Beziehung ohne Schmetterlinge?

  • Ich finde das sehr nachvollziehbar. Mit Liebe auf den ersten Blick oder von mir aus beim ersten Treffen, konnte ich nie viel anfangen. Mit Menschen, mit denen ich eine Beziehung hatte, war ich immer vorher befreundet. Ich konnte mich dann auch danach noch verlieben. Also der Weg mit der Vernunftehe, wie es der Artikel beschreibt, kommt mir extremer vor, als ich es geplant handhaben würde, aber ich stimme vielem zu.

  • Ich eben auch :)


    Ich frage mich nur, wie man denn den feinen Unterschied macht zwischen Freundschaft und echten Gefühlen, wenn die "Verliebtheitsphase" ja quasi komplett ausfällt? Das stelle ich mir sehr schwer vor zu unterscheiden und dann auch dabei zu bleiben, wenn man immer meint, mein sei nicht wirklich verliebt. Weißt wie ich meine?

  • Ich frage mich dabei, ob es wirklich wichtig ist, verliebt zu sein. Also, ich meine, es geht doch aus meiner Sicht eher darum, dass man gemeinsame Werte, Ziele hat, die es vorstellbar machen, dass man sein Leben teilt. Ich finde das schon schwer genug zu finden - und dann muss der andere ja auch noch ungebunden und nicht total bindungsgestört sein.
    Fände ich schon einen Glückstreffer.

    Wer braucht da noch Verliebtheit?


    Ich glaube soweiso, dass ein Großteil der Verliebtheit vermutlich durch Verlustängste hervorgerufen wird..

    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.

  • Hihi Sukramine, da kommt bei Dir jetzt die Stahl durch. :) Ich glaube nicht, dass Verliebtheit nur Verlustangst oder wie sie es irgendwie ausdrückte, Prüfungsangst ist. Klar, ganz bei Trost ist man nicht, wenn man verliebt ist, aber es ist trotzdem schön.


    SugarLea, also die echten Gefühle, ich würde ja sagen, Freundschaft, zuneigung usw. ist auch alles ein echtes Gefühl. Bei mir war es wie gesagt so, dass ich mich dann trotzdem verliebt gefühlt habe. Weil es ja schon was Besonderes ist, dass man sich füreinander so interessiert, dass man viel übereinander lernen möchte. Und dann lernst Du nochmal viel mehr dazu, als Du wusstest, als Du "nur" befreundet warst... Aber wie auch schon gesagt, ich weiß nicht, ob ich's so trocken durchziehen würde/könnte ,wie in dem Artikel...

  • Ich hatte ja auch schon Beziehungen bei denen so weit wirklich alles gepasst hätte. Also es keine wirklichen negativen Dinge gab und das dann auch längere Zeit gut funktioniert hat. Einmal über zwei Jahre. Man war ein Team, hat sich gegenseitig unterstützt und gelebt wie ein Paar. Allerdings hab ich mich wirklich die ganzen zwei Jahre über gefragt, ob das nun "alles" war, ob ich überhaupt irgendwas fühle. Immer das gewisse "Etwas" am Suchen.


    Zur Zeit denke ich da viel drüber nach, ob es nicht tatsächlich so ist wie Sukra auch schreibt, nämlich das es eher Verlustängste sind, die diese große Verliebtheit auslösen, diesen Hormoncocktail und alles was man so unter "Verliebtheit" (nicht zu verwechseln mit Liebe!) suggeriert kriegt. Und das man sollte man auf einen Menschen treffen, der die eigenen Muster nicht bedient einfach gar nicht so überschwappt an Gefühlen, alles einfach ruhig ist, ohne Dramen, ohne das ständige Vermissen und permanente Sehnsucht nach Nähe und das man dann deswegen weil es sich nicht so "gewohnt" anfühlt ( hatte man doch immer Typen, die wunde Punkte getriggert haben) immer der Meinung ist, dass es nicht für mehr reichen würde...


    Meine Freundin meinte letztens, das viele auf der Suche nach dem Kick sind am Anfang und sich dann wieder trennen wenn das Gefühl nachlässt. Und das tut es bei allen Paaren nach einigen Monaten. An dem Punkt, wo aus Verliebtheit echte Liebe und Zuneigung wird, trennen sich viele, weil sie die Schmetterlinge vermissen. In der Theorie könnte man ja dann diese Phase auch gleich überspringen, wenn sie eh vergänglich ist und sich mit einem Menschen zusammentun, bei dem der Verstand zwar nicht aussetzt am Anfang aber ansonsten alles passt?

    Auch ist es scheinbar so, dass man wenn man nicht mehr in der Jugend ist, auch nüchterner an die Sache ran geht und andere Dinge wichtiger werden, als das kribbeln im Bauch....


    Ich hatte ja für mich immer die Meinung, dass mich der erste Kuss umhauen muss, sonst taugt es mir nichts.

    Vielleicht hab ich echt zu hohe Erwartungen und laufe deswegen auch immer an die toxischen Kerle ran, weil es nur da diese Gefühle gibt, die einem immer unter Liebe verkauft werden :/

  • Naja, ich denke, dass sich ja Liebe erst mit der Zeit entwickelt...

    Und wenn du das gewisse "etwas" am Suchen warst, dann war es wohl eine allgemeine Unzufriedenheit mit deinem Leben, was der Partner dann ausgleichen sollte? Also durch den Partner sollten quasi emotionale Hochgefühle entstehen und das quasi am laufenden Band?
    Das geht natürlich nicht, weil die Verliebtheit immer nachlässt- außer in toxischen Beziehungen, da ist man quasi durch die Unsicherheit und die Auf und Abs und On und Offs ständig auf Adrenalin.
    Nur, tut das auf Dauer einem, und auch dem Körper absolut nicht gut...und macht halt auch nicht glücklich.

    Und ich denke, je zufriedener man mit sich selbst ist und je mehr man in sich ruht, desto besser wird auch die Beziehung.

    Welchen Hintergrund hat denn deine Frage? Denkst du darüber nach mit dem neuen-alten Bekannten eine Beziehung zu beginnen? Oder sind das einfach nur allgemeine Gedanken?

    "Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten". - D.L.

  • Mit dem "neuen- alten Bekannten" hatte ich eben schon mal eine Beziehung. Lange her aber genau aus den Gründen hab ich mich wieder getrennt. Und ich frag mich halt warum genau, denn charakterlich ist der Mann so dermaßen top gewesen. Ich kann genau gar nichts schlechtes über ihn sagen und das ganz ohne rosarote Brille und wenn ich ihn gebraucht habe, dann war er auch da. Bin bei ihm aus und ein gegangen wie ich wollte, war die, die ich nun mal bin ohne mich verstellen zu müssen, er hat mir sein Auto geliehen als meines kaputt gewesen ist, hat mich als ich nen Unfall hatte direkt an der Straße aufgesammelt ( und ist dafür extra von der Arbeit weg), hat mir bei meiner Weisheitszahn- OP damals die Hand gehalten, ist mir pappige Burger holen gegangen weil ich nix anderes runtergebracht habe am Tag danach und Scheiße, das ist ein Mann, der kann mit mir heulen wenn ihm danach ist! Immer und überall ist der authentisch und echt!


    Ich denke halt drüber nach, warum bei mir die wirklich guten Männer nie eine echte Chancen haben, obwohl wirklich alles passen würde, nur eben kein Bauchkribbeln und Verliebtheitsgefühl vorhanden ist. Ich frag mich unter anderem, ob ich schlichtweg gar nicht weiß, wie sich das überhaupt anfühlen muss, oder ob ich alles nur an diesem chemischen Cocktail festmache, den man in der Regel ja erwartet wenn man sich verliebt. Fällt das weg, fällt auch der Mann direkt durch bei mir...


    Mit dem gewissen "Etwas" meine ich halt genau das, das man dieses Hochgefühl erlebt am Anfang, dass der Puls hochgeht wenn man sich küsst, das man die Finger nicht vom anderen lassen kann Anfangs, sich immer nahe sein möchte etc. Meine Freundin ist frisch verliebt, die quatschen den lieben langen Tag von nix anderem als "xy sagt", "xy meint", "hat mit xy dies und jenes erlebt"....dieses bisschen von Sinnen sein halt, das Schmachten für den anderen....

  • Von einem mir unbekannten Verfasser:


    "Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass charakterliche Übereinstimmung und starke, "kribblige" Anziehung sich gegenseitig eher ausschließen. Diese ganz akuten nervösen Verliebtheitsgefühle beruhen zu einem großen Teil auf dem Reiz des Fremden und einer gewissen Unsicherheit. Bei sehr sehr großer Vertrautheit und wenig "Reibung" i.S.v. Fremdheit/Gegensätzlichkeit stellt sich das ganz große Gefühlsfeuerwerk meiner Erfahrung nach eher nicht ein. Die Bezeichnung "Bruder-Schwester-Verhältnis" für sehr vertraute, aber wenig leidenschaftliche Paarbeziehungen verdeutlicht diesen Zusammenhang ganz gut: Geschwister verlieben sich - im Regelfall, sag ich mal - nicht ineinander, und das scheint auch mit der extremen Nähe zu tun zu haben.



    Deshalb glaube ich, dass man sich ein Stück weit entscheiden muss, was einem wichtiger ist: Vertrautheit, charakterliche Übereinstimmung, ähnliche Interessen, Geborgenheit - oder starke gefühlsmäßige/sexuelle Anziehung bzw. Verliebtheit. Ich habe es bisher nur so erlebt, dass man bei einem von beiden Abstriche machen muss."


    Das macht schon alles nachdenklich =O

    Mein Mann und ich haben genau gar nichts gemeinsam, noch nicht mal gemeinsame Interessen an irgendwas und bei dem bin ich förmlich explodiert in meiner Gefühlswelt damals...

  • Ich habe da auch viel und lange drüber nachgedacht nach meiner Trennung und später der Scheidung. Ich habe mich gefragt ob ich eine vernünftige Entscheidung treffen muss, wenn ich noch mal Kinder und Familie haben will und jemanden wählen sollte mit dem das möglich ist, auch wenn die Anziehung nicht da ist. Ich bin mehrfach ein paar Schritte in die Richtung gegangen und habe festgestellt, dass ich es nicht kann und mein Weg dann ein anderer werden muss. Ich habe seitdem eigentlich nur zwei Beziehungen gehabt die man überhaupt so nennen kann, beide gingen nur ein Jahr und es ist bei einem Kind geblieben. Mein größter Lebenstraum hat sich damit nicht erfüllt, es war also schon ein gewisser Preis, aber ich konnte nicht gegen mein Gefühl intim mit jemandem werden. Dazu habe ich im Laufe der Jahre noch feststellen müssen, dass die tollen Kerle auch nicht so toll waren. Ich glaube ich kenne und kannte einfach keine tollen Kerle, die da sind wenn man sie braucht. Mir fällt nur einer ein und der ist seit Ende der Schulzeit vergeben^^ Die sich so ins Zeug gelegt haben waren wenn man genau hingesehen hat alles Coabhängige, Pluspole, im Prinzip eben auch Leute mit BA, aber eben aus der Verlustangst agierend und deswegen haben sie sich so ins Zeug gelegt. Wie mein Exmann. Der war ganz toll, immer da, romantisch, blablabl, bis zur Hochzeit und Geburt. Dann ist das gekippt.

  • Das denke ich bei mir halt auch, das ich das nicht könnte auf Dauer. Da mag es dann nach Außen aussehen wie ne glückliche Beziehung, sich aber im Inneren leer anfühlen. Ich war gerade mit einem befreundeten Paar und unseren Hunden spazieren. Die sind so ein Beispiel. Schon über zwei Jahre zusammen und reden sich mit Schatz an, laufen Hand in Hand und das wirkt absolut echt. Hab ich ja vor einigen Wochen mit meinem Bekannten auch gemacht, Hand in Hand gelaufen - war ganz "nett", fühlte sich aber nicht echt an. Also so von Innen raus, mit dieser tiefen Zufriedenheit, die einem das eigentlich geben sollte....

    Man selbst spürt denke ich lange erstmal, dass was fehlt und muss dann genau damit umgehen können.


    Allerdings weiß ich halt auch nicht, ob sich so was mit der Zeit nicht auch einfach entwickeln könnte.

    Mir hat die letzten 5 Jahre in meiner Ehe auch alles gefehlt, was einem in einer "Beziehung" so fehlen kann zB.


    Bei mir geht das mit den Kindern und alles gerade auch den Bach runter, weil mir der passende Partner fehlt und ich nach meiner Ausbildung schlichtweg keine Zeit mehr habe, um noch ewig einen zu suchen, denn dann bin ich 40 und hab ja ohnehin schon Probleme mit dem Schwanger werden. Ich glaube das werde ich mal sehr bereuen, da immer auf den falschen Kerl gesetzt zu haben und ihn über viele Jahre nicht auf den Mond geschossen zu haben...

  • Ich kann dich so gut verstehen, wie gesagt, ich habe mir das alles mehrere Jahre durch den Kopf gehen lassen. Es soll das schon geben, dass man beides haben kann. Manchmal hört man von Leuten bei denen das so ist. Aber mir ist es zumindest nicht gelungen und mit nur einem von beidem kam ich auch nicht zurecht. So schräg das ist, aber alleine komme ich trotz Einsamkeit und Traurigkeit am Besten zurecht. Das ist sozusagen das kleinere Leid. Finde ich selbst crazy, weil mir ja schon ne Menge fehlt.

  • Alleine sein ist allemal besser als ne völlig destruktive Beziehung, in der man ständig neu verletzt wird und darunter dann am Ende wieder leidet.

    Eine gewisse Zeit alleine sein finde ich auch völlig okay und auch wichtig für die eigene Entwicklung, aber dauerhaft?


    Aber welche Wahl gibt es, wenn man weiß, man greift eh wieder ins Klo sobald man das kleinste Verliebtheitsgefühl spürt - war bei mir tatsächlich immer der Weg in die nächste toxische Beziehung mit viel, viel Leid...


    a) toxische Beziehung, dafür Gefühle

    b) Beziehung ohne Verliebtheitsgefühle mit der Option, dass sich irgendwann doch mehr daraus entwickelt (oder auch nicht und mit dem Gefühl, es fehlt etwas leben)

    c) alleine bleiben


    Hmmm?


    Bei b) weiß ich halt ehrlich nicht, ob das nicht der gesündeste Weg wäre, denn es könnte ja wirklich sein, dass das die echte Liebe ist, ohne Hollywood Suggestionen ( die allesamt nie zeigen, wie die Paare zusammen sind, wenn der erste Rausch mal verflogen ist ;) ) ....

  • Exakt so:

    Zitat

    Aber welche Wahl gibt es, wenn man weiß, man greift eh wieder ins Klo sobald man das kleinste Verliebtheitsgefühl spürt - war bei mir tatsächlich immer der Weg in die nächste toxische Beziehung mit viel, viel Leid...

    Wie wäre es wenn du b) einfach für dich ausprobierst? c) Bleibt dir noch immer und a) hattest du schon. Wenn es nix ist, ist es dennoch ein Schritt auf deinem Weg gewesen. Bei mir sind es nun 6 Monate ereignisloses Liebesleben und ich habe null Ahnung wie ich etwas anderes anfangen soll. Mir fällt nichts mehr ein. So ist es einfach am sichersten.

  • b) hatte ich ja auch schon. Eben mit besagtem Bekannten. Drum frag ich mich ja eben, ob ich hätte einfach länger warten müssen, ob sich da noch was tut bei meinen Gefühlen oder ob ich einfach nicht weiß, wie sich eine gesunde Beziehung anfühlen muss gefühlsmäßig. Vielleicht ist die einfach auch nicht so aufregend, nervös und hibbelig und ich deute das dann als langweilig und gefühlstot? Das ist echt gar nicht so einfach....


    Alleine sein hat ganz klar auch viele Vorteile, die ich gar nicht mehr unterschätzen kann. Ich würde lügen wenn ich sagen würde, das ich es nicht genieße meine eigene Wohnung zu haben, in die mir keiner reinfunkt und keiner seinen Mist wo liegen lässt. Das ist eine unfassbare Freiheit für mich, dort alles Tun und Lassen zu können, was ich möchte. Oder die Gestaltung meines Tages, ohne irgendwelche Rücksicht nehmen zu müssen. Seit bald 6 Jahren mache ich nichts anderes, als zu leben wie ein Single. Ich wüsste gar nicht, ob ich das nochmal anders könnte. Aber das ein anderes Thema, bin abgeschweift :)