Beiträge von Wurmleiche

    Ich glaube nicht dass man das als Bestrafung sehen kann, weil ich mich aus Selbstschutz einfach mal ein paar Stunden zurückziehen MUSSTE und in diesem Zustand nicht mehr mit ihm reden wollte. Ich wollte ihn damit nicht bestrafen, ich wollte mich damit selbst schützen und mich erst Mal wieder beruhigen!

    Was Du wolltest und wie es gewirkt haben mag sind unterschiedliche Paar Schuhe. Du brauchst Dich auch absolut nicht zu rechtfertigen vor mir/dem Forum!


    Es wirkt trotzdem nicht souverän und sicher, denn Du hast keinen Zeitrahmen kommuniziert, ihn stattdessen abblitzen lassen und damit ganz sicher schlimme Ängste getriggert, sonst hätte er nicht so oft versucht anzurufen. Aus einer Triggerreaktion heraus kann man einfach keine Konflikte klären. Daher ist es wichtig, auch im Rückzug im Dialog zu bleiben.

    Das Handy lag oben in meiner Wohnung, ich konnte einfach nicht mit ihm reden...

    Auch das hättest Du ihm aber im Weggehen kommunizieren können, so wie Du es schlussendlich ja vor der Funkstille ganz souverän gemacht zu haben scheinst. Was Du ihm vorwirfst (aus einem Trigger heraus zu reagieren), machst Du letztlich selbst auch immer mal wieder - zumindest liest es sich für mich so. Damit befeuert Ihr gegenseitig die Dynamik, die typisch für Trauma-Bindungen sind (der andere spiegelt, was man an sich selbst nicht sehen kann). Wenn seine Launen (jetzt schon!) tatsächlich so unerträglich sind, wie Du sagst/empfindest, dann wäre es sich selbst gegenüber letztlich ehrlich, die Reißleine zu ziehen, denn dann wäre er auf lange Sicht vllt. doch einfach nicht der Richtige. Beziehungsarbeit kann man jedenfalls nur im Tandem leisten. :(


    Hoffentlich könnt Ihr die Situation wieder einrenken und zueinanderfinden, so denn das Gute überwiegt! <3 (Die Sache mit dem Hund finde ich persönlich schlimm! Das wäre für mich ein Killerkriterium - da kann der Mann noch so schön sein. Vllt. liegst Du aber mit Deiner Vermutung ganz richtig, dass nicht Dein Hund an sich das Thema ist, sondern seine Erfahrungsassoziation mit seinem eigenen Hund.)

    Ich habe ihm auch gesagt, dass das für mich nicht mehr geht, dass mein Hund als Distanzhalter missbraucht wird, weil er seine Muster abarbeitet ohne das zu merken. Und wo ich schon dabei war, gleich auch noch wie mies und beschissen es sich anfühlt wenn man spürt, dass einem der Mensch, den man liebt körperlich nicht näher kommen will....Da war mein Gefühl nämlich goldrichtig, dass er vor körperlicher Nähe flüchtet...


    Er hat gefragt, ob unsere gemeinsame Reise nun zu Ende wäre. Ich habe gesagt "Wenn das so bleibt wie es gerade ist definitiv, ich habe es verdient wirklich gewollt und geliebt zu werden und bin kein Spielzeug, dass man sich nach Lust und Laune aus dem Schrank holen könne und dass es absolut keinen Sinn machen würde, weiterzumachen, wenn er nicht ernsthaft an sich arbeitet weil ich nicht mehr bereit bin, dass man seine Muster an mir abarbeitet"..

    Sehr gut (auch wenn's insgesamt natürlich traurig ist :|)! <3

    Am Donnerstag war ich aber so geladen, so wütend, so verletzt und enttäuscht, dass ich alles ignoriert habe.


    Anstatt dass er mir dann offen und ehrlich sagt "Du, ich wollte das wirklich, aber ich schaffe es einfach noch nicht, kann mich einfach nicht überwinden" ist er direkt ausgeflippt, panisch im übrigen...

    Ach, liebe SugarLea , da hat sich ja ganz schön was angestaut.


    Leider finde ich, dass Du in beiden Situationen auch nicht besonders souverän reagiert hast. Ein bindungssicherer Mensch wäre trotz Verletzung nicht so auf seine Wutreaktion eingestiegen, sondern hätte sie anders aufgefangen. Auch einfach blocken und nicht mehr reagieren ist keine Art. Damit steigert Ihr Euch beide gegenseitig in Eure Trigger hinein und löst ungewollt die Spirale aus Rückzug und Angst aus.


    Souveräner wäre es gewesen, direkt in der Situation zu erklären, was das gerade mit Dir macht, dass Du Dich getriggert und enorm gestresst fühlst und dass Du Dir wünschst, dass er solche negativen Gefühle künftig bitte anders kommuniziert. Besonders wichtig: Man haut nicht einfach ab und lässt den anderen auflaufen, sondern kommuniziert, dass man etwas Zeit benötigt, um sich herunterzuregulieren, aber gern <Zeitfenster, z. B. am nächsten Tag> über die Situation sprechen möchte. Ob der andere dafür offen wäre? (Dann kannst Du immer noch entscheiden.) (Ich hätte Dir jedenfalls nicht hinterhertelefoniert.)


    Deine - wenn auch aus Deiner Sicht gerechtfertigte Reaktion - ist eine Form von Silent Treatment (Schweigebehandlung), mindestens aber eine Form von Bestrafung (Rückzug), die in dem anderen einen enormen Stress auslöst und die Beziehung extrem gefährdet. Dein Partner dürfte sehr feine Antennen haben (Hypervigilanz als Traumafolge) und unterbewusst auf Deine Ängste reagieren. Da er aber anscheinend doch noch nicht selbstreflektiert genug ist, kann er vieles nicht richtig zuordnen, was ihn belastet. (Ich persönlich werde in Anwesenheit von BAlern depressiv, reizbar und unsicher.)


    Die Situation mit der "vollen Ladung" dürfte in ihm eine starke Scham ausgelöst haben. Scham ist leider ein großer Treiber für Antriebslosigkeit und Versagensängste aller Art. (Scham ist die Mutter der Prokrastination.)


    Du sagtest, Dein Partner könnte ADHS haben. Ich hab ein sehr, sehr gutes Buch von Gabor Maté zu diesem Thema gelesen, was ich gern weiterempfehle: Unruhe im Kopf: Über die Entstehung und Heilung der Aufmerksamkeitsdefizitstörungen ADHS : Maté Gabor: Amazon.de: Bücher

    Als ehemals selbst Betroffene kann ich vieles erkennen, womit ich früher zu kämpfen hatte. Auch das mit dem Fußball lässt sich erklären ... das ist mehr so ein Kompensationsmechanismus bzw. eine Übersprungshandlung und Ausdruck der Unfähigkeit zu priorisieren, weil die Reizüberflutung und der ganze Druck aus gefühltem Kontrollverlust, Überforderung und Dysregulation irgendein Ventil braucht. (Was Dir das Shoppen und Rauchen, ist ihm der Fußball. Letztlich sind wir alle ein bisschen Charlie Brown und brauchen unsere Sicherheitsdecke, die nur uns gehört. ;) )

    Also würde ich das mal nicht zu sehr stigmatisieren :D

    Es geht nicht darum, den Dienst zu stigmatisieren, sondern dass gerade die höheren Funktionäre oft krasse narzisstische Züge haben, wie eben auch mein Ex-Chef (ehem. Offizier mit Bundeswehr-Akademie-Studium, der sich in die Vorstandsebene einer wichtigen Einrichtung hochgeätzt hat), der mich vor kurzem aus dem Job geekelt hat.


    Der Anspruch an Rangniedere, zu funktionieren und sich zu unterwerfen, ist immer noch extrem ausgeprägt ... wie in Konzernstrukturen und vielen durch Hierarchien geprägte Systeme (Behörden).


    Ich kenne auch welche, die in ihrem Dienst ihre Ruhe hatten und eigentlich nur zum Cocktail-Schirmchen-Testen durch die Welt geflogen sind.


    Mit sensibleren Naturen machen solche Systeme nun einmal was, und das kann hier auch der Fall sein. Ich behaupte auch nicht, dass seine k-PTBS von der Arbeit kommt. SugarLea hat das ja bereits angedeutet, dass er private Themen hat, die zu seiner Konstitution (u. a. Hypervigilanz) beigetragen haben dürften.

    Mhm, stimmt, wenn er noch aktiv beim BUND ist, dann ist das Therapiethema ein Tabu.


    Ich bleibe dabei, dass er eine k-PTBS haben dürfte. Die Symptome sind sehr typisch, die Du beschreibst.


    Ich habe mich in diesem Fall abgewertet gefühlt und da musste ich dann meine Grenze einfach Mal setzen. Früher hätte ich geschwiegen und mich Scheiße gefühlt um ja nicht den Frieden zu stören. Die Zeiten sind vorbei, ich spreche das direkt an wenn ich der Meinung bin, dass im Moment nicht gut mit mir umgegangen wird. Vielleicht hat ihn das auch komplett auf 180 gebracht, weil ich ihn ja dann auch kritisiert habe mit den Worten "Du hast auch oft dies und jenes, warum musst du das bei mir so negativ bewerten?"...Ich denke das war eher der Grund, warum er so lange nicht mehr runter gekommen ist und sich da so rein gesteigert hat in seine Gefühlswelt.

    Sehr gut, dass Du das angesprochen hast. Jahrelanger emotionaler Missbrauch sensibilisiert einen mit der Zeit enorm, und man hat die Kapazitäten dann auch nicht mehr, solche Situationen zu kompensieren. Allerdings denke ich, dass es andere, de-eskalierendere Möglichkeiten gibt, als einen Vorwurf direkt mit einem Gegenvorwurf zu kontern. Auch Aufforderungen, sich mal zu beruhigen, bewirken in der Regel genau das Gegenteil.


    Vllt. könnt Ihr andere Formen finden, um Euch gegenseitig beim Herunterregulieren zu helfen und in so einer Krise Nähe herzustellen, statt noch Öl ins Feuer zu gießen? Zum Beispiel könnte es helfen zu fragen, warum er diese Kritik äußert. Oder zu fragen, wie er sich fühlen würde, wenn man ihn in so einer Situation so ankackte. Letztlich muss er verstehen, dass Ihr in Wechselwirkung zueinander steht und seine ungebremsten Reaktionen Auswirkungen auf Dich und damit letztlich auf Euch haben. Emotionale Dysregulation in den Griff zu bekommen bleibt Aufgabe des Betroffenen, aber das Umfeld kann unterstützen, damit diese nicht die Beziehung auf Dauer torpediert.

    Hui, ja, das sind einige Themen. Ich habe mir sowas in der Art leider schon gedacht. (Seine Beschreibung erinnert mich ein bisschen an mich selbst. Und ja, ich hatte auch ADHS, liebe Tiere und Natur, schlafe auch am liebsten bei mir und hab alles gern geordnet und sortiert, weil ich ein - erkanntes und losgelassenes - Thema mit Kontrollverlust habe :saint:. Meine Aggressionen und Nörgelei habe ich aber im Griff, da sie mich nicht mehr unterbewusst steuern, sondern ich erkenne, wenn ich emotional dysreguliert bin und ich das nicht am anderen auslassen möchte. Mein Stachelschwein hat mich in dieser Hinsicht durch seinen Boykott dieses Verhaltens von mir eines Besseren belehrt. Und mein Glaube an Jesus hat meine Perspektive auf Menschen und Prioritäten im Leben in vielerlei Hinsicht geändert. In meinem Fall ist das Motiv/der Auslöser hinter sowas ein hohes Sicherheitsbedürfnis.)


    k-PTBS ist weiter verbreitet, als man so denkt. Wenn man die Symptome mal kennt, kann man sie an vielen Menschen sehen, viele sehen sie nur leider an sich selbst nicht. Das mit der Reise hatte ich falsch verstanden, entschuldige. Dachte, Ihr seid immer noch dort. Emotionale Belastungen können sich auch zeitversetzt äußern, vor allem, wenn man zum Verdrängen (Funktionieren-Müssen/-Wollen) neigt.


    Hat er sich denn, da er sich ja seiner Themen zumindest einigermaßen bewusst ist, schon mal überlegt, sich professionelle Hilfe zu suchen? Launenhaftigkeit und Aggression in dem Rahmen, wie Du es beschrieben hast, wären für mich persönlich schon ein absolutes KO-Kriterium für jede Form von Beziehung. Hut ab, dass Du das so wegsteckst und der Beziehung zuliebe versuchst zu ebnen!


    (Ordnungsfimmel etc. kann natürlich auch naturellbedingt sein. Man muss nicht immer alles pathologisieren, aber wenn es ins Über-Ausgeprägte schlägt, dann sollte man genauer hinschauen.)

    Vermutlich weiß er das selbst nicht so genau wenn ich ihn fragen würde....

    Wenn er tatsächlich Monk-ähnliche OCD-Anzeichen hat, dann könnte ich mir vorstellen, dass die Reise (einschl. des Anlasses?) für ihn aus verschiedenen Gründen Kontrollverlust, Stress und Trigger bedeutete. Leider hat er diesen auf Dich projiziert, d. h., das ist sehr unterbewusst abgelaufen.


    In Pete Walkers k-PTBS-Klassifikation gehört Perfektionismus/Mikro-Management leider zu einem überkompensierten Impuls aus dem Reaktionsschema "Flucht", wie Dein Liebster mit seinem Weggehen dann ja auch eindrücklich gezeigt hat. Bedenklich finde ich, dass er sich so lang in seiner emotionalen Dysregulation aufgehalten, ja sich da fast hineingesteigert hat trotz Deiner Beschwichtigungsversuche. (Eine Stunde für einen externen Auslöser [Deine Übelkeit], der eigentlich eine andere, liebevollere Reaktion verdient hätte, wie Synne schon meinte.


    Schön, dass Ihr Euch erst einmal wieder gefangen habt! <3 Hoffentlich findet Ihr einen Weg, solche Themen miteinander zu besprechen und daraus resultierende Probleme gemeinsam zu lösen. :flower:


    Ich nehme an, dass er Berufssoldat war, also länger als die übliche Grundwehrdienstzeit abgeleistet hat. Das dürfte seine Spuren hinterlassen haben, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er an einer k-PTBS, wenn nicht sogar einer PTBS leidet, sollte er mal im Einsatz gewesen sein. Allein schon die autoritären Hierarchien im Militär sind darauf angelegt, die Menschen zu brechen. Wenn ich an die Duldungspflicht von Soldaten denke, wird mir immer ganz anders ... Seine "ständigen diffusen Wehwehchen" könnten ein Hinweis auf Trauma sein. Indem Du ihn darauf hingewiesen hast, hast Du ihn vermutlich in diesem Bereich getriggert, weil Du eine vermeintliche Schwäche hervorgehoben hast.

    Zum Thema Biografie fallen mir so einige Schauspieler ein - vor allem die mehr als 3x verheirateten, allerdings sind die "VAler" etwas erzählfreudiger als die "BAler". BAler würden wohl eher über ihre Erfolge, Entdeckungen und Errungenschaften schreiben als über ihr Liebesleben.


    Elizabeth Taylor zum Beispiel ist jemand, die ihr Leben lang die große Liebe gesucht und sogar zweimal denselben geheiratet hat, nur um dann doch zu scheitern. Ich überlege gerade, ob mir auch ein typischer Bindungsvermeider einfällt, der eine Biografie verfasst hat... (Fontane war übrigens sehr glücklich verheiratet, wie der Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau offenbart.)


    Cary Grant würde ich auch als BAler einstufen. Seine Biografie ist allemal interessant. Er hat erst in seinen späteren Jahren durch seine kleine Tochter die Ruhe und Liebe im Leben gefunden, die er immer gesucht hat und kam da nach eigener Aussage zur Vernunft.

    Alter Verwalter, das war jetzt richtig anstrengend die letzten Stunden - wie kann man nur so blöd sein? ||

    Au weh, das war bestimmt schwer für Dich! Gut, dass Du zumindest nach außen - also ihm ggü. - ruhig geblieben bist und die Angst da gelassen hast, wo sie hingehört - (zu Dir) - darauf kannst Du sehr stolz sein. Nach allem, was Dir widerfahren ist, ist Deine Reaktion nachvollziehbar. Das war der Supergau-Trigger für Dich, den er da unwissentlich ausgelöst hat. :|

    Dass Du die Bombe nicht gezündet hast, ist ein großer Fortschritt (weg vom Drama eben ;) ) und wirklich kein Grund, Dich selbst kleinzureden. :cheers:

    Die nie wirklich auserzählte Verbindung zwischen Sherlock Holmes und Irene Adler ist eine klassische Geschichte mit dem Sujet "Es waren zwei Königskinder ... sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief". Sherlock Holmes ist in meinen Augen ein typischer Vermeider. Immer auf die Sache fokussiert, etwaige Gefühle werden hinter überspitzter Intellektualität oder treffenden Spitzen verborgen. Irene Adler die klassische, unnahbare Verführerin. (Beides Vermeider - da konnte nichts draus werden. ^^ )


    Das Thema unerfüllte Liebe zieht sich ansonsten durch viele klassische Werke der vergangenen Jahrhunderte. Bei Fontane findet man auch so einige Frauenportraits, die das Thema beleuchten. (Effi Briest, Unwiederbringlich, L'Adultera*, Graf Petöfy) (Es gibt immer eine Figur, die - selbst wenn eine Ehe eingegangen wird - aus der Verbindung ausbrechen oder sich gar nicht erst festlegen will und letztlich nicht gehalten werden kann ... oft aufgrund der gesellschaftlichen Umstände wie Standesunterschiede.)


    Bei den Buddenbrooks würde ich Tony als typische Verlustängstlerin einstufen. (Viel zu voreilig wirft sie sich für ein bisschen Zuwendung irgendwelchen zwielichtigen, nicht sonderlich bindungsfähigen, zumindest aber nicht gut zu ihr passenden Herren an den Hals und scheitert jedes Mal kläglich bis zur Verbitterung. Den einzigen Aufrichtigen, der sich ehrlich um ihre Gunst mühte, lehnte sie in ihrer jugendlichen Überheblichkeit ab.)


    *Hier ist mal der Herr der Verlustängstler, der sich seine selbsterfüllende Prophezeihung erschafft:

    Zitat

    Die Situation könnte idyllisch sein, doch Melanie leidet unter zwei Eigenschaften ihres Mannes: Zum einen kann er sich als typischer Berliner nicht mit Bemerkungen zurückhalten, die Melanie vor allem in Gesellschaft als peinlich und unpassend empfindet. Zum anderen quält er sie häufig, obwohl zunächst kein Anlass dazu besteht, mit seiner Eifersucht oder der Vorhersage, dass sie ihm, weil es in ihrer Familie liege, eines Tages bestimmt untreu werden werde.

    leider liest sich dein Text so, als sei ich die Böse.

    Diese Einordnung hast Du nun leider selbst vorgenommen (Schwarz-Weiß-Denke in Gut-Böse ist übrigens sehr typisch für BA) und war weder meine Intention, noch steht das in meiner Erläuterung, denn ich schrieb genauso, dass sie ihre eigenen Anteile nicht sieht (nicht sehen will, nicht sehen kann), Dich mit ihrer Ambivalenz triggert usw.


    Es ist eine Dynamik, die sich gegenseitig erhält. Aus der kannst Du nur aussteigen, indem Du Dein Verhalten und Deine Motivation änderst. Wenn sie sich an Dich kuschelt und Dir Küsschen schickt, obwohl sie nur Freundschaft will, dann ist es an Dir, die Grenze zu ziehen und zu sagen: Das verwirrt und verletzt mich, lass das bitte sein (auch wenn es schwerfällt, weil es ja das ist, was Du magst und möchtest)! Sie wird auf Deine Gefühle keine Rücksicht nehmen, da Bindungsvermeider eigentlich immer im Überlebensmodus sind und daher meist nur sich selbst sehen (und deswegen oft sehr narzisstisch wirken können; eine Symptomatik der k-PTBS). Und auf Deine Art nimmst Du auf ihre Gefühle ja auch keine Rücksicht, indem Du sie von Dir und Deiner Liebe überzeugen willst, obwohl sie nicht will (und Du sie damit nur noch weiter wegtreibst).

    Sie fühlt sich unter Druck gesetzt, ich verhalte mich wie eine eifersüchtige Freundin, und sie kommt damit nicht klar. Meine Antwort war kein Betteln oder Entschuldigen, sondern ganz klar, dass ich keine Spiele mehr spielen möchte.

    Ich möchte nochmal verdeutlichen, warum sich mir die Situation von außen betrachtet als beiderseits ambivalent darstellt. Wenn ich es richtig verstanden habe, sieht Eure Situation so aus: Sandra möchte mit Dir maximal eine Freundschaft. Sie fühlt sich von Dir auf emotionaler Ebene bedrängt und hat Dir zu verstehen gegeben, dass sie Dich zwar mag, aber nicht als Partnerin. Sie möchte sich nicht Deinem (aus ihrer Sicht - sie sieht ihren Anteil nicht) von Dir selbst verursachten "Drama", dass Du evtl. Eifersuchtsanfälle bekommst, wenn sie jemand anderen datet, ausgesetzt sehen, solltet Ihr befreundet bleiben.


    Bindungsvermeider sind (ganz banal zusammengefasst) zu Bindungsvermeidern geworden, weil sie übergriffige Bezugspersonen hatten, die ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht respektierten oder sie diese nicht zum Ausdruck bringen durften, ohne dass das zu Problemen führte (Abwertungen, Verächtlichmachen, Verhöhnen usw., bei meinem Stachelschwein und mir waren das z. B. die Berufswünsche, die unsere Eltern entsprechend kommentierten).


    Daher haben sie (besonders Bindungsvermeider), was die (verdeckte) Motivation anderer angeht, sehr feine Antennen entwickelt, denn für sie bedeutet Bindung = Verlust der Selbstbestimmtheit und emotionaler Stress, also körperlich empfundene Bedrohung (durch Trauma), gegen die sich automatisch und sehr unterbewusst gewehrt wird.


    Der Buchtitel "Lass mich, doch verlass mich nicht" war mal für/über Menschen mit ADHS geschrieben worden, fasst aber das Dilemma der Bindungsvermeider gut zusammen, wie Sandra mit dem Wunsch, dass Du, obwohl sie Dich nicht will, bitte trotzdem für sie da sein sollst, zum Ausdruck gebracht hat. (Deswegen schreibe ich, dass es eigentlich egal ist, was ihre Rückzüge auslöst - ob BA oder Depressionen oder ADHS oder allg. Lebensüberforderung.)


    Mit Deiner zugrundeliegenden Motivation, sie durch einen irgendwie gearteten Liebeszauber doch wieder für Dich zu gewinnen, verletzt Du genau die Grenze, die sie gezogen hat. Du reinszenierst unterbewusst damit im Grunde für Euch beide das Drama, das Eure Ängste und Muster triggert, und damit erzeugst Du einen Teil des Teufelskreises, auf den ich mich in meinem vorigen Post bezog. (emotionale Bedrängnis = Stress für BÄler => der reagiert mit Rückzug und Deaktivierung = Stress für VÄler => der reagiert mit emotionaler Bedrängnis ... )


    Du bist damit für sie genausowenig "sicher" wie sie für Dich, auch wenn sie Dich um Deine Loyalität bat, während sie selbst Dir keine zu bieten hat.


    Zusammenfassend ist deswegen mein Fazit für solche Situationen: Wenn ein BÄler sich zurzückzieht, dann soll er in seinem Off glücklich werden. Man kann nur für sich selbst entscheiden, wie man darauf reagiert. (Und wie man definitiv nicht reagieren sollte: hinterherrennen, bedrängen, Kontakt suchen.)


    (Das waren sehr viele Du-Botschaften - ich möchte Dich in keinster Weise damit angreifen!)

    Und langfristig diesen Teufelskreis aus VA und BA zu durchbrechen.

    Du kannst nur Deinen Teil des Teufelskreises durchbrechen, nicht ihren. Wenn Du Deinen Teil der Dynamik auflöst, löst sich auch der Teufelskreis auf.

    Ich möchte Sandra nicht aufgeben, sagen, komm mit deinem Scheiß alleine klar.

    Das ist die wichtigste Lektion, die man bei Al-Anon lernt: Den anderen mit seinem Zeug allein klarkommen lassen, statt immer wieder das Fehlverhalten zu ermöglichen ("enablen").

    Und ich hab es ihr damals bei ihrem letzten Rückzug versprochen. Sie wollte die Sicherheit, dass ich sie nicht aufgebe.

    Wie manipulativ das ist und wie widersprüchlich ihr Verhalten, muss Dir wohl wirklich erst in aller Klarheit selbst auffallen, bevor Du erkennst, wie toxisch das alles ist. (Sie haut Dir sprichwörtlich eine rein, Du sollst ihr aber ewige Treue schwören und versprechen, dass Du nicht von Deinem Recht Gebrauch machst, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Und wenn Du auch noch weinst und "Aua!" sagst, verachtet sie Dich erst recht und sagt Dir durch ihre Rückzüge u. a. Verhalten, dass Du damit bitte alleine klarkommen und sie nicht damit belästigen mögest.)

    Mal eine andere Frage: ich halte mich die Tage auch mit WhatsApp Status bedeckt. Wenn ich jetzt aber plötzlich gar nichts mehr poste, fällt ihr das auf? Wirke ich dann vielleicht verletzt? Oder ist es besser, sich ganz normal zu verhalten? Also wenn ich eine schöne Aussicht sehe die auch zu posten? Ich zeichne gerne und poste dann meine Kunstwerke. OK oder lassen? Oder für sie den Status verbergen?

    Was möchtest Du damit bezwecken? Das sind schon wieder Taktik-Fragen, weil Du - das unterstelle ich jetzt mal ganz frech - ein bestimmtes Ergebnis erzielen möchtest. Das ist auf seine Art toxisch, weil manipulativ. Um authentisch zu werden, muss es Dir egal sein, wie sie reagiert, weil Dir wichtiger sein muss, wie es Dir geht - ohne Sandra auf emotional stabilen Füßen zu stehen sollte das Ziel sein.


    Wir können Dir nicht sagen, wie sie reagieren wird - wir kennen Euch beide nicht und sind keine Hellseher. Es ist natürlich mehr als verständlich, dass Du sie nicht verlieren willst, aber die Dynamik ist in meinen Augen ungesund: Sie tut Dir weh, stößt Dich zurück, und Du willst trotzdem mehr davon, statt Dich davon zu distanzieren und ihre Gefühle und ursächlichen Probleme (ob das jetzt BA oder sonst was ist) bei ihr zu lassen. Warum? Ist das so schön, "Prügel" (ihre Launen) einzustecken und der "Fußabtreter" zu sein? (Das ist metaphorisch gemeint, bitte nicht wörtlich verstehen.)

    " Alles klar, mit Dir wird es niemals ein Commitment geben. Deshalb mach ich jetzt genau so mein Ding und erwarte nichts mehr von dir. Die Beziehung ist nicht mehr exklusiv und ich habe auch Sex mit anderen. Wenn du wieder deine Anfälle kriegst, und mit das zu blöd wird, haue ich ab und wenn du dich wieder gefangen hast, kannst du dich gerne melden.

    Du hast diese Form der Komfortzone definiert und dann bleibe ich noch solange, bis ich jemand anderes finde, oder wir beide keine Lust mehr haben."

    Bei meinem Stachelschwein hat das nur eine (wie ich erst später verstand) Bindungsvermeider-typische Trotz- und "Dann-mach-doch-/viel-Spaß-mit-Deinem-Neuen"-Reaktion hervorgerufen und letztes Jahr den Anfang vom Ende eingeläutet. (Ich habe selbst auch schon so auf sowas reagiert - bei solchen manipulativen Spielchen ist bei mir der Ofen aus.)


    Versuchen kann man sowas natürlich, weswegen ich eben sage, dass es a) kein Handbuch gibt und b) jeder selbst schauen muss, was für ein Exemplar er da hat und wo man mit demjenigen steht. Die Bindungstheorie ist da hilfreich, aber nur ein Puzzleteilchen.


    Die hier geschilderte Situation klingt sehr danach, dass sich der BÄler (Sandra) schon recht weit entfernt hat und da nicht mehr viel zu holen ist.

    Eine gute Taktik? Es sind keine Spielchen

    Leider finde ich schon, dass das manipulativ, mindestens aber unehrlich - v. a. Dir selbst gegenüber - ist. Du willst befreundet sein mit dem Hintergedanken und dem Wunsch, dass sie sich doch noch in Dich verliebt. BA haben aus Selbstschutz sehr feine Antennen, und es ist gut möglich, dass sie Dich genau deswegen erst recht auf Abstand hält. Du selbst müsstest dazu Deinen Bindungswunsch unterdrücken und verleugnen, um überhaupt etwas von ihr zu bekommen. Die Crappy Childhood Fairy nennt das "crapfitting" - sich an Umstände anpassen und akzeptieren, die einem nicht guttun.


    Es gibt auch kein Handbuch "BÄ in mich verliebt machen" oder "Wie führe ich mit einem BÄ eine gelungene Beziehung", obwohl vieles nach Strickmuster in diesen Liaisons zu laufen scheint. Es obliegt Deiner eigenen Wahrnehmung und Einschätzung, die Situation zu handhaben und das zugrundeliegende Problem zu erkennen, zu verstehen und daraus zu lernen, um daran emotional zu wachsen. Wir kennen weder Dich noch Sandra persönlich, um die Lage wirklich einschätzen zu können.