Art Routine verfallen waren. Aber um nichts in der Welt möchte ich sowas nochmal erleben.

    Ein bisschen geholfen hat mir die Therapie, als ich irgendwann wirklich BEGRIFFEN hatte, dass ich eine Wahl habe - also ich selbst entscheide, wie lange ich das mitmache. Und parallel dazu hat sich etwas bei ihm verändert, was definitiv Hoffnung gemacht hat.

    Ich wünsche dir sehr, dass du vielleicht ein bisschen mehr Gelassenheit entwickeln kannst, ich glaube, das ist die einzige Chance, die wir haben. Aber ich kenne deine Geschichte noch nicht so gut, obwohl ich einige postings von dir gelesen habe.Deshalb sollte ich mich erstmal besser informieren.

    Liebe Grüße

    Petra

  • Ich bin auch schon über 40 und gerade in keiner Beziehung, weil ich es genauso gemacht habe wie du. Nach eineinhalb Tagen ohne Piep von ihm (wir waren noch in der Kennenlernphase, haben und in der psychosom. Klinik kennengelernt) hatte ich ihn dann am Telefon, er meinte dann nach einem kurzen Gespräch wir reden nach dem Frühstück weiter und dann nichts mehr, auch nicht als ich an seiner Tür geklingelt habe. Und ich mache dann auch Schluß, weil das den immensen Druck der dann in mir entsteht wieder absenkt, auch wenn mir die Entscheidung Kummer macht, weil ich mich irgendwie dazu getrieben/gezwungen fühle. Ging dir das ähnlich? Es ist meine Entscheidung, im Kopf ist mir das klar, aber eigentlich ist es eine Panikreaktion. Bewusster wäre sicherlich mal drei Tage nachdenken und dann könnte man noch immer alles beenden, aber was da in den Tagen mit mir passiert, die Ängste, der Energieverlust und auch drohende Depressionen sind einfach zu beängstigend.


    Ich will das nicht mehr erleben müssen, aber es ist mir nun tatsächlich schon zum dritten Mal passiert. Nur nicht mit dem gleichen Mann. Ich beende das dann immer. Nach einer Zeit bin ich dann auch immun und oft mit den Kerlen lose befreundet. Die wollen dann oft noch mal ne Runde drehen, aber wenn das Fenster mal zu ist ist es zu. Das kann schon mal ein halbes Jahr dauern, aber dann sind meine Gefühle weg und kommen in der Regel auch nicht wieder.


    Ich muss sagen es ging die Tage echt einigermaßen, aber gestern und heute ist es mir schwer. Ich habe auch so ein beschissenes Engegefühl im Brustkorb, das es schwer macht. Keine Panikattacke, aber wie so ein Vorläufer. Ich hatte gestern auch nen Hörsturz. Zeigt alles wie sehr ich innerlich unter Stress stehe, auch wenn das äußerlich kaum einer meiner Freunde erkennt und begreift, so sehr funktioniere ich noch immer.

  • Hallo zweifli,

    danke für das Willkommen und den Hinweis. Ich habe das jetzt hinbekommen mit dem Platzieren im 1. Thread, aber wie lösche ich jetzt den anderen? Ich bin echt nicht sehr versiert in sowas :(.

    Liebe Grüße

    Petra

    ich hab dein thread mal einem moderator gemeldet, mit der bitte, beide threads zu einem zu machen :mrgreen: muss der admin ja nur den text aus thread 1 in dein post hier oben einfügen. :)

  • Das tut mir wirklich sehr leid, ich kann gut nachempfinden, wie du dich fühlst. Unser Körper zeigt uns irgendwann immer, was wir unserer Seele antun.

    Es ist wirklich fast unheimlich, dass du bereits drei Mal an einen solchen Mann geraten bist. Ich meine, es ist ja bekannt, dass Frauen wie wir dazu neigen, sich immer wieder ähnliche Partner auszusuchen( das hat nun mal mit unseren eigenen Problemen zu tun). Aber bei dir finde ich das schon krass. Mein Exmann hat auch eindeutig narzisstische Züge, die letztendlich auch der Trennungsgrund waren. Aber in so abgeschwächter Form, dass wir immerhin 10 Jahre lang eine fast „normale“ Beziehung geführt haben.

    Bist du denn schon einmal länger mit jemandem zusammen gewesen?

    Wie war das denn bei dir, wenn du die Beziehung hingeschmissen hast? Kam von seiner Seite schnell wieder ein Annäherungsversuch? Und konntest du dann „nein“ sagen? Oder hat es dazu mehrerer Rückzugsphasen bedurft?

    Dass du das nicht mehr erleben willst kann ich mehr als gut verstehen. Aber irgendwie kann ja die Konsequenz nicht sein, dass wir deshalb alleine bleiben. Ich meine klar, das wäre auch eine Option - aber dann würde uns wahrscheinlich die Sehnsucht nach einem Menschen an unserer Seite krank machen.
    Du steckst ja leider mittendrin in diesem Schmerz und da hilft es nicht wirklich, sich klar zu machen, dass man erwachsen ist und die Wahl hat. Dennoch denke ich, dass das ein erster Schritt sein muss - und bei mir war es auch so - wirklich zu VERINNERLICHEN, dass man nicht bleiben muss, sondern jederzeit gehen und trotzdem überleben kann.

    Als ich das endlich wirklich kapiert hatte wurde ich etwas gelassener. Ich habe es dann tatsächlich geschafft, diesen schrecklichen Druck ein paar Tage auszuhalten. Und in dieser Zeit hat er sich dann wieder gemeldet......

    Das hat mir übrigens auch in anderen Bereichen Stärke gegeben, z.B. bei der Arbeit. Ich halte es inzwischen immer so, dass ich „erst mal eine Nacht darüber schlafe“ bevor ich eine wichtigere Entscheidung treffe. Und dass ich das kann macht mich stolz!

    Vielleicht gelingt es dir ja auch nach und nach, das würde ich dir sehr wünschen!

    Noch eine Bitte: falls du nochmal antworten möchtest würdest du das in dem anderen Thread tun? Ich möchte ja gerne aus Zweien einen machen und habe bereits den 2. Text mit in den ersten Thread kopiert.

    Liebe Grüße :flower:

  • Ach so, nee das ist bei mir alles doch etwas anders. Ein paar Tage (wie viele sind denn ein paar bei dir?) habe ich früher schon geschafft (das erste Mal als ich den Effekt noch nicht kannte eine ganze Woche, aber da habe ich auch meine erste Panikattacke bekommen), aber in der Zeit ist nie was passiert und nun bin ich aufgrund der Erlebnisse nicht mehr bereit und hab nicht mehr die Kraft und Zuversicht die Angst auszuhalten. Ich bin aufgrund von Stress mit meinem Exmann und meiner Lebenssituation allgemein auch krank geworden und manche stressbedingte Krankheiten werden nicht mehr heilen. Daher habe ich inzwischen auch da noch die Sorge mit dem was ich mir zumute, also lieber beenden ehe ich noch mehr krank werde.


    Mit meinem Exmann war ich auch länger zusammen, der ist zwar wie ich heute weiß auch BAler/VEler, aber nicht so extrem, deswegen war Familiengründung, Ehe und gemeinsame Wohnung möglich. Außer mit ihm gab es mit niemandem eine Wiederaufnahme der Beziehung. Wenn sich die Männer wieder gemeldet haben, dann oft nach so langer Zeit, dass ich das gar nicht mehr in Erwägung gezogen habe. Bei einigen wo es nur ne kurze Unterbrechung gab, ohne echtes Off, da gab es vielleicht sowas wie ne zweite Welle, aber spätestens die war dann so unausgewogen, dass es nie nen dritten Versuch gab. Also mehrere Rückzugsphasen in der gleichen Konstellation gab es eigentlich gar nicht. Mein Muster ist da wohl anders.


    Mir ist schon lange klar dass ich das Muster mitbringe und man muss auch nicht lange suchen woher das kommt. Aber die Veränderungen gehen sehr langsam und ads ganze Wissen um all das reicht nicht. Ich habe es hier im Forum schon mal erzählt: Als ich echt mal die Nase voll hatte und um jeden merkwürdigen Kerl nen Bogen gemacht habe, ging in meinem Liebesleben nix mehr. Und das so lange bis ich irgendwann gedacht habe das ist auch keine Lösung, scheinbar muss ich da durch??? Ich muss irgendwie ins fühlen kommen, aber das machen mir manchmal sogar Therapeuten schwer.