Von absolut hoffnungslos, zu langjähriger Nähe und Vertrauen

  • Liebe Forumsmitglieder,


    nachdem ich mich hier durch so viele Lebensgeschichten gelesen habe, möchte ich euch gerne meine erzählen. Dieses Mal ohne eine euphorische Empfehlung für meine Therapeutin ;-) Wer einen Coach in Hannover sucht, findet meinen Therapeutentipp in der entsprechenden Therapeutenliste.


    Wie so viele von euch, habe ich mehrere Therapien hinter mir. Die erste hatte ich mit Ende 20. Drei Jahre Gesprächstherapie. Damals wußte ich natürlich noch nichts über BA. Ich hatte nur das Gefühl, dass ich "irgendwie nicht richtig" bin. Meine Beziehungen waren ein einziger Kampf. Wenn mich ein Mann wirklich mochte, dann tat ich alles, um ihn zu vergraulen, weil ich seine Zuneigung/Gefühle nicht annehmen konnte. :( Die Therapie war "nett", aber trotz der ganzen Erkenntnisse, dass ich eine besch.... Kindheit hatte, die mich geprägt hat, kam ich nicht wirklich in meinen Beziehungen voran. Wenn es nicht gerade Männer waren, die wirklich "normal" und liebevoll waren und ich sie vergraulte, hatte ich einen ausgeprägten Hang für echte BA Pflegefälle. Die zweite Therapie folgte, als ich 36 J. alt war. Inzwischen war ich verheiratet. Allerdings aus purer Verzweiflung, weil ich irgendwann dachte, dass dieser ganze Spuk doch mal ein Ende haben musste. Also nahm ich den nächsten BA, der dieses Mal absolut introvertiert war (ich verdurstete mit allem...), so dass ich innerhalb kürzester Zeit totunglücklich und depressiv war. Noch immer wusste ich nichts von BA. Die Therapie war wieder "nett". Jede Menge neue Erkenntnisse, aber ich konnte sie nicht ins Leben umsetzen. Ich hockte mit all diesem Wissen da und freute mich zunächst. Dachte, dass alleine die ganzen neuen Dinge, die ich über mich wusste, mein Leben verändern würden... müssten... könnten. Pustekuchen! Heute weiß ich, dass Therapeut eben nicht gleich Therapeut ist! Es folgte die Scheidung und weitere BA-Kämpfe mit anderen Männern. Einer von ihnen schenkte mir dann das Buch "Jein!". Ich habe es geradezu verschlungen. Und dann wusste ich, was zu tun war: ich las alles, was ich fand, über BA, Selbstwert (inneres Kind) und über negative Glaubenssätze. Ich besuchte Seminare, ging zu regelmäßigen Treffen und nahm dieses Mal nicht die erstbeste Therapeutin, sondern fragte herum, wer richtig anleitet... arbeitet... die Klienten führt. Mich also nicht mit all den (theoretischen) neu gewonnenen Erkenntnissen alleine lässt, sondern mich an die Hand nimmt und mir zeigt, was ich damit machen kann, um Beziehung anders zu gestalten. Wobei das zunächst gar nicht wichtig war. Ich lernte meine negativen Glaubenssätze ins Positive umzukehren. Bekam ein ganz anderes Gefühl zu mir und für mich. Wurde selbstsicherer und als dann mein jetziger Lebenspartner in mein Leben trat, war die BA Angst zwar noch immer massiv da und alle Mechanismen, die ich ja SCHON IMMER praktiziert hatte, kamen hoch. Ich dachte damals... o.k. - Theorie und Praxis. Jetzt kommt´s drauf an! :mrgreen: Das erste, was ich anders machen konnte, weil ich ja endlich wusste, wo mein Problem liegt, war, dass ich meinem Freund sagte, dass ich BA habe und nicht wisse, ob ich die jemals so erfolgreich in den Griff bekommen würde, dass unsere Beziehung eine Chance hat. In den Monaten danach lernte er lebhaft kennen und spüren, wovon ich da geredet hatte... :oops: Aber ich hörte nicht auf an mich zu glauben und kämpfte, was das Zeug hielt. Ich arbeitete - gemeinsam mit Frau Neuschulz - an mir und mein Freund tat alles, um mich zu unterstützen. Ohne, dass er sich dabei verbog oder zum Kasper machte. Er verfügte damals bereits über Bindungssicherheit und ein gutes Selbstwertgefühl. Deshalb fiel es ihm leicht, all meine Attacken nicht persönlich zu nehmen. Er wusste ja - ich meinte gar nicht ihn! Er war - in diesem Fall durch meine Kindheit geprägt - meine Vaterprojektion. Wir lernten zu kommunizieren; ich insbesondere Ängste auszusprechen und Gefühle zu spüren. Woher kannte ich diese Gefühle? Was lösten sie aus? Wie und wo fühlte ich sie?
    Aber es war nicht nur meine Beziehung, die sich veränderte. ICH veränderte mich. Ich mochte mich immer mehr. Und auch der Umgang mit anderen Menschen wurde anders. Denn meine BA beschränkte sich nicht nur auf Männer. ich war jahrelang nicht in der Lage, überhaupt zu irgend einem Menschen eine richtige Bindung aufzubauen. Nie wußte ich, warum ich mich immer wieder entzog oder Beziehungen zu Freundinnen/Kollegen etc. im Sande verlaufen ließ. Heute weiß ich es und kann euch sagen, dass das Erlernen von Beziehungs-/Kontaktpflege noch immer nicht ganz einfach für mich ist. ;-)
    Heute lebe ich ein (fast) ganz normales Leben. Wir sind seit einigen Jahren ein Paar. Es fühlt sich warm, wohlig und rund an so geliebt zu werden. Ich kann seine Liebe annehmen und freue mich jeden morgen, wenn ich neben ihm aufwache. Die BA zu bewältigen, hat Jahre gedauert. Meine Therapeutin sagte einmal, dass ich nicht erwarten könne, dass das, was ich über 30 Jahre praktiziert habe, in zwei Jahren wieder weg sei. Sie hat natürlich recht. Es ist, als müsste ich in meinem Hirn/Gefühlsbereich die ganzen Trampelpfade, die ich durch immer wieder erneutes darübertrampeln, neu erschaffen. Neue Wege gehen... neue Trampelpfade schaffen. Meine Gehirnwindungen neu programmieren. Das dauert ein wenig, ist aber - wie ihr seht - nicht unmöglich und ich kann euch nur Mut machen! Wenn ihr ganz tief in euch wisst, dass ihr lieber dauerhaft zu zweit, als ständig alleine sein möchtet, dann gebt nicht auf, an euch zu glauben. Und wenn es mit den ersten beiden Therapeuten nicht geklappt hat, dann waren es vielleicht nicht der Therapeut, der für dich in diesem Lebensabschnitt der richtige war. Gebt nicht auf... sucht weiter und holt euch die Hilfe, die ihr verdient habt. Denn niemand von uns kann etwas für diese BA! Wir sind letztendlich diejenigen, die es ausbaden müssen, dass in unserer Kindheit oft folgeschwere Glaubenssätze auf uns niederprasselten. Jeder von uns ist es wert geliebt zu werden. Und ich glaube ganz fest daran, dass du das auch schaffst!


    :flower:

    Lass dir von Menschen mit zu kleinem Horizont nicht erzählen, dass deine Träume zu groß sind.

  • Zitat von staphysagria

    Die BA zu bewältigen, hat Jahre gedauert. Meine Therapeutin sagte einmal, dass ich nicht erwarten könne, dass das, was ich über 30 Jahre praktiziert habe, in zwei Jahren wieder weg sei. Sie hat natürlich recht. Es ist, als müsste ich in meinem Hirn/Gefühlsbereich die ganzen Trampelpfade, die ich durch immer wieder erneutes darübertrampeln, neu erschaffen. Neue Wege gehen... neue Trampelpfade schaffen. Meine Gehirnwindungen neu programmieren. Das dauert ein wenig, ist aber - wie ihr seht - nicht unmöglich und ich kann euch nur Mut machen!


    Freut mich zu lesen, dass du Erfolg hast. Dein Zitat kann ich bestätigen. Ich arbeite mit meinem Therapeuten auch an der Umprogrammierung meiner negativen, über Jahre angeeigneten Automatismen im Denken, Handeln und Fühlen.
    Vielleicht ist folgender Link von Interesse: http://de.wikipedia.org/wiki/Neuropsychotherapie

    "Vergiss nicht, der Zaun, mit dem du dich vor anderen schützen willst, umschließt auch dich"

  • Ja und so wie sie es beschreibt empfinde ich es auch. Das Hirn muss neue Pfade lernen und das geht nur mit der Zeit und selbst dass ist es eine Entwicklung und kein Moment in dem plötzlich alles anders wird. Man tut so viel unbewusst dazu. Ist vielleicht erst mal kein schöner Gedanke, aber damit hat man es auch in der Hand es zu ändern.

  • Danke für deine Story. Danke für den Input. Ich bin froh, dass ich dieses Forum gefunden habe. Dein Beitrag inspiriert mich, dass ich auf meiner Therapeut/innen-Suche explizit darauf pochen mag, dass ich meine BA lösen will und ob sich die Person das auch vorstellen kann.


    Alles Liebe und viel Glück dir auch in Zukunft!

  • Danke für deine Story! Ich glaube, jeder, der sich in einen BÄ verliebt hat, hofft dabei, dass dieser genau so reflektiert an sich arbeitet wie du.

    Die Hoffnung hatte ich auch lange.

    Nach zwei Jahren Funkstille bzw „Schluss“ wollte er dann unbedingt mit mir reden, weil es „so ja nicht mehr weitergehen kann“ (wir arbeiten in einer Firma).

    Ich sagte ihm ok, er solle mir einfach sagen wann er Zeit hat und dann treffen wir uns. Das war Mitte September. Es kam natürlich nichts.

    Jetzt durfte ich aber hören, dass er wohl bei allen Kollegen, die mich für bestimmte Arbeitsbereiche vorschlagen (indem ich etwas „näher“ bei ihm arbeiten würde, er ist Führungskraft) einfach erzählt, ich hätte keine Lust drauf (was natürlich absolut nicht stimmt, ich bin immer froh wenn ich neues lernen kann)

    Wohl in der Hoffnung, er muss sich dann nicht mit mir abgeben.

    Da hat es dann zwischen uns nochmal einmal gekracht. Sowas geht absolut gar nicht!

    Wenn er nur die Hälfte von dem Willen und der Reflektion von dir hätte…

    Das wäre schön. Schön, dass es so Leute wie dich gibt!

  • Der Strang ist zwar 10 Jahre alt.

    Aber ein super Beispiel, wie es gut laufen kann. Wie man glücklich werden kann.

    Und was man dafür tun muss

    An sich arbeiteni Und einen möglichst stabilen Partner suchen. Und die BA da weiter bearbeiten

  • Ich denke auch dass der einzige Weg ist eine BA in sicher gebunden zu ändern das Glück ist, einen sicher gebundenen Partner zu finden. Dies ist wohl die 1-Million Nadel im Heuhaufen. Leider finden sich meistens BA's eher gegenseitig aufgrund ihrer Nervensysteme, die miteinander resonieren. Es fängt wohl oft bereits bei der Auswahl an...

  • Ich denke auch dass der einzige Weg ist eine BA in sicher gebunden zu ändern das Glück ist, einen sicher gebundenen Partner zu finden. Dies ist wohl die 1-Million Nadel im Heuhaufen. Leider finden sich meistens BA's eher gegenseitig aufgrund ihrer Nervensysteme, die miteinander resonieren. Es fängt wohl oft bereits bei der Auswahl an...

    Das befürchte ich auch.


    Außerdem würde ich mal behaupten, dass so gut wie niemand voll und ganz Bindungssicher ist.

    Auch verwechseln viele Liebe und Partnerschaft mit Kontrolle, Besitz und der ständigen Verfügbarkeit. Doch besonders diese Verfügbarkeit kann ein BA oft nicht geben. Da muss man sehr viel Kraft und Stabilität besitzen, um mit dem starken Autonomie-Bedürfnis umzugehen und sich dabei aber auch nicht zu sehr anzupassen und dennoch Grenzen zu setzen.


    Es ist ein Balanceakt und für alle Beteiligten eine Herausforderung.


    Auch denke ich braucht es eine sehr starke Liebe/ Zuneigung und die gegenseitige Rücksichtnahme. Sobald einer viel zu sehr auf sein Eigenwohl achtet wird es kippen.

    "I lived the sweet and I lived the sour

    Been living life locked up in tower

    But now I'm blooming like a flower

    Welcome to my world! Princess of power"

    Marina - Princess Of Power

  • Auch denke ich braucht es eine sehr starke Liebe/ Zuneigung und die gegenseitige Rücksichtnahme. Sobald einer viel zu sehr auf sein Eigenwohl achtet wird es kippen.

    Und ich sage, dass es kippt, wenn einer mehr beim anderen ist als bei sich selbst. Das kann man so und so sehen, liebe Laurentia!

  • Und ich sage, dass es kippt, wenn einer mehr beim anderen ist als bei sich selbst. Das kann man so und so sehen, liebe Laurentia!

    Ich weiß was du meinst und sehe das genau so.


    Doch ich glaube es sollte trotzdem ausgewogen sein. Denn wenn ich nur bei mir bleibe, dann übergehe ich den anderen auch sehr schnell. Wenn z.B. der BA Konflikten völlig aus dem Weg geht weil derjenige Druck verspürt und Angst vor Nähe hat oder wenn das gegenüber ständig Bestätigung vom BA möchte und Druck ausübt. Dann ist es toxisch.


    Hier ist es wichtig zu schauen, welche Bedrürfnisse Priorität haben und angebracht sind und welche man, um Rücksicht zu nehmen, etwas nach hinten schiebt. Denn nicht immer sind die eigenen Bedürfnisse gesund bzw. Echt. Manchmal glaubt man z.B. dass man nicht zusammen Passt, wenn man eigentlich nur gesehen und verstanden werden möchte. Hinter den vermeintlichen Bedürfnissen steckt manchmal was ganz anderes hinter.


    Damit meine ich selbstverständlich nicht, dass man sich selbst für den anderen aufgeben soll!! Aber man sollte hierbei auch nicht nur an sich selbst denken, da beide in dieser Dynamik beteiligt sind.


    Aber das klappt auch alles nur, wenn beide es wirklich wollen und bereit sind auf den anderen zu zuzugehen. Wenn nur einer Rücksicht nimmt und der andee macht was er will. Dann ist es im Ungleichgewicht und auch wieder toxisch.

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  • Bei sich selbst zu bleiben, bedeutet für mich was anderes als nur an sich zu denken. Ich sehe darin eine ganz wichtige Fähigkeit, die sowohl dem VÄ als auch dem BÄ abgeht. Wenn beide Partner bei sich bleiben, ihre Bedürfnisse wahrnehmen/äußern können und sich ihres Wertes und ihrer Grenzen bewusst sind, müssen sie weder klammern noch aus der Beziehung flüchten. Bindungssichere können das.


    Bindungsunsichere sind zu viel bei ihrem Partner bzw. den Annahmen über ihren Partner, bspw. dessen vermeintliche Erwartungen. Weil sie gelernt haben, dass Beziehungen unsicher sind; sie so, wie sie sind, nicht liebenswert sind oder dass sie für Liebe etwas leisten müssen.

  • Bei sich selbst zu bleiben, bedeutet für mich was anderes als nur an sich zu denken. Ich sehe darin eine ganz wichtige Fähigkeit, die sowohl dem VÄ als auch dem BÄ abgeht. Wenn beide Partner bei sich bleiben, ihre Bedürfnisse wahrnehmen/äußern können und sich ihres Wertes und ihrer Grenzen bewusst sind, müssen sie weder klammern noch aus der Beziehung flüchten. Bindungssichere können das.


    Bindungsunsichere sind zu viel bei ihrem Partner bzw. den Annahmen über ihren Partner, bspw. dessen vermeintliche Erwartungen. Weil sie gelernt haben, dass Beziehungen unsicher sind; sie so, wie sie sind, nicht liebenswert sind oder dass sie für Liebe etwas leisten müssen.

    Das stimmt. Da muss man auf jeden Fall differenzieren. Wenn du das so meintest dann hab ich das falsch verstanden.


    Besonders wichtig finde ich deine Aussage, dass die eigenen Bedürfnisse dann auch beim Gegenüber benannt werden sollten.


    Denn ich kann noch so viel bei mir bleiben. Wenn ich nicht kommuniziere was ich brauche oder was mir fehlt, dann übergeht mich der andere trotzdem.


    Ich hab mich lange nicht getraut beim BA zu sagen, dass es mich damals sehr störte und verunsichert hatte, dass er sich so selten gemeldet hatte bzw. Er wiederholt in den Rückzug gegangen war. Als ich es aber angesprochen hatte, da hat sich an der Dynamik schon ein wenig verändert. Manchmal merkt man ja auch gar nicht wie es dem anderen damit geht.


    Auch finde ich passiert es fast schon automatisch, dass man ins Grübeln kommt wenn sich der Partner zurückzieht. Man hat ja in der Regel nicht die Möglichkeit nach zu fragen oder zu kommunizieren. Man kann nur spekulieren. Und dann macht man sich viel zu viele Gedanken.


    Andere wiederum glauben der Partner hat zu hohe Erwartungen bzw verlangt zu viel. Da muss man manchmal genau hinschauen, ob es an den eigenen Unsicherheiten liegt oder der Tasche entspricht.

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  • Ich stimme allem zu was ihr sagt aber dann macht es mich auch traurig weil es menschlich ist. Kein Mensch kann immer dauerhaft über Jahre nur bei sich sein. Bei funktionierenden Beziehungen hat auch eine/r mal eine bessere und schlechtere Phase und es führt denoch nicht zur Trennung. Mit BA fühlt es sich aber an als würde man einen Millimeter Fehler begehen und die Verbindung ist schon wieder zerstört.


    Das frustiert mich so sehr; es bedarf gefühlt keine Sekunde ein falscher Gedanke und die Beziehung ist durch. Alles so schrecklich fragil mit BA und ständig auf Sand gebaut. Kein Mensch kann Monate ohne „Fehler“ oder ohne mal ein bisschen mehr beim Gegenüber zu sein leben.

  • Ich stimme allem zu was ihr sagt aber dann macht es mich auch traurig weil es menschlich ist. Kein Mensch kann immer dauerhaft über Jahre nur bei sich sein. Bei funktionierenden Beziehungen hat auch eine/r mal eine bessere und schlechtere Phase und es führt denoch nicht zur Trennung. Mit BA fühlt es sich aber an als würde man einen Millimeter Fehler begehen und die Verbindung ist schon wieder zerstört.


    Das frustiert mich so sehr; es bedarf gefühlt keine Sekunde ein falscher Gedanke und die Beziehung ist durch. Alles so schrecklich fragil mit BA und ständig auf Sand gebaut. Kein Mensch kann Monate ohne „Fehler“ oder ohne mal ein bisschen mehr beim Gegenüber zu sein leben.

    Ich finde es ist sogar nicht mal nur so, dass ein Fehler oder Missgeschick die Beziehung beendet.


    Oft ist es schlichtweg so, dass man bei extremen Vermeidern nichts richtig machen kann. Selbst wenn du die Bedürfnisse des Gegenübers berücksichtigst sorgt es dennoch meist irgendwann für ein Beziehungsende, da es früher oder später dem Vermeidenden "zu Nah" wird.


    Das heißt man kann dann nur verlieren.


    Denn wer tief liegende und unverarbeitete Traumata hat, sich nicht reflektieren und regulieren kann. Der wird auch an einem gewissen Punkt die Beziehung nicht mehr "aushalten". Genau bei den aufkommenden Herausforderungen und dem langweiligen Alltag in der Beziehung wird es dann kippen.

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  • Ich stimme allem zu was ihr sagt aber dann macht es mich auch traurig weil es menschlich ist. Kein Mensch kann immer dauerhaft über Jahre nur bei sich sein. Bei funktionierenden Beziehungen hat auch eine/r mal eine bessere und schlechtere Phase und es führt denoch nicht zur Trennung. Mit BA fühlt es sich aber an als würde man einen Millimeter Fehler begehen und die Verbindung ist schon wieder zerstört.


    Das frustiert mich so sehr; es bedarf gefühlt keine Sekunde ein falscher Gedanke und die Beziehung ist durch. Alles so schrecklich fragil mit BA und ständig auf Sand gebaut. Kein Mensch kann Monate ohne „Fehler“ oder ohne mal ein bisschen mehr beim Gegenüber zu sein leben.

    Weil Menschen mit BA/VA nicht in sich ruhen, kein Vertrauen in sich und andere haben. Wenn einem das nicht gegeben ist, gibt es nichts zum Austarieren. Ich finde das auch traurig.


    Es fängt in der Beziehung zu sich selbst an. Wenn da schon einiges im Argen liegt, wie soll diese dann, so ganz ohne Fundament, mit einem Partner funktionieren? Vor allem, wenn dieser ebenfalls bindungsunsicher ist. Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt.


    Ich frage mich allerdings, ob ich jemals an diese maladaptiven Prägungen herankomme, die letztlich auch meine Persönlichkeit geformt haben. Bildlich gesprochen reden wir da nicht über die Behebung eines Softwarefehlers, sondern über das Betriebssystem, welches zu wechseln wäre. Und das bei laufendem Betrieb ... Am schlimmsten finde ich, dass ich kognitiv alles verstehe, es aber dennoch nicht überschrieben bekomme.


    Will ich mir auch noch das letzte Lebensdrittel mit diesem, wie es scheint aussichtslosen, Kampf versauen? Oder komme ich in die Akzeptanz?

    Du hast geschrieben, Somatic Experiencing hat dir etwas geholfen. Magst du mal berichten, inwieweit?

  • Ohje - du bist auch schon so weit in deiner Erkenntnis. Glückwunsch und mein Beileid gleichzeitig - ich bin mir nicht mehr sicher was besser ist ;)

    In die Akzeptanz zu kommen entspricht eben leider nicht unserem menschlichen Dasein und unseren Bedürfnissen nach Nähe, Tiefe, Sexualität und Anschluss mit anderen. Man kämpft gegen seine Natur...


    Ich habe mit Somit Experience wegen einer konkreten Symptomatik angefangen; ich hatte starke Panikattacken mit Weinanfällen, aus denen ich immer suizidal wurde. Es ging dann immer relativ lange bis ich mich aus diesen Krämpfen erholte. Ich wollte wissen, wie ich mich langfristig selber besser regulieren kann, ohne das Gefühl zu haben ich würde sterben. Auf meiner Suche danach bin ich auch Somatic Experience gestossen und ich bin ein Jahr in Sitzungen gegangen. Es kam danach bis heute zu keinem Panikanfall mehr. Warum auch immer ist komplex - am besten einfach mal auf YouTube sich ein Bild von Somatic Experience verschaffen. Heute kann ich die ganze Trauer über diesem Thema auch in Trennungszeiten anders halten. Es fühlt sich an als wäre da nun ein gewisser Boden. Klar depressive Verstimmungen und grosse Trauer und Ohnmacht - alles da aber dieses Gefühl sterben zu müssen ist weg.


    Dazu kann ich die Literatur: Der Vagusschlüssel zur Traumaheilung empfehlen von Gopal Norbert Klein.

    Vom Trauma befreien von Peter A. Levine ist auch gut oder natürlich Das Trauma in dir von Bessel van der Kolk.


    Im Grunde weiss die gesamte Trauma Forschung heute, dass die Neuschreibung des Betriebssystems im Körper stattfinden müsste - wir suchen aber alle verständlicherweise im Hirn. Die Arbeit mit dem Nervensystem ist die Zentralste in der Bindungs- und Traumaforschung...


    Du sprichst den aussichtslosen Kampf an, das berührt mich. Ich sehe ihn auch als aussichtslos an. Es ist nur noch die Sexualität/Nähe, die mich ab und an wieder in eine Geschichte verstrickt. Gäbe es dafür eine Lösung wäre mein Urteil klar; auf keinen Fall würde ich mich freiwillig neuen Verbindungen aussetzen.

  • Ja, soweit sind hier viele, dass sie kognitiv das Problem erkennen, aber emotional nicht daran herankommen.


    Mich hat auch das Buch "Das Trauma in Dir" von Bessel van der Kolk überzeugt, der sehr nachdrücklich beschreibt, dass reine Gesprächtherapie bei Traumata nicht hilft, sondern, dass eine Körpertherapie erforderlich ist. Für die geannten Methoden wie beispielsweise "Ego-State-Therapie" gibt es aber leider (jedenfalls hier) so gut wie keine Therapeute mit Kassenzulassung.

  • allineed  LilaLyla Ganz lieben Dank für die Schilderung eurer Erfahrungen und eure Literaturempfehlungen.


    Von van der Kolk habe ich schon gehört. Und ja, vielleicht sollte ich mich da auch noch einlesen (kann bald eine Bibliothek zum Thema aufmachen;)).


    Allerdings muss ich aufpassen. Zu viel Beschäftigung mit psychologischen Themen zieht mich schnell runter bzw. lässt mich noch mehr verzweifeln. Mein Gefühl der Selbstwirksamkeit ist durch gescheiterte bzw. wenig hilfreiche Psychotherapien leider ziemlich am Boden.

    Ich mag die Nacht. Da sind alle Schaukeln frei.

    2 Mal editiert, zuletzt von On_my_own ()

  • Du sprichst den aussichtslosen Kampf an, das berührt mich. Ich sehe ihn auch als aussichtslos an. Es ist nur noch die Sexualität/Nähe, die mich ab und an wieder in eine Geschichte verstrickt. Gäbe es dafür eine Lösung wäre mein Urteil klar; auf keinen Fall würde ich mich freiwillig neuen Verbindungen aussetzen.

    Same here! Wenn es eine Möglichkeit gäbe, mein Bedürfnis nach Liebe und Nähe stillzulegen, hätte ich sie schon längst ergriffen.


    Hinzu kommt, dass ich mit Beziehungen gar nichts Schönes oder Erstrebenswertes mehr verbinde. Nur noch Schmerz und Kampf und gegen Wände anlaufen. Zu den besch... Prägungen aus der Kindheit gesellen sich ja leider noch die Erfahrungen, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe. Tadaaa! Und fertig ist das Bollwerk, das von nichts und niemandem mehr eingenommen werden kann. Zumindest fühlt es sich so an.