Verletzendes Verhalten des B.ängstlichen-bewusst/unbewusst ?

  • Nachdem ich mich nun intensiv mit dem Thema BA beschäftigt habe, blieb bei mir eine Frage offen, welche ich mir nicht wirklich beantworten kann. Möglicherweise kann mir da jemand helfen...
    Sind dem Bindungsängstlichen die Verletzungen, Demütigungen und Sticheleien gegenüber seinem Partner bewusst oder geschieht das aus einem Reflex seiner Abwehrstrategie heraus?

  • Hallo,


    ich würde mal sagen....Beides,...


    Sie entstehen aus dem Unterbewusst sein raus. Aber oftmals ist ihnen wohl bewusst,...was sie da gerade tun.


    Gruß

    Was Dich ausmacht, ....ist wie Du aufstehst, wenn Du gefallen bist.


    the best view comes after the hardest climb,...



  • Danke für diese Hinweis! Habe irgendwie den Teil in Stefanie Stahls Buch überlesen, dass diese Art von "Angreifen" dem Selbstschutz dient, welcher eher reflexartig, aus dem Bauch heraus erfolgt und weder durchdacht und unreflektiert ist....
    Liebe Grüße

  • Zitat von Tibenham

    Danke für diese Hinweis! Habe irgendwie den Teil in Stefanie Stahls Buch überlesen, dass diese Art von "Angreifen" dem Selbstschutz dient, welcher eher reflexartig, aus dem Bauch heraus erfolgt und weder durchdacht und unreflektiert ist....
    Liebe Grüße



    Praktisch nach dem Motto..."erst denken, dann reden"...nur umgekehrt...

  • Bei mir ist ba bis jetzt immer am anfang der kennenlernphase aufgetreten, also wenn noch gar keine beziehung zustande gekommen ist. Aber da passiert es mir auch schon hin und wieder, daß ich mich ganz automatisch komisch verhalte. Das ist dann so, wie wenn wer anderes handelt, und ich nur der ausführende körper bin. Wie wenn wer anderes das steuert. Meist merke ich dann kurz danach, daß ich nen mist gemacht habe. Es ist bei mir dann kein verletzendes oder stichelndes verhalten. Sondern ein so dämliches verhalten, daß der andere denkt: „mary ist ja ne verkorkste person, da laß ich mal lieber die finger davon“.


    Lg
    mary

  • Zitat von mary12345

    Bei mir ist ba bis jetzt immer am anfang der kennenlernphase aufgetreten, also wenn noch gar keine beziehung zustande gekommen ist. Aber da passiert es mir auch schon hin und wieder, daß ich mich ganz automatisch komisch verhalte. Das ist dann so, wie wenn wer anderes handelt, und ich nur der ausführende körper bin. Wie wenn wer anderes das steuert. Meist merke ich dann kurz danach, daß ich nen mist gemacht habe. Es ist bei mir dann kein verletzendes oder stichelndes verhalten. Sondern ein so dämliches verhalten, daß der andere denkt: „mary ist ja ne verkorkste person, da laß ich mal lieber die finger davon“.


    Lg
    mary


    Hallo Mary,
    ich musste erst durch meinen jetzigen Partner (mit BA) feststellen, dass ich eigentlich auch darunter leide. Ich kann bestätigen, dass bei mir auch unbewusst Gefühle entstanden sind, die mich gelähmt haben zu handeln. Aber ich habe es nie als verletzend empfunden, wenn ich bei früheren Partnern mal wieder ein Treffen abgesagt habe, mich verleugnen ließ oder Ähnliches. Jedoch kann ich mich nicht erinnern, dass ich mit Worten jemanden gedemütigt oder verletzt habe, um micht selbst zu schützen. Möglicherweise liegt es an der Persönlichkeit oder wie weit man sich als Bindungsängstlicher in die Ecke treiben lässt, um dann so gereizt zu reagieren. Deshalb auch meine Frage nach bewusst oder unbewusst!
    Nun, wo wir Beide bindungsgestört sind, war es für mich eine absolut neue Erfahrung. Ich brauchte ganze 10 Monate um zu begreifen, was mit ihm los ist, um dann festzustellen "das ist dein eigenes Verhalten in früheren Beziehungen"! Wie jeder Partner eines B.ängstlichen bin ich derzeit am Ende meiner Kräfte, nur kann ich gut reflektieren und kann/muss akzeptieren, dass ich ihm nicht helfen kann, wenn er es nicht selbst begreift.
    Da er jeglichen klärenden Gesprächen aus dem Weg geht, wollte ich ihm gern ein paar Zeilen aus meinen Erfahrungen und meinen Eindruck auf seine Demütigungen schreiben. Ob ich es abschicke, weiß ich nicht...aber für meinen Seelenfrieden muss ich es loswerden...

  • Zitat

    Jedoch kann ich mich nicht erinnern, dass ich mit Worten jemanden gedemütigt oder verletzt habe, um micht selbst zu schützen.


    Das mache ich auch nicht. Allerdings, wenn mich was stört, dann sage ich das schon. Oder wenn es mal zum streit kommt, dann kann ich auch aggressiv werden. Aber das hat dann eher nichts mit ba zu tun, sondern sind ganz normale streitigkeiten in einer beziehung.

    Zitat

    kann/muss akzeptieren, dass ich ihm nicht helfen kann, wenn er es nicht selbst begreift.


    Genau das ist es. Ich habe erst mal auch ne zeit gebraucht, um zu merken, was mit mir nicht stimmt. Und jetzt arbeite ich dran, meine muster zu verbessern.

    Zitat

    Da er jeglichen klärenden Gesprächen aus dem Weg geht,


    mein ex – auch bä - mochte auch keine persönlichen gespräche oder gar diskussionen über konflikte. Vielleicht wären wir heut noch zusammen, wenn wir über alles mal reden können hätten. Aber anscheinend sind die bä, die freiwillig reden, in der unterzahl.

    Zitat

    Ob ich es abschicke, weiß ich nicht...aber für meinen Seelenfrieden muss ich es loswerden...


    hast du was zu verlieren, wenn du es abschickst?

  • mir ist/war schon bewusst, wenn ich aggressive impulse habe/hatte. das ist gerade in meiner letzten beziehung immer mal wieder der fall gewesen, weil er mehr nähe wollte als ich konnte - und ich ihn irgendwie auf abstand bringen musste. fühlt sich gar nicht gut an. ist aber was, was ich in den momenten auch nicht steuern konnte.. also ja, ich würde auch sagen: beides.

  • Liebe Tibenham,


    Deine Frage hat mich auch sehr beschäftigt, da auch mein BÄ (ich benutze das Wort nicht gerne, weil es etwas von "in eine Schublade stecken" hat) sehr, sehr verletzende Worte gewählt hat. Bis dahin war mir überhaupt nicht klar, dass er überhaupt so sein kann. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Wäre es eine gute Freundin/guter Freund gewesen, hätte ich ordentlich contra gegeben und mich auf einen Streit eingelassen. So aber konnte ich nur noch fiepen, kein Witz, meine Stimme war so gut wie weg, ich war völlig fassungslos.
    Mittlerweile glaube ich jedoch zu wissen, was seine Abwehrreaktion ausgelöst hat und dass ich nicht gang unschuldig war. Als ich noch jünger war, habe ich auch andere Menschen mit Worten verletzt und Freunde verloren. Auch Partner habe ich damit vergrault. Heute ist das nicht mehr der Fall,aber es war ein (unbewusster) Reifungsprozess. Damals war mir zwar meistens irgendwann klar, dass ich etwas gesagt habe, was nicht "so nett" war, aber über das Ausmaß meiner verletzenden Worte war ich mir nicht einmal ansatzweise im Klaren. Unglaublich eigentlich.


    Ich glaube aber nicht, dass es etwas bringt, den Zeigefinger zu heben und den Partner quasi "anzuklagen". Ihn auf die verletzende Wirkung hinweisen schon (in der Hoffnung, dass es ankommt), aber alles andere bringt, so vermute ich, nichts.

  • Zitat

    Da er jeglichen klärenden Gesprächen aus dem Weg geht, wollte ich ihm gern ein paar Zeilen aus meinen Erfahrungen und meinen Eindruck auf seine Demütigungen schreiben. Ob ich es abschicke, weiß ich nicht...aber für meinen Seelenfrieden muss ich es loswerden...


    Gerade wenn man verletzt wird, finde ich es durchaus gut und wichtig, das den anderen wissen zu lassen, was das mit einem macht...
    wenn ein BÄ sich aber gerade auf der Flucht befindet, dann wird ihn das evtl. kalt lassen. naja, nicht alle sind gleich.
    ist auch egal, es tut einem ja selber gut, es rauszulassen... also im Zweifel an sich selbst denken und das tun, was einem gut tut.

  • Zitat von Tibenham

    Nachdem ich mich nun intensiv mit dem Thema BA beschäftigt habe, blieb bei mir eine Frage offen, welche ich mir nicht wirklich beantworten kann. Möglicherweise kann mir da jemand helfen...
    Sind dem Bindungsängstlichen die Verletzungen, Demütigungen und Sticheleien gegenüber seinem Partner bewusst oder geschieht das aus einem Reflex seiner Abwehrstrategie heraus?


    Vermutlich ging es in der Ausgangsfrage nicht nur um bewusst oder unbewusst, sondern, ob er das quasi mitfühlen kann, also empathiefähig ist.


    Dazu habe ich neulich etwas sehr passendes gelesen: Ein Mensch, der sich selbst nicht fühlen kann (und das können viele BÄs nicht), hat auch kein Mitgefühl für sich selbst. Und dann kann er dieses natürlich auch nicht für andere aufbringen...

    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.

  • Zitat

    Ein Mensch, der sich selbst nicht fühlen kann (und das können viele BÄs nicht), hat auch kein Mitgefühl für sich selbst. Und dann kann er dieses natürlich auch nicht für andere aufbringen...


    Ich würde das doch etwas differenzierter sehen.


    Nachdem ich ja selbst schon aktive BA Phasen hatte, weiß ich, dass ich in dieser Phase tatsächlich NULL Mitgefühl für den anderen hatte... ich war beschäftigt damit "um mein Leben zu rennen" weil ich mich so bedrängt gefühlt habe.


    Ich bin (im normalen Leben) aber ein sehr mitfühlender Mensch. EXTREM mitfühlend sogar - es geht so weit, dass ich richtig körperlich mit anderen mitleide und es mir dann auch schlecht geht, obwohl es mich eigentlich nicht betrifft... das wiederum ist die mangelnde Abgrenzungsfähigkeit, ist wohl auch BÄ typisch... ich habe sehr große Schwierigkeiten dieses Abgrenzen zu lernen! Falls da jemand einen Tipp hat, immer her damit.


    Bei einem -mir sehr nahe stehenden- BÄ_Mann beobachte ich Ähnliches. Er heult z.B. wenn im TV etwas Trauriges läuft, bei Filmen über wildfremde Menschen oder Tiere laufen seine Tränen, aber für Leute in seiner Umgebung/Familie/Partnerinnen hat er meist keinerlei Mitgefühl. Die gehen ihm alle auf die Nerven, er ist nur damit beschäftigt sich von ihnen fernzuhalten und davon zu laufen...wie es den anderen dabei geht, interessiert ihn NULL...

  • Zitat

    Ich bin (im normalen Leben) aber ein sehr mitfühlender Mensch. EXTREM mitfühlend sogar - es geht so weit, dass ich richtig körperlich mit anderen mitleide und es mir dann auch schlecht geht, obwohl es mich eigentlich nicht betrifft... das wiederum ist die mangelnde Abgrenzungsfähigkeit, ist wohl auch BÄ typisch... ich habe sehr große Schwierigkeiten dieses Abgrenzen zu lernen! Falls da jemand einen Tipp hat, immer her damit.


    Nein, ich glaube, das ist was anderes. Was du als Mitgefühl beschreibst, ist eben, wie du auch selbst schreibst, mangelnde Abgrenzungsfähigkeit. Dass einen die Emotionen der anderen quasi völlig ungefiltert treffen und man sie nicht mehr von den eigenen unterscheiden kann. Bitte jetzt nicht wieder angegriffen fühlen, so meine ich das nicht. Ich kenn das durchaus auch. Und mit meinem BÄ hatte ich dahingehend einen richtigen "Rückfall" erlitten. Ich habe quasi die völlige Entgrenzung gespürt. Sich in einem Raum mit vielen Personen aufzuhalten und alle ihre Emotionen/Erwartungen zu spüren- die man ja nicht erfüllen kann (aber man versucht es ja trotzdem), das war die Hölle!


    Um das in richtiges Mitgefühl (nicht Mitleiden!) umzuwandeln, braucht es mehr. Dieses "Mitgefühl", was du da beschreibst, ist sicher eine wichtige Voraussetzung (und die sollte man daher auch wirklich wertschätzen, und deshalb könnten ja viele BÄs, wenn sie den nächsten Schritt schaffen würde, wirklich sehr viel geben und die Welt ein ganzes Stück besser machen, glaub ich :), ABER es braucht im nächsten Schritt dazu noch Abgrenzungsfähigkeit, also bei sich selbst bleiben und die eigenen Emotionen von denen der anderen zu trennen.


    Es ist eine Art sehr feinfühlige Balance, vielleicht auch eine Balance zwischen Gefühl und Verstand. Ich kann dir keinen wirklichen Tipp geben, es ist halt ein längerer Weg (mit Rückschlägen, wie ich ja selbst erlebt habe). Aber das erst mal zu verstehen, ist ein erster Schritt.


    Bei mir gings so, dass ich erstmal auch ganz stark auf der anderen Seite gelandet bin, also in sehr großer Abgrenzungsfähigkeit, so dass quasi das Leid anderer gar nicht mehr richtig an mich ran kam. Glaube, das ist auch ein normaler Schritt, das Pendel schwingt erst extrem in beide Richtungen, bevor es sich in der Mitte einpendeln kann.


    Wie gesagt, ich will dich damit weder angreifen noch verletzen. Ich hoffe, du verstehst ein wenig, was ich damit meine...

    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.

  • Mitgefühl und empathie können bä durchaus fühlen, ich kann das schon. Nur wenn es mir selbst sehr schlecht geht, dann nehme ich von meiner umwelt nicht mehr viel wahr, dann leide ich viel zu sehr und bin beschäftigt, mein eigenes leid in den griff zu kriegen. Aber ich vermute, da ist doch jeder so. wenn man sich selbst kaum auf den beinen halten kann, hat man wohl nicht noch die kraft, sich um andere zu kümmern.


    Dieses „nicht-abgrenzen-können“ kenne ich bei mir nur, wenn wer schlechte laune hat. Da lasse ich mich „gern“ mal „anstecken“. Ansonsten macht es für mich schon nen unterschied, ob es einer mir nahestehenden person schlecht geht, das betrifft mich dann schon auch. Während es mich „relativ kalt läßt“, wenn in afrika kinder verhungern, oder bei nem massenunfall auf der autobahn mehrere menschen schwer verletzt werden. Nicht, daß ich so was nicht schlimm finde, klar tun mir die menschen leid, aber das geht vom kopf aus bei mir, im herzen fühle ich da nicht viel. Klar spende ich auch mal was, um das leid dieser menschen zu lindern, die können ja auch ncihts dafür. Aber es geht mir nicht besonders nahe.


    Ich glaube, es wäre schlimm, wenn man mit jedem menschen, dem es schlecht geht, richtig mitfühlen müßte. Da käme man aus dem schmerz ja nicht mehr raus.

  • Zitat

    Nur wenn es mir selbst sehr schlecht geht, dann nehme ich von meiner umwelt nicht mehr viel wahr, dann leide ich viel zu sehr und bin beschäftigt, mein eigenes leid in den griff zu kriegen


    Ja, ich denke, das ist normal. Und solche Phasen hat wohl jeder Mensch, z.B. nach Trennungen, Tod eines Angehörigen etc.


    In dem Falle ist man halt darauf angewiesen, dass einen andere erst mal "geben" ohne selbst was zu wollen. Wenn es sich da um zeitlich begrenzte Perioden handelt, ist das auch völlig okay, und es gleicht sich dann normalweise auch irgendwie wieder aus (wenn es dann der anderen Person mal schlecht geht, bin ich dann eben für sie da).


    Nur, wenn halt Sachen aus der Vergangenheit (Kindheit) auf Dauer unbearbeitet sind, dann zieht das runter und BÄlern geht es ja häufig schlecht (Depressionen (psycho)somatische Beschwerden etc.) und dann sind sie halt auch oft dauerhaft nicht mehr in der Lage zu geben und kreisen dann oft nur um sich selbst, die eigenen Gedanken, Gefühle, Verletzungen- was halt auch irgendwo logisch ist. Aber sie können dann das Gegenüber aufgrund dieser vielen unbearbeiteten eigenen Verletzungen nicht mehr sehen- und das bringt halt dauerhaft ein Ungleichgewicht und macht deshalb Beziehungen so schwierig bin unmöglich.

    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.

  • Zitat

    Bei mir gings so, dass ich erstmal auch ganz stark auf der anderen Seite gelandet bin, also in sehr großer Abgrenzungsfähigkeit, so dass quasi das Leid anderer gar nicht mehr richtig an mich ran kam. Glaube, das ist auch ein normaler Schritt, das Pendel schwingt erst extrem in beide Richtungen, bevor es sich in der Mitte einpendeln kann.


    Wie gesagt, ich will dich damit weder angreifen noch verletzen. Ich hoffe, du verstehst ein wenig, was ich damit meine...


    danke sukramine - und nein, ich fühle mich dadurch gar nicht verletzt... :wink:
    Ich hoffe, dass ich das mit der Abgrenzung in meiner nächsten Therapie angehen kann ... ich habe für Januar einen Termin für ein Vorgespräch! endlich... :-D


    Es ist bei mir so, dass ich früher (als ich jünger war) viel HÄRTER war und mehr abgegrenzt als heute... ich befürchte fast dass meine 2 Therapien auch dazu beigetragen haben, dass ich viel mehr an mich ranlasse, mehr spüre, mehr wahrnehme. Ich weiß es aber nicht, was genau der Grund ist. Das Pendel schwingt bei mir seit Jahren nur in eine Richtung (ist mein Eindruck) - ich werde immer dünnhäutiger... das tut mir nicht gut.

    Zitat


    Aber sie können dann das Gegenüber aufgrund dieser vielen unbearbeiteten eigenen Verletzungen nicht mehr sehen- und das bringt halt dauerhaft ein Ungleichgewicht und macht deshalb Beziehungen so schwierig bin unmöglich.


    tja genau so ist es bei mir & das trotz diverser Therapien... naja mal sehen, was die nächste bringt....

  • Zitat

    In dem Falle ist man halt darauf angewiesen, dass einen andere erst mal "geben" ohne selbst was zu wollen. Wenn es sich da um zeitlich begrenzte Perioden handelt, ist das auch völlig okay, und es gleicht sich dann normalweise auch irgendwie wieder aus (wenn es dann der anderen Person mal schlecht geht, bin ich dann eben für sie da).


    Nur, wenn halt Sachen aus der Vergangenheit (Kindheit) auf Dauer unbearbeitet sind, dann zieht das runter und BÄlern geht es ja häufig schlecht (Depressionen (psycho)somatische Beschwerden etc.)


    Na ja, wenn die psychosomatischen beschwerden nicht grad allzuschlimm sind, dann kann ich trotzdem noch anderen helfen. Ganz im gegenteil, dann bin ich abgelenkt, und ich spüre evtl meine beschwerden für ne zeitlang nicht. Das reißt mich eher aus dem grübelkreislauf, aus dem kreisen um meine probleme und beschwerden raus.

    Zitat

    ein Ungleichgewicht und macht deshalb Beziehungen so schwierig bin unmöglich.


    Ich versuche immer, so ein ungleichgewicht nach besten können auszugleichen. In den letzten monaten, wo es mir körperlich ziemlich schlecht ging, konnte ich anderen dann zwar nicht helfen, habe aber trotzdem versucht, ihnen was gutes zu tun. z. b. ne kleinigkeit schenken, z. b. keine 0815- sondern teurere exklusive pralinen. Um zu zeigen: „was du für mich machst, wie du mir hilfst, ist was besonderes für mich“. Oder ich lobe mal mit worten „es ist gut, daß es dich gibt, was würde ich ohne dich machen“. Und ich merke mir die leute, die mir helfen, ohne ne gegenleistung zu fordern. Ich hoffe, daß ich ihnen das irgendwann mal komplett zurückgeben kann.


    Ich versuche, grundsätzlich alles doppelt zurückzugeben, was ich von anderen bekommen, was gutes doppelt so gut, was schlechtes doppelt so schlecht. Durch meine schlechten erfahrungen mit meinen eltern und auch sonst im leben, weiß ich es besonders zu schätzen, wenn ich gut behandelt werde.


    Es ist nämlich absolut nicht selbstverständlich, daß einem nachbarn oder sogenannte freunde helfen, wenn es einem schlecht geht. Die meisten erfahrungen in dieser zeit waren sehr positiv. Aber meine „beste freundin“ hat es nicht mal geschafft, sich ins auto zu setzen, um mal 30 km zu fahren und mir zu helfen. Tolle freundin. Mittlerweile ist sie in meiner rangliste ganz ans ende gerutscht. Ich werde die freundschaft zwar nicht abbrechen, aber wenn sie mal hilfe braucht, habe ich grundsätzlich auch keine zeit.


    Mit abgrenzung hatte ich noch nie ein problem, obwohl mir meine eltern auch nie begebracht haben, grenzen zu setzen. Ich habe das schon als kleinkind ganz instinktiv gemacht. Wenn ich mich durch die behandlung meiner eltern unwohl gefühlt habe, habe ich alle meine kraft, deren ein kleines kind fähig ist, zur abwehr aufgebracht. Meine mutter hat gesagt, ich habe schon mit 3 jahren alles mögliche verweigert, was ich nicht wollte. Als jugendliche war ich meiner mutter schon haushoch überlegen. Abgrenzen kann ich mich auch heute sehr gut, wahrscheinlich viel zu gut. Da kommt dann nicht mehr viel durch.


    Ich versuche, zu unterscheiden, wo abgrenzung sinnvoll ist, oder wo es besser ist, darauf zu verzichten.

  • Zitat

    Es ist bei mir so, dass ich früher (als ich jünger war) viel HÄRTER war und mehr abgegrenzt als heute... ich befürchte fast dass meine 2 Therapien auch dazu beigetragen haben, dass ich viel mehr an mich ranlasse, mehr spüre, mehr wahrnehme. Ich weiß es aber nicht, was genau der Grund ist. Das Pendel schwingt bei mir seit Jahren nur in eine Richtung (ist mein Eindruck) - ich werde immer dünnhäutiger... das tut mir nicht gut.


    Hm, naja, dann scheinen die Therapien doch auf jeden Fall was bewirkt zu haben, oder? Dass das sich nicht immer nur gut anfühlt, das ist klar. Und naja, das sehen wir hier immer auch im Forum, dass es denen, die gar nix an sich ranlassen (scheinbar) besser geht. Ich weiß nicht so genau, wie so eine Therapie funktioniert, denke aber, es geht dabei auch viel um Selbstwahrnehmung. Und dass damit auch die aufgebauten Schutzmauern fast zwangsläufig dünner werden, ist ja klar. Aber, so vermute ich zumindest, auch eine Voraussetzung für Heilung.
    Vielleicht waren deine Erwartungen an die Therapie einfach auch sehr hoch (kann natürlich auch sein, dass der Therapeut nicht passend war, das eine schließt das andere ja nicht aus)?
    Ich glaube, du bist da schon weiter gekommen als du selbst glaubst/siehst.


    Ich meine, ich kenne dich ja nicht, weiß nicht, wie du vorher warst. Aber erscheinst mir zum einen sehr reflektiert, zum anderen...naja, du bist manchmal schnell verletzt, aber du kriegst dich auch wieder schnell ein. Ich finde, das ist ein ganz schöner Schritt. Jemand, der richtig fette unbehandelte BÄ hätte, an dem würde entweder alles völlig abprallen- oder er würde sich schnell völlig beleidigt aus dem Forum zurückziehen. Beides machst du nicht.
    Also, von daher, sei nicht so streng zu dir und gratulier dir selbst auch mal zu deinen Erfolgen, denn das war bestimmt ne Menge Arbeit.


    Und naja, jetzt heißt es halt den nächsten Schritt gehen, das ganze in eine Balance bringen. Aber wirklich, ich bin mir ziemlich sicher: Das schaffst du (auch wenn es noch eine Menge Zeit und Arbeit braucht)!


    :flower:

    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.

  • Zitat

    Also, von daher, sei nicht so streng zu dir und gratulier dir selbst auch mal zu deinen Erfolgen, denn das war bestimmt ne Menge Arbeit.


    Danke dir... freu ich mich drüber.... :oops:
    ich selbst seh mich von außen auch nicht, nur ein Freund von mir hat das mal neulich gesagt, dass ich so viel "weicher" geworden bin die letzten 10 Jahre... und ich merk das auch, dass ich eben so viel an mich ranlasse, was ich früher leichter wegstecken konnte.


    ich war damals aber so ZU mit meinen Problemen, dass ich vieles um mich herum gar nicht wahrgenommen habe.
    Ich habe jetzt auch noch Probleme, aber meine Augen sind offener für vieles um mich herum. Und da nehme ich eben auch oft den Schmerz von anderen auf.


    Wobei ich bei der Frage wäre, ob es evtl. 2 verschiedene Arten von Abgrenzung gibt.


    1) Die Abgrenzung, wenn jemand anders etwas vón mir will, was ich nicht möchte & ich NEIN sagen muss. Wie im Beispiel von Mary:

    Zitat

    Meine mutter hat gesagt, ich habe schon mit 3 jahren alles mögliche verweigert, was ich nicht wollte.


    beneidenswert! so war ich nie. ich war immer brav und angepasst & habe damit auch bis heute große Schwierigkeiten, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen möchte. Dadurch trampeln viele auf mir herum und ich brauche dann oft EWIG bis ich endlich realisiere "oh das ist sehr unangenehm und es ist nicht meine Schuld!"


    2) Die Abgrenzung, wo das Leid anderer Menschen/Tiere in mich eindringt, wo ich (un?freiwillig) mitleide und das irgendwie garnicht stoppen kann. Da ist also niemand, der bewusst auf mir rumtrampelt, sondern etwas, was ich sehe/höre/lese was mich total mitnimmt und mich fremde Gefühle quasi überschwemmen.... das ist also kein "aktiver" Übergriff sondern etwas, was ich quasi selber aufnehme... schrecklich. Gerade wenn es um Kinder oder Tiere geht, die misshandelt werden, solche Nachrichten können mich stunden- und tagelang aus der Bahn werfen... und ich frage mich oft, wie andere damit klarkommen. Dass die das so wegstecken. Beneidenswert... aber früher war ich auch so! da ging das besser.... :?

  • Zitat

    beneidenswert! so war ich nie. ich war immer brav und angepasst & habe damit auch bis heute große Schwierigkeiten, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen möchte. Dadurch trampeln viele auf mir herum und ich brauche dann oft EWIG bis ich endlich realisiere "oh das ist sehr unangenehm und es ist nicht meine Schuld!"


    Ich denke, daß unser verhalten, also quasi unser charakter, sehr viel von unserer erfahrung, erziehung, dem „abschauen“ vom verhalten anderer, der kultur, in der wir aufwachsen usw. bestimmt ist. Wir werden dadurch geprägt. Ein kleinerer teil aber vererbt ist. Es also schon in den genen vorbestimmt ist, ob ein mensch sich eher wehrt oder unterordnet, eher musikaltisch oder eben nicht ist, usw. Der vater und die mutter meines vaters waren beide ziemliche dickschädel, die sich ncihts gefallen lassen haben. Vielleicht liegt so ein verhalten mir schon im blut.


    Und gewisse „teilerfolge“ hatte ich ja auch als kind schon. Mir wurde halt dann nichts angezogen, was ich nicht wollte. Und manchmal stoße ich absichtlich / bewußt leute vor den kopf, nicht nur, um mich zu verteidigen, sondern weil ich sie loswerden will. Oder deutlich zeigen, daß ich ihr verhalten sch..... finde.


    Podenca, wir sollten da was ausgleichen. Ich sollte mich manchmal etwas weniger (heftig) wehren, weil es nicht immer nötig ist. Und du solltest lernen, besser grenzen zu setzen.

    Zitat

    2) Die Abgrenzung, wo das Leid anderer Menschen/Tiere in mich eindringt, wo ich (un?freiwillig) mitleide und das irgendwie garnicht stoppen kann. Da ist also niemand, der bewusst auf mir rumtrampelt, sondern etwas, was ich sehe/höre/lese was mich total mitnimmt und mich fremde Gefühle quasi überschwemmen.... das ist also kein "aktiver" Übergriff sondern etwas, was ich quasi selber aufnehme... schrecklich


    Kenne ich auch von mir. Vielleicht werden da kindheitsgefühle in uns getriggert, weil wir ja auch mal in der unterlegenen / schlechten position waren, wo wir mitleid gebraucht hätten. Und dann mein wunsch, dem unterlegenen, schwachen lebewesen zu helfen / beizustehen. Weil mir eben meine mutter nicht geholfen hat, sondern mich noch gequält.

    Zitat

    und ich frage mich oft, wie andere damit klarkommen. Dass die das so wegstecken. Beneidenswert


    Vielleicht ist das auch übungssache. Ein arzt oder krankenschwester darf ja auch nicht alles an sich ranlassen. Sonst wären sie ja so „geschwächt“, daß sie keinem patienten mehr helfen könnten.